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Verwirrung um Sicherheitslinie
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Da darf man nicht mehr drüber: Die kurze Sicherheitslinie vor dem Bahnhof Luzern. (Bild: bra)

Verkehr beim Bahnhof Luzern Verwirrung um Sicherheitslinie

3 min Lesezeit 4 Kommentare 30.09.2014, 06:33 Uhr

Ab sofort ist die Durchfahrt von der Pilatusstrasse her Richtung Bahnhof nur noch für Busse da. Aber zahlreiche Autofahrer fuhren gestern Morgen trotzdem geradeaus und übersahen die neue Sicherheitslinie. Dies, weil kaum Signalisationen vor Ort angebracht sind. Ein Verkehrsdienst musste die Falschfahrer stoppen. 

Gestern Montag, ein Augenschein vor Ort am Luzerner Bahnhof: Im Sekundentakt stehen orientierungslose Autofahrer quer in der Spur. Verdutzt schauen sie hinter dem Steuer hervor. Ein Mann mit leuchtend gelber Weste, ein Mitarbeiter der «DARU-Wache», versperrt ihnen den Weg. Hier geht es für Autos nicht mehr weiter. Die Lenkerinnen und Lenker haben, von der Pilatusstrasse her kommend, eine neue Sicherheitslinie übersehen. Für Autos gilt ab sofort: KKL und Inseliquai sind nur noch über die Zentralstrasse zu erreichen.

Der Mitarbeiter der DARU-Wache muss hier ganzen Körpereinsatz leisten. Während die Ampel kurz auf Rot schaltet, nutzt er die Verschnaufpause und zieht ein erstes Fazit: «Seit heute morgen fahren pro Stunde sicher 40 bis 50 Fahrzeuge über die Linie», sagt er. Kaum gesagt, geht er wieder zielstrebig auf die Strasse, breitet seine Arme weit aus und erntet Gehupe und verworfene Hände. Danach reihen sich die Fahrzeuge widerwillig nach links ein.

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Signalisation zu undeutlich? 

Pilatusstrasse-Bahnhof nur noch für Busse

Autofahrende, die vom Kasernenplatz zum Bahnhof und zum KKL Luzern gelangen wollen, müssen über die Moosstrasse und den Bundesplatz fahren. Damit die Verkehrssicherheit trotz der Mehrbelastung in diesem Abschnitt gegeben ist, sind im Sommer 2014 der Bundesplatz und die Kreuzung Bundes-/Moosstrasse umgestaltet worden. Zudem wurde auf der Moosstrasse Tempo 30 eingeführt. 

Die Pilatusstrasse wird zu den Hauptverkehrszeiten täglich von mehr als hundert Bussen pro Richtung befahren. In Richtung Bahnhof stehen die Busse zu den Stosszeiten nicht selten im Stau, da sie ab der Morgartenstrasse keine eigene Busspur haben und im Bereich Bahnhofplatz von Fahrzeugen, die einen Spurwechsel machen müssen, behindert werden.

Die kurze neue Sicherheitslinie: Besonders für Gewohnheitsfahrer ist sie geradezu unsichtbar. Das ist offensichtlich. Bis Mittwochmorgen soll der Einsatz der DARU-Wache noch dauern. Aber was kommt dann? «Keine Ahnung, wie es nachher hier weiter geht», sagt der Verkehrswächter mit Blick auf die Strasse. Ordnung sieht etwas anders aus. Braucht es hier nicht eine deutlichere Signalisation?

Laut Luzerner Polizei sind momentan keine weiteren Massnahmen geplant. «Wir hätten die Ressourcen nicht, um vor Ort den Verkehr zu regeln», sagt Sprecher Kurt Graf. Die Polizei käme erst in einer zweiten Phase, nach der Einführung des Verkehrsregimes, zum Zug. Vorher ist die Stadt Luzern in Absprache mit dem Kanton dafür zuständig, dass alles reibungslos verläuft. 

Vier Informationstafeln wurden für die Autofahrer am vergangenen Montag aufgestellt. Allerdings fallen an der Kreuzung vor dem Bahnhof keine besonderen Signalisationen auf. Martin Urwyler, Ressortleiter Verkehrsplanung der Stadt Luzern, sagt: «Die Signalisation bleibt so, wie sie ist.» Eine Analyse über die Wirkung der Massnahmen werde im November durchgeführt. «Dann analysieren wir die Verkehrsflüsse». 

