Viel Lärm und ein bisschen Musik
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Spätes Happyend an der 25. Zuger Jazz-Night Viel Lärm und ein bisschen Musik

3 min Lesezeit 26.08.2016, 15:24 Uhr

Die Jazz Night Zug feiert ihr 25-Jahr-Jubliäum bei strahlendem Sonnenschein. Eigentlich die perfekten Voraussetzungen für einen gelungenen Abend – wären da nicht die vielen plaudernden Menschen. 

Diesen Donnerstag ist die 25. Jazz Night gestartet. Als ob sie das Wetter direkt bei Petrus bestellt gehabt hätten, liessen sich die Freiluftkonzerte bei gefühlten 30 Grad in der Zuger Altstadt geniessen. Den Auftakt machte die Big Band der Musikschule Zug auf der Hauptbühne.

Manchmal mehr, manchmal weniger souverän spielten sich die 31 Nachwuchsmusiker unter der Leitung von Roland Dahinden durch eine Ansammlung von bekannten Real-Book-Standards wie «Caravan» oder «Feeling Good», sehr zur Freude der zahlreich erschienenen Zuschauer.

Zeitgleich spielte einige Meter weiter Veronika’s Ndiigo auf der Gärbiplatz-Bühne. Ihre leisen Töne, zurückhaltend von ihrer Band begleitet, passten zu diesem heissen Donnerstagabend wie mein schmelzendes Glacé, und gleich daneben gab’s kühle Getränke und Pasta zum Znacht bei der Chollerhalle-Bar. Eigentlich die perfekten Veraussetzungen, um einen der letzten Sommerabende dieses Jahres zu geniessen.

Veronika’s Ndiigo auf der Gärbiplatzbühne.

Veronika’s Ndiigo auf der Gärbiplatzbühne.

Jazz? Ich höre nur schwatzende Menschen

Leider befinden sich vor der Gärbiplatz-Bühne seit jeher Festbänke, deren Plätze heiss begehrt sind, meist aber nicht der Musik wegen. Das Resultat ist eine sowohl für die Musiker wie auch für die musikinteressierten Zuschauer frustrierend laut schwatzende Menge von Menschen. Das änderte sich auch nicht, als um 20 Uhr Simon Wahl die Bühne betrat.

Der Solo-Gitarren-Künstler, mittlerweile international für seine virtuose Gitarrenspieltechnik bekannt, konnte noch so klug ausgefeilte Arrangements von bekannten Stücken und interessante Eigenkompositionen mit humorvollen Moderationsansagen bringen – die anwesenden Gäste liessen sich ihren Schwatz nicht nehmen und verpassten oft sogar das Liedende, um wenigstens da höflich mitzuklatschen.

Die Situtation Richtung Fischmarkt/Schwanenplatz verhiess leider auch nichts Gutes. Die vielen anwesenden Menschen gehörten meist eher zur Schlange des Bierstandes und verursachten sowohl gehörig Stau als auch viel Lärm, so dass ich von den Konzerten eigentlich nichts mitbekam.

Je später desto besser

Wieder kehrtgemacht stellt sich heraus, dass mein kurzer Ausflug mich nun meinen Geheimtipp-Stehplatz hinter dem WC-Wagen auf der Mauer gekostet hat. Es ist mittlerweile nach 21 Uhr, und wir erreichen besucherzahlentechnisch langsam die Limite. Schiffssteg, Ufer, Mauern und Kiesplatz sind gefüllt mit stehenden Konzertbesuchern. Einzig meine langjährige Jazz-Night-Erfahrung lässt mich nicht verzweifeln: Es ist nämlich Donnerstagabend, was heisst, dass sich demnächst die Essfreudigeren unter den Besuchern auf den Nachhauseweg machen werden. Ein kurzer Besuch auf dem Landsgemeideplatz bestätigt denn auch dieses Phänomen. Die 10 Meter zwischen Bühne und Festbänken füllt sich langsam mit köpfewippenden Tänzern, und bereits lassen sich vereinzelte Sitzplätze ergattern. Auf der Bühne spielen Hot8 Brass Band aus New Orleans, eine der wenigen nicht Schweizer Formationen an diesem Abend, auf ihre Zugabe folgt Discosaster.

Und nachdem wir dann auch gemerkt hatten, dass die Mitte des Landsgemeindeplatzes das Gegenteil eines akustischen Sweet-spots ist, und uns am oberen Ende des Platzes gemütlich auf den Boden gesetzt hatten, konnten auch wir endlich die Musik und die Jazz Night geniessen.

Die Jazz Night Zug läuft noch heute Freitagabend in der Zuger Altstadt. Sehr zu empfehlen die Konzerte von Woodoism und Le Rex auf dem Fischmarkt ab 19.30

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