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«Viele Veranstalter erwarten, dass man praktisch gratis spielt»
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Der Zuger Rapper Weibello blickt mit gemischten Gefühlen auf das Jahr als amtierender Sprungfeder-Sieger zurück. (Bild: lob)

Zuger Sprungfeder-Sieger Weibello zieht Bilanz «Viele Veranstalter erwarten, dass man praktisch gratis spielt»

4 min Lesezeit 01.12.2017, 19:49 Uhr

Am Samstag hat am Sprungfeder-Final eine neue Band die Chance, die Zentralschweizer Musikfans zu überzeugen. Der Zuger Rapper Weibello hat die Schüür mit seiner Band im letzten Jahr gerockt und den Sieg abgestaubt – und blickt auf ein durchzogenes Jahr zurück.

Vom Solokünstler zum Auftritt mit Band: Lange war der Zuger Rapper Fabian Weibel alias Weibello solo an Rap-Battles oder mit DJ unterwegs. Kurz vor der Teilnahme am Nachwuchsband-Wettbewerb formierte sich das Projekt «Weibello & the Gang». Die neue Richtung kam beim Publikum an: Die Zuger konnten sich Sprungfeder-Sieger 2016 nennen (zentralplus berichtete). Doch das neue Konzept hatte auch seinen Preis.

Auftritt ist in Erinnerung geblieben

«Der Sprungfeder-Wettbewerb war der vierte Gig in dieser Formation», erzählt uns Fabian Weibel beim Gespräch. «Wir waren eigentlich gar keine offizielle Band.» An den Auftritt erinnert sich der 25-Jährige gerne: Auftritt um Mitternacht, rappelvolle Schüür und ein tolles Publikum.

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Der Sieger des Abends heisst Weibello.  (Bild: pze)

Der Sieger des Abends heisst Weibello.  (Bild: pze)

«Nur schon für diesen Auftritt bin ich froh, dass ich mitgemacht habe. Das war ein richtiger Trance-Moment», erinnert sich der Rapper. Gut sei auch die Party danach gewesen. «Wir waren noch lange in der Bar 59, da sind einige bisher unentdeckte Tanzkünste zum Vorschein gekommen», meint Weibel lachend.

Lange Findungsphase

Durchgestartet ist Weibello mit seiner Gang seither aber nicht. Dadurch, dass die Band noch nicht lange zusammen war, brauchten die sechs Zeit, um zusammenzufinden. «Ein grosses Thema war, wer bei uns Drummer wird. Den Wettbewerb hatten wir eigentlich mit dem Ersatzschlagzeuger bestritten, der nun fest bei uns spielt. Die Entscheidung hat aber lange gedauert.»

zentralplus als Glücksbringer? Wir haben Weibello & the Gang im letzten Jahr zwei Tage vor dem Final bei einer besonderen Probe begleitet:

Weibellos Vergangenheit als Solokünstler spielte ihm in dieser Beziehung nicht in die Karten. «Dich mit mehreren Leuten zu organisieren, Termine abzusprechen und auch die Gage so auszuhandeln, dass es für so viele Leute stimmt – das alles musste ich erst lernen.» Vor allem Letzteres war nicht einfach. «Viele Veranstalter erwarten, dass man praktisch gratis in ihren Bars oder Clubs spielt. Du musst deine Rechte einfordern und im Business auch ein bisschen ein Arsch sein.»

Gigs blieben trotz Platz eins aus

Vom Sieg im November 2016 bis zum ersten Auftritt in Vollbesetzung seien gut acht Monate vergangen – die grosse Welle an Konzertangeboten blieb zu Weibels Enttäuschung erst mal aus. «Das Label ‹Sprungfeder-Sieger› hat uns nicht so weitergeholfen, wie ich gehofft hatte.» Zwischendurch trat der Rapper an kleinen Events auf, «aber nur begleitet von Gitarre und Cajon».

Diesen Sommer standen dann für die ganze Band die Konzerte in der Schüür und am Glücklich Openair in Luzern sowie am Rock the Docks Festival in Zug an – alle drei Gigs werden den Sprungfeder-Gewinnern zugesichert. Zusätzlich brachten Weibello & the Gang auch die Zuschauer am Chamer Villette-Fäscht zum Bouncen. «Das war das einzige grosse Konzert, das wir uns selbst angeln konnten», erzählt der 25-Jährige.

Den Auftritt am «Rock the Docks» haben die sechs Zuger sichtlich genossen:

«Das hat uns für die Routine gutgetan, wir haben unseren ‹Vibe› langsam gefunden.» Auch wenn der Start etwas harzig war – seine Gang hergeben würde er nie wieder. «Sie unterstützen auch, was ich schreibe und in den Liedern vermitteln will. Würde ich aber von Bitches und Koks rappen, dann würden die Jungs vermutlich nicht unbedingt hinter mir stehen», schmunzelt der Menzinger.

Im Februar geht’s ins Studio

Im Herbst waren die sechs Musiker dann ready fürs Studio – dieses aber nicht für sie. Es wird bis Januar noch umgebaut. «Das war schon schade, aber andererseits freuen wir uns jetzt darauf, im Februar in einem nigelnagelneuen Studio aufzunehmen.»

«Weibello & the Gang» in Vollbesetzung.

«Weibello & the Gang» in Vollbesetzung.

(Bild: zvg)

Drei Songs kann Weibello als Gewinner des Newcomer-Wettbewerbs auf Kosten der Sprungfeder aufnehmen. Es werden aber schon mehr werden, ist der Rapper überzeugt. Und freut sich, dann endlich eine Visitenkarte zu haben. «Bis jetzt gibt es von uns nur Videos von Liveauftritten, aber aufgenommene Songs und die Präsenz bei Plattformen wie Spotify ist heute nicht mehr wegzudenken.»

Was er und seine Band in Zukunft neben Gigs noch brauchen? «Wir können noch professioneller werden, was die Auftritte angeht. Und müssen einen Weg finden um auf den Socials zu werben, ohne den Leuten auf die Nerven zu gehen.»

Etwas mehr Rat hätte nicht geschadet

Zum Schluss wollen wir wissen: Was rät Weibel seinen Nachfolgern? «Geht nach dem Sieg sofort alle relevanten Medien an, schreibt alle möglichen Kulturwerke und Clubs an. Und vor allem: Plant und setzt euch ein Ziel.» Er würde sich wünschen, dass der Verein Sprungfeder den jungen Siegern noch mehr Tipps auf den Weg gibt.

Eine Idee, wer die diesjährige Ausgabe gewinnt? Er habe es nicht ganz so stark verfolgt, meint Weibel. «Aufgefallen sind mir aber ‹Lawrence Helle & His Funeral and Wedding Orkestar› – ich tippe auf sie als Sieger.»

Das Sprungfeder-Finale

Auch dieses Jahr findet das Finale des Zentralschweizer Bandnachwuchs-Contests in der Luzerner Schüür statt. Im Final stehen mit der Death-Metal-Band «Acheronian Scar» und dem «Lawrence Helle & His Funeral And Wedding Orkestar» auch zwei Luzerner Bands. Sie werden mit den «Cabinets» (NW) und «Down Side Up» (SZ) und den Sieg kämpfen.

Das grosse Band-Battle startet um 19.30 Uhr – hier geht es zum Ticket-Vorverkauf.

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