«Vielleicht ist das Ganze tatsächlich etwas verrückt»
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Stadträtin Ursula Stämmer und Hubert Achermann von der Stiftung Salle Modulable posieren vor dem Modell der Salle Modulable. (Bild: lwo)

Erste Infoveranstaltung zu Luzerner Theaterneubau «Vielleicht ist das Ganze tatsächlich etwas verrückt»

5 min Lesezeit 11.04.2016, 22:26 Uhr

Wie reagiert die Bevölkerung auf die ambitionierten Pläne des 208-Millionen-Projekts Salle Modulable auf dem Inseli? Eine erste Antwort darauf gab’s diesen Montagabend im Kulturzentrum Südpol. Während die Verantwortlichen unermüdlich die Chancen und Möglichkeiten betonten, wiesen Zuschauer auch auf mögliche Schwachpunkte hin.

Mit Spannung wurde er erwartet, der erste Infoabend zur Salle Modulable diesen Montagabend im Kulturzentrum Südpol. Nach Bekanntgabe der Pläne, auf dem Inseli für rund 161 Millionen Franken ein neues, hochmodernes (Musik-) Theater zu bauen, gingen die Wogen zumindest in den sozialen Medien und in Leserbriefspalten hoch. Tenor der Kritiker: Der Standort sei für diesen Riesenbau völlig ungeeignet. Zudem sei das Projekt für das notorisch klamme Luzern finanziell nicht zu stemmen, wegen dem neuen Prestigebau kämen künftig andere Kultursparten zu kurz. Spannend war an diesem Abend insbesondere zu sehen, wie und wie viele Kritiker sich zu Wort meldeten.

Bescheidenes Interesse

Eins vorweg: Es ging überraschend friedlich zu und her. Was auch mit dem eher bescheidenen Publikumsaufmarsch zu tun haben könnte. Nur gut 100 bis höchstens 150 Personen fanden den Weg in den Südpol – ein Kultur-Hotspot übrigens, den die Stadt Luzern 2008 für 26 Millionen Franken bauen liess, unter anderem als Ersatz für die Boa. Ob sich die Gemüter bereits etwas beruhigt haben?

Seitens der Salle Modulable erklärten sich: Regierungsratspräsident Reto Wyss, Stadträtin Ursula Stämmer und Hubert Achermann, Präsident der Stiftung Salle Modulable. Auch Vertreter von Arup sowie Ernst Basler + Partner (EBP), welche die beiden massgebenden Studien verfassten, waren anwesend. «Die Hosen an» hatte klar Stämmer. Nach der sehr ausführlichen und ohne News-Faktor erfolgten Präsentation des Projekts übernahm die diesen Sommer abtretende SP-Bildungsdirektorin das Zepter. Sie beantwortete die meisten Fragen und orchestrierte bei Bedarf, wer von ihren Podiumsnachbarn was zu ergänzen hatte.

Gut 100 Personen liessen sich am Montagabend im Südpol über die Salle Modulable informieren.

Gut 100 Personen liessen sich am Montagabend im Südpol über die Salle Modulable informieren.

(Bild: lwo)

Vor der Fragerunde aber ging Hubert Achermann in die Offensive. Er legte Folien mit fünf Fragen vor, die in den letzten Wochen in der Bevölkerung aufgetaucht seien, und beantwortete diese auch gleich ausführlich. Diese Fragen waren:

1. Wird das geplante Theater ein Prunkbau?

Achermann dementierte. Die Studie mache keine Aussagen zum äusseren Erscheinungsbild. Erst der Architekturwettbewerb werde hier Antworten liefern. Achermann versprach: «Das Geld wird nicht in Prunk, sondern in Innovation investiert.»

2. Wird die Salle Modulable elitär?

Nein, versicherte Achermann. «Das Theater überwindet Gräben zwischen der elitären und alternativen Kultur.» Schliesslich würden vom 208-Millionen-Projekt alle Bereiche der darstellenden Künste profitieren.

3. Macht der Riesenbau das Inseli als Aufenthaltsort kaputt?

Hier verstieg sich Achermann zur Aussage, dass der Neubau das Inseli – im Gegenteil – aufwerten werde. Der Erholungswert werde erhöht. Was bei einigen Besuchern für Kopfschütteln sorgte. Das Gegenteil sei der Fall, wurde gemurmelt.

4. Ist das Projekt nicht viel zu teuer?

Achermann sagte natürlich: Nein. Und nicht nur das: «Der Bau der Salle Modulable kostet weniger als die Renovation des Luzerner Theaters.» Diese von einigen Besuchern als abenteuerlich kommentierte Aussage untermauerte Achermann mit folgenden Zahlen: Nach Abzug der 80-Millionen-Schenkung des Mäzens Engelhorn und einem von hoffentlich weiteren privaten Sponsoren beigesteuerten Beitrag über 35 Millionen blieben unter dem Strich noch Baukosten von 64 Millionen Franken. Die Sanierung des alten Theaters jedoch koste 65 bis 100 Millionen. Das ist so weit korrekt. Aber: Dass ein Neubau wie die Salle Modulable in der Regel immer viel teurer wird als geplant (siehe KKL), blendete Achermann aus.

