Der Gletschergarten beim Löwendenkmal ist in die Jahre gekommen, die Besucher gingen die letzten Jahre zurück.
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Der Gletschergarten beim Löwendenkmal ist in die Jahre gekommen, die Besucher gingen die letzten Jahre zurück. (Bild: Copyright by AURA )

Totalerneuerung des Gletschergartens Luzern Verzweifelt gesucht: sechs Millionen Franken

5 min Lesezeit 10.07.2015, 17:56 Uhr

20 Millionen Franken will das Museum Gletschergarten in sein Projekt «Fels» investieren. Der Kanton zahlt zwei Millionen aus dem Lotteriefonds an die Kosten. An die Stadt werden ebenfalls grosse Erwartungen gestellt.

Der Kanton Luzern will das Projekt «Fels» von 2016 bis 2019 mit total zwei Millionen Franken respektive einem jährlichen Beitrag von 500’000 Franken aus dem Lotteriefonds unterstützen, heisst es in einer Mitteilung der Staatskanzlei vom Freitag. Dies in Anerkennung der kulturhistorischen Bedeutung des Gletschergartens und seiner Bedeutung für den Tourismus in Luzern.

Direktor freut sich und hofft auf Stadt

Gletschergarten-Direktor Andreas Burri freut sich über diese Nachricht. «Die Beteiligung der öffentlichen Hand ist für unser Projekt signifikant. Wenn sie nicht mitmacht, kollabiert unsere Planung», sagt Burri. In der Mitteilung der Staatskanzlei steht, der Kantonsbeitrag sei an die Bedingung geknüpft, dass die Stadt Luzern sich «mit dem gleichen Betrag» beteilige.

Doch von welchem Betrag wird da geredet? Wurden am Freitagmorgen zuerst drei Millionen Franken kommuniziert, also soviel wie die Stadt Luzern einmal versprochen hat, korrigierte die Luzerner Staatskanzlei ihre Mitteilung später auf zwei Millionen Franken und spricht von einem bedauerlichen Fehler. Verwirrlich.

Über einen allfälligen städtischen Beitrag in dieser Höhe befindet das Stadtparlament Luzern. Burri hofft auch dort auf einen positiven Bescheid und die Rückendeckung des Parlaments für die Neubaupläne.

Gemäss Auskunft der Stadt Luzern wird der Regierungsratsbeschluss vom Stadtrat nach dessen Sommerpause diskutiert werden. Die Exekutive entscheide dann über eine allfällige städtische Beteiligung und das weitere Vorgehen. Stimmt sie zu, wird sie dem Parlament einen Bericht und Antrag dazu unterbreiten.

Es fehlen noch fünf Millionen Franken

Das Projekt Fels, mit dem der Gletschergarten für die Zukunft fit gemacht und wieder mehr Besucher anziehen will, kostet insgesamt 20 Millionen Franken. Neben den zwei Millionen Franken aus kantonalen Lotteriegeldern und den erhofften drei Millionen Franken der Stadt, hat der Gletschergarten Zusagen privater Spender über rund neun Millionen Franken. Diese sind ebenfalls an definitive Zusagen der öffentlichen Hand gebunden. Es fehlen also noch rund sechs Millionen Franken bis zum Ziel.

Drei Viertel der Kosten gedeckt

«70 Auflagen erfüllt»

Im März 2015 hat das Gletschergarten-Museum das Baugesuch bei der Stadt Luzern eingereicht. «Wir hoffen, die Baubewilligung im November zu erhalten», erklärt Museumsdirektor Andreas Burri. Es sei ein «interessantes Verfahren» gewesen, sagt er und lacht. Will heissen: sehr viel Arbeit, und unterschiedliche Interessen mussten unter einen Hut gebracht werden. Denn der Gletschergarten ist  geschützt und in verschiedenen Inventaren genannt. So haben nationale, kantonale und städtische Gremien Forderungen und Wünsche eingebracht. «In unsere Baubewilligung sind insgesamt 70 Auflagen eingearbeitet», sagt der Museumsdirektor. Man hoffe, Ende 2016 mit dem Bau starten zu können. Das eine Jahr Unterbruch zwischen Baubewilligung und möglichem Baustart brauche man für weitere Planungsarbeiten und Ausschreibungen, zudem müsse die Finanzierung zuerst gesichert sein. Burri weist darauf hin, dass das Museum die bisherige Planung selbst bezahlt hat. Der Direktor: «Wenn alles nach Plan läuft, könnten wir die ersten Elemente 2018 in Betrieb nehmen und wären 2019 fertig.»