Ist die unübersichtliche Situation nicht gefährlich? «Ein Einsatz für die Verkehrsregelung wird bei Bedarf verlängert», sagt Urwyler. Und der Verkehrsplaner zeigt ein gewisses Verständnis für die Falschfahrer: «Es dauert eine Weile, bis man sich umgewöhnt hat. Besonders, wenn man 30 Jahre immer geradeaus gefahren ist.» Jede Verkehrsregime-Änderung brauche erfahrungsgemäss rund einen Monat, bis sie akzeptiert werde. «Bis alles wirklich reibungslos verläuft, dauert es mindestens ein Jahr». 

Busse begrüssen das neue Regime

Für die Zentralschweizer Busbetriebe ist die neue Situation viel komfortabler. Sie freuen sich über die eingeführte Neuerung. «Für den öffentlichen Verkehr und für zahlreiche Pendler ist die Bedeutung der Pilatusstrasse sehr hoch», schreiben die Busunternehmen in einer gemeinsam verfassten Mitteilung. «Die Busspur Pilatusstrasse ist angesichts der Länge ein kleiner Schritt, für die Zuverlässigkeit des öffentlichen Verkehrs in der Stadt Luzern aber ein grosser Sprung», sagt Beat Wiget, Leiter der Region Zentralschweiz von PostAuto Schweiz AG.

Täglich fahren rund 53’000 Personen mit öffentlichen Verkehrsmitteln über die Pilatusstrasse in Richtung Bahnhof Luzern. Mit über 100 Bussen in den Abendspitzenstunden ist die Pilatusstrasse nicht nur der meistbefahrene Busabschnitt in Luzern, sondern auch einer der meistfrequentierten Abschnitte der ganzen Schweiz.

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4 Kommentare
  1. Werner Raymond Duss, 01.10.2014, 22:57 Uhr

    Mich würde eh interessieren was die Luzerner Verkehrsplaner von Beruf sind. Das ist ein Chaos sondergleichen. Velo fahren würde ich in der Stadt Luzern auch niemals freiwillig. Das ist lebensgefährlich.
    Und diese neue Verkehrsführung am Bahnhof ist ein Schildbürgerstreich sondergleichen.

  2. Daniel Wehner, 01.10.2014, 07:50 Uhr

    Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, nämlich die Bevorzugung des öffentlichen Verkehrs gegenüber dem motorisierten Invididualverkehrs, das freut mich. Die Autofahrer hatten Jahre lang genug Privilegien in Luzern. Mit ein wenig Denken finden sie bestimmt auch den Weg, ohne über die verbotene Buslinie zu fahren. Der oeV hat jetzt zumindest teilweise Priorität bekommen. Aaer Fussgänger werden übrigens in Luzern auch benachteiligt. An Ampeln an der Pilatusstrasse und am Pilatusplatz wartet man gefühlte 5 Minuten, bis man endlich über die Strasse kann. Die Grünphasen sind kurz, wie ein Artikel auf zentral+ einmal bewies. Die Trottoirs an der Pilatusstrasse sind so niedrig, dass man Angst haben muss, dass einen ein Auto ode Bus über den Haufen fährt. Es gäbe viel zu tun, packen wirs an.

  3. Peter Scheck, 30.09.2014, 18:10 Uhr

    In Luzern ist Verkehrschaos zu einem guten Teil selbst gemacht.

  4. Guido Huber, 30.09.2014, 10:34 Uhr

    Schön, wenn dem Busverkehr Vortritt gewährt wird, aber haben die Verkehrsplaner auch daran gedacht, wie ein Autofahrer/in der/die vom Reussbühl oder vom Bruchquartier zum Bahnhof fährt auch da hin kommt? Fahren bis zur Hofkirche und dann den ganzen Weg zurück? Oder wird schon beim Pilatusplatz signalisiert, dass er nun die Obergrundstrasse Richtung Kriens nehmen muss, dann in die Moosstrasse und via Bundesplatz, der jetzt dank der neuen Regelung schon mehr als nur überlastet ist, in die Zentralstrasse??
    Via Bahnhofstrasse geht ja dann auch nicht mehr!!
    Was wollen die Stadtoberen, speziell die verantwortliche Person für Verkehr damit erreichen? Irgendwie bekomme ich das Gefühl, dass Denken eine Glückssache ist.

    Das Chaos ist vorprogrammiert. Noch mehr Verstopfung, keinen Verkehrsfluss. Wie wäre es mit etwas mehr Weitsicht? Sollte eigentlich bei der hohen Entlohnung zu erwarten, respektive verlangt werden dürfen.

    Bin gespannt, ob sich diese neue Verkehrsregelung halten wird oder kann.

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