«Vielleicht bin ich der erste Araber, der vor dir steht und zu dir spricht»
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Usama Al Shahmani. (Bild: Limmat Verlag)

Lesung von Usama Al Shahmani in Luzern «Vielleicht bin ich der erste Araber, der vor dir steht und zu dir spricht»

3 min Lesezeit 27.08.2020, 13:38 Uhr

Usama Al Shahmani präsentierte diesen Mittwoch in Luzern seine beiden letzten Werke, darunter auch sein soeben erschienenes Buch «Im Fallen lernt die Feder fliegen». Im eleganten Hotel Beau Séjour fanden sich rund zwanzig Personen ein, um dem Schriftsteller zuzuhören, der von seiner Flucht und Integration in der Schweiz erzählte.

In Zusammenarbeit mit dem Limmatverlag sind von Al Shahmani drei Bücher erschienen, das neuste erst vor wenigen Tagen. Während dieses Buch von der Flucht einer Familie und den damit zu bewältigenden Problemen erzählt, handelt «In der Fremde sprechen die Bäume arabisch» von Al Shahmanis eigenen Flucht und dem Verschwinden seines Bruders Alis.

Von Bäumen und dem Wandern

Das Buch handelt nicht nur von Krieg, Gewalt und dem Verschwinden, sondern auch vom Irak, seinem System und den kulturellen Unterschieden. Im Zusammenhang mit dem in der Schweiz weit verbreiteten Phänomen des Wanderns entstanden einige unglaublich witzige Geschichten. Durch sein zweites Zuhause in der Schweiz lernte er das Wandern lieben, das ihn zu Beginn sehr irritiert hatte.

«Wir (Iraker) wandern nicht. Wir gehen laufen, spazieren und bummeln. […] aber wandern, das können wir nicht. […] Lange Strecken zu Fuss geht sonst keiner.» Diese Erkenntnis wandelt sich im Verlauf der Erzählung und so wird auch der Wald, der in der irakischen Kultur mit Gefahr und Dämonen verbunden ist, für Usama zu einem Anker in der Fremde. Einem Anker, der auch im Arabischen hält.

Links Mirjam Müller-Bodmer, Leiterin der Veranstaltung. Rechts Usama Al Shahmani. (Bild: ast)

Zwischen Tapete und Gewalt

Das elegante Interieur des Beau Séjour steht in krassem Gegensatz zur im Buch geschilderten Gewalt. Immer wieder breitet sich eine bedrückende Stimmung aus. Emotionen stehen im Raum. Eine gebannte Aufmerksamkeit richtet sich auf Usama Al Shahmani, der mit seiner klaren Stimme hässliche wie auch zum Schmunzeln anregende Situationen vorliest.

Irakische Milizen und deren Gewalttätigkeit wechseln sich mit Schweizer Wandervögeln ab. Auch bei den Zuhörern kommt immer wieder ein Schmunzeln oder sogar ein zaghaftes Lächeln auf, trotzdem bleibt eine gewisse Grundspannung angesichts der erzählten Themen zurück.

Zum Autor

Usama Al Shahmani ist von Hauptberuf freier Schriftsteller und auch als Dolmetscher, Kulturvermittler, Lehrer und Integrationshelfer tätig. In Qalat Sukar (Al Nassirija) studierte er moderne arabische Literatur und die arabische Sprache. Ein regimekritisches Theaterstück veranlasste ihn zur Flucht in die Schweiz.

Im Gespräch zwischen Mirjam Müller-Bodmer, der Leiterin des Projekts «Lebensreise» (Thema der diesjährigen Kulturveranstaltungen der Abteilung Alter und Gesundheit Luzern), und Usama Al Shahmani wurden weiterführende Fragen erörtert, die jeweils mit einem kurzen Auszug aus dem Buch beendet wurden.

Auf Müller-Bodmers Frage, wie er heute zum Irak stehe, antwortete Al Shahmani, es sei nicht zu leugnen, dass die Flucht ihm ein besseres Leben ermöglicht habe; trotzdem empfinde er es als sehr bedrückend zu hören, wie schlecht es beispielsweise einem Freund ergehe.

Eine gewisse Fremdheit bleibt

Dies besonders, weil man heute alles live mitbekomme. Und weil er seine Wurzeln immer behalten werde, werde der Irak auch immer ein Teil von ihm sein. Auch mit Ali, der eine zentrale Rolle im Buch spielt, wird er nie abschliessen können, da dieser einst von einem Tag auf den andern verschwunden ist und dessen Schicksal unklar ist.

Al Shahmani betont aber, dass er nun in der Schweiz wie auch im Irak sein Zuhause habe. Aber wie er im letzten Kapitel schreibt, bleibt doch eine gewisse Fremdheit in der Person zurück, die man nicht wieder ablegen kann.

Inhalt der Lesung waren diese beiden Bücher. (Bild: Alice Stadler)

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