«Im Moment haben wir finanzielle Zusagen für rund drei Viertel der Projektkosten», sagt der Museumsdirektor. Namen möchte er keine nennen. «Wir haben um die 50 Spender, die uns mit Beträgen zwischen 30 bis 10’000 Franken unterstützen.» Burri spricht von Donatoren und von Mäzenentum. «Sponsoring ist nur in ganz kleinem Rahmen vorgesehen, denn dafür muss man eine Gegenleistung bringen, was bei uns schwierig ist.»

Finanzierungsaktion: Sandsteine, Treppenstufen und Freibillette

Stiftung und Forum Gletschergarten haben im Frühling 2015 gemeinsam eine Finanzierungsaktion gestartet. Man kann über die Webseite spenden. Für grössere Beiträge gibt es eine Gegenleistung: Ab 500 Franken winkt einer von 555 numerierten Sandsteinen aus dem Ausbruch. Wer 5000 Franken spendet, wird auf einer der 140 Treppenstufen im Fels-Museum namentlich verewigt, auf der Sponsorentafel genannt und erhält Freibillette. Für 10’000 Franken wird der Spender oder die Spenderin ebenfalls für alle Zeiten auf der Sponsorentafel verewigt, man darf das Spiegellabyrinth für einen Apéro nutzen und erhält Freibillette.

Besucherrückgang auffangen

Mit dem Projekt Fels erhält der Gletschergarten ein völlig neues Gesicht und wird mit dem Untergrund-Museum im Fels zu einer neuen Attraktion Luzerns. Das verstaubte Image des auch schon als Kuriositätenkabinett bezeichneten kleinen Museums mit seinen Wurzeln im 19. Jahrhundert, soll damit endgültig der Vergangenheit angehören.

Mit dem Neu- und Ausbauprojekt reagiert die Leitung ausserdem auf den Schwund der Besucherzahlen seit den neunziger Jahren. Der Gletschergarten gehört zwar zu den 20 meistbesuchten Museen der Schweiz. Doch die Zahlen sind zurück gegangen. Besuchten 2007 noch 126’589 Personen das Museum, waren es 2012 nur noch 114’783 und 2013 115’374. Das Jahr 2014 war für alle Museen der Schweiz ein gutes Jahr, der Gletschgarten zählte laut dem Direktor rund 120’000 Besucher. «Durchzogenes Wetter, wie wir es im letzten Jahr hatten, beschert uns jeweils viele Gäste», sagt Burri.

Da das Museum zu über 70 Prozent durch die Billetteinnahmen finanziert wird, ist das geplante Projekt also ein innovativer Befreiungsschlag und weist in die Zukunft.

Geologie-Museum im Fels und ein Grotten-Bergsee

Und so muss man sich den neuen Gletschergarten vorstellen: Das Projekt des Basler Architekturbüros Miller + Maranta sieht vor, dass die Besucher durch ein Portal und eine Säulenhalle in den Untergrund Luzerns gelangen.  Durch massive, in den Fels gehauene Säulen wird das Tageslicht gefiltert und der Besucher schrittweise über einen Weg in den Berg eingeführt. Die Erdgeschichte Luzerns wird im Berg erlebbar. «Wir inszenieren die Spuren des ehemaligen Meeresstands und Fossilienfunde. Aber auch Themen wie Bergwasser, Erdmagnetfeld oder Bodenressourcen können aufgenommen werden», erklärt Andreas Burri.

Die Besucher treffen auf einen Bergsee. Durch einen vertikalen Gartenhof dringt Licht in die Tiefe des Bergs. Über eine Treppe entlang den Felswänden gelangen die Besucher wieder ans Tageslicht, zur Sommerau. Diese Wiese hinter dem Aussichtsturm wird erstmals für das Publikum zugänglich gemacht. Auch die heutigen Gebäude werden eine Erneuerung erfahren. Das Schweizerhaus aus der Gründungszeit des Museums wird von seinen vielen Anbauten befreit, die den ursprünglichen Charakter stark veränderten.

Museum vor 142 Jahren eröffnet

Der Ursprung des Gletschergartens geht auf einen Zufall zurück. Beim Bau seines Weinkellers fand Hausherr Josef Wilhelm Amrein-Troller 1872 die Gletschertöpfe im Fels. Gletschertöpfe sind topf- oder schachtartige Vertiefungen in Felsgestein, die durch das Schmelzwasser eines Gletschers gebildet worden sind. Man findet sie häufig im Alpenraum, sie stammen aus der Eiszeit. Bereits ein Jahr nach der Entdeckung, 1873, machte der Hausbesitzer die aussergewöhnlichen geologischen Formationen den Gästen aus nah und fern zugänglich. Heute stehen das ehemalige Wohnhaus und der historische Park unter Denkmalschutz.

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