Viel gute Kunst zu sehen – trotz abschweifender Reden
  • Kultur
  • Kritik
  • Stadt
Rebekka Steiger freut sich als jüngste ausstellende Künstlerin über den Ausstellungspreis der Kunstgesellschaft Luzern. Sie steht vor ihrem Werk «Set the World on Fire» (Öl auf Leinwand, 2016). Bild: Nicole Aeschlimann

Einige Perlen im Kunstmuseum zu entdecken Viel gute Kunst zu sehen – trotz abschweifender Reden

3 min Lesezeit 10.12.2016, 10:23 Uhr

Das Kunstmuseum Luzern eröffnete am Freitagabend seine Jahresausstellung über das Zentralschweizer Kunstschaffen 2016. Zahlreiche Besucher bestaunten den vielfältigen Mix, den die dreissig Künstlerinnen und Künstler mit ihren aktuellen Werken ins Kunstmuseum bringen. Trotz den vom Thema abschweifenden Rednerinnen und Rednern bleibt die sehenswerte Ausstellung mit einigen Perlen in guter Erinnerung.

Die beissende Kälte dieses Dezemberabends liess das Kunstmuseum Luzern für einmal wohlig warm erscheinen. Zu verdanken war das auch den vielen Besuchern, die an diesem Freitagabend den Weg in die Jahresausstellung der Zentralschweizer Kunstschaffenden fanden. Die Ausstellung soll einen Überblick über das aktuelle Schaffen von Künstlerinnen und Künstlern in und aus der Zentralschweiz geben.

Drei Ausstellungen stehen einander gegenüber

Aus 180 Bewerbungen hat eine Fachjury, bestehend aus Sammlungskonservator Heinz Stahlhut, der Künstlerin Loredana Sperini und der Kunsthistorikerin Anna-Brigitte Schlittler, dreissig Künstlerinnen und Künstler ausgewählt. Diese durften ihre Werke im Kunstmuseum präsentieren. Entstanden ist eine Ausstellung mit vielen interessanten Arbeiten aus verschiedensten Materialien. Malerei, Fotografie und Skulpturen wechseln sich ab mit Video- und anderen Installationen (siehe Bildergalerie).

Eingefügt in die Schau ist die Kabinettausstellung von Sabrina Labis, der letztjährigen Gewinnerin des Ausstellungspreises der Kunstgesellschaft Luzern. Ebenfalls mit eröffnet wurde die Schau von Frauke Dannert im Pilatussaal, der räumlich an die Jahresausstellung angeschlossen ist.

Gegen 19 Uhr war der grösste der sieben Räume gut gefüllt. Man wartete, etwas eingepfercht, auf die angekündigte Begrüssung. Der Stimmung tat das vorerst keinen Abbruch. Es wurde angeregt begrüsst, geküsst und diskutiert. Neben den Künstlerinnen und Künstlern, die sich munter unters Publikum mischten, waren auch einige Persönlichkeiten aus der Politik anzutreffen.

Kritik an Kürzungen der öffentlichen Hand

Mit zehnminütiger Verzögerung betrat Andi Scheitlin, Präsident der Kunstgesellschaft Luzern, das kleine Podium. Nach einer kurzen Begrüssung und einigen Worten zur Ausstellung kam er direkt auf die aktuellen Kürzungen der öffentlichen Hand bei der Kultur zu sprechen; dies schien das grosse Thema des Abends zu sein. Auch die vier folgenden Redner gingen darauf ein. Verständlicherweise wurden die Zuhörer unruhig. Die Ausstellungseröffnung geriet dadurch für einige Zeit in den Hintergrund.

Nach Scheitlin erhielt Direktorin Fanni Fetzer das Wort. Die weiteren Oratorinnen und Oratoren stellten sich nicht vor. Dies lässt auf ein Insiderpublikum schliessen, das sich in der Szene bestens auskennt.

An der Vernissage wurden zwei Preise vergeben. Der Preis der Zentralschweizer Kantone ging an Monika Feucht. Dieser ist mit 12’000 Franken und einem Ankauf dotiert. Der Ausstellungspreis der Kunstgesellschaft Luzern wurde der jüngsten Künstlerin der Ausstellung verliehen: Rebekka Steiger. Sie kann in der nächsten Jahresausstellung einen Raum mit ihren Werken einrichten.

Fehlende Informationen und besondere Werke

Die Ausstellung bildet für Kunstinteressierte einen spannenden Querschnitt durch das künstlerische Schaffen in unserer Region. Leider erhielt man in den Ausstellungsräumen keine zusätzlichen Informationen zu den Werken. Die Lösung mit den Dossiers zu den Künstlerinnen und Künstlern in einem separaten Raum war bei dem grossen Andrang nicht die beste Wahl.

Trotzdem hinterliess die Ausstellung einen bleibenden Eindruck. Besonders in Erinnerung bleiben die Fotografien von Kyra Tabea Balderer. Farbenfroh präsentierten sich die abstrakten Formen, die sich bei näherem Hinsehen als bemalte ausgesägte Holzplatten entpuppten. Auch die filigranen Bleistiftzeichnungen von Monika Feucht zogen einen in ihren Bann. Die monumentalen Haar-Dutte sind schon von weitem sichtbar. Beim Nähertreten wird klar, dass das ganze Bild mit feinen Bleistiftstrichen gemalt worden ist.

Die Ausstellung ist noch bis zum 12. Februar 2017 zu sehen. Die meisten Werke stehen auch zum Verkauf. Falls man also die eine oder andere Perle entdeckt, darf man diese mit dem nötigen Kleingeld gerne in den eigenen vier Wänden aufhängen.

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

0 Kommentare

Abonniere den Newsletter

Und erhalte unsere Post ganz nach Deinen Bedürfnissen und Wünschen: Täglich oder wöchentlich.