Standen im Südpol Red und Antwort: Tateo Nakajima (arup), Hubert Achermann, Reto Wyss und Ursula Stämmer.

Standen im Südpol Red und Antwort: Tateo Nakajima (arup), Hubert Achermann, Reto Wyss und Ursula Stämmer.

(Bild: lwo)

5. Kostet der Betrieb des neuen Theaters mehr als bislang?

Das wisse man schlicht noch nicht, sagte Achermann. Er verwies auf die Zahl von 8,8 Millionen Franken, welche der Betrieb jährlich kosten könnte. Dass für den Betrieb und Unterhalt (also mit allen Löhnen, Kosten für die Produktionen sowie Rückstellungen) des ambitionierten Theaterneubaus total jedoch jährlich 31 Millionen Franken berechnet wurden, erwähnte er nicht. Zum Vergleich: Das alte Luzerner Theater kostet den Staat jährlich 24 Millionen Franken.

«Aktuell ist das Projekt wegen der Kosten nicht mehrheitsfähig.»

Reto Wyss, Regierungsratspräsident

Bezüglich der jährlichen Unterhalts- und Betriebskosten stellte jedoch zu Beginn des Informationsabends im Südpol Regierungsratspräsident Reto Wyss klar: «Diese Kosten sind noch zu hoch. So ist das Projekt nicht mehrheitsfähig.» An den Baukosten von 161 Millionen und den daraus resultierenden Nettokosten für Stadt und Kanton in der Höhe von 93 Millionen Franken sei jedoch nicht zu rütteln. Wyss zog dem Publikum dann noch einen fetten Knochen durch den Mund: «Die Salle Modulable wird eine jährliche Wertschöpfung von 25 Millionen Franken generieren.»

Anbei noch zwei spannende Fragen aus dem Publikum:

6. Warum nicht etwas bescheidener investieren?

Für SP-Kantonsrat Hasan Candan geht die Rechnung nicht auf. Kanton und Stadt müssten aus finanziellen Gründen seit Jahren in der Bildung und im Sozialen sparen. Und nun wollten sie ein derart teures Projekt realisieren? Ursula Stämmer blendete die leeren Staatskassen aus: «Hier handelt es sich um eine Investition in die Zukunft. Wir dürfen wegen der Sparerei nicht erstarren. Vielleicht ist das Ganze tatsächlich etwas verrückt, aber ich stehe dazu.» Auch Hubert Achermann stützte sich auf das Prinzip Hoffnung: Baustart wäre ab 2019/2020. Ich hoffe, dass bis dann die Wirtschaft wieder besser läuft.» Und er machte klar, dass alleine mit den 80 Spendermillionen die verlangten Vorgaben für das Projekt unmöglich zu realisieren seien.

7. Was ist mit dem Dialog und dem Kulturkompromiss?

Der kantonale SP-Präsident David Roth monierte einerseits, dass die kurze Zeit bis zur Abstimmung im November kaum für einen Dialog mit der Bevölkerung reichen werde. Zudem stelle die Salle Modulable den Kulturkompromiss infrage und müsse neu ausgehandelt werden. Stämmer räumte ein, dass für eine echte Mitwirkung des Volkes die Zeit zu knapp sei. Das sei primär dem engen Zeitplan geschuldet und gehe nicht anders. Bezüglich Kulturkompromiss aber verwies Reto Wyss darauf, dass auch alternative Partner wie der Südpol oder die freie Szene hinter der Salle Modulable stünden.

Fazit des Abends:

Die Verantwortlichen des Jahrhundertprojekts Salle Modulable setzen sich mit Überzeugung und Herzblut für ihr Anliegen ein. Das kommt gut rüber und reisst mit. Aber sie haben noch viel Arbeit vor sich. All die offenen Fragen müssen bereits bis im Sommer geklärt und der Bevölkerung überzeugend vermittelt werden. Sonst könnte aus der Vision ein geplatzter Traum der heftigeren Sorte werden.  

HINWEIS: Alle relevanten Infos über das Projekt Salle Modulable finden Sie HIER in unserem Dossier.

Unser neuster Artikel dazu: Das geplante (Musik-) Theater auf dem Inseli hat die Dimensionen eines Hochhauses.

MEHR BILDER DER SALLE MODULABLE FINDEN SIE HIER IN UNSERER SLIDESHOW:

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