Verwaltung am Seetalplatz: Parksituation wirft Fragen auf
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Der Eingang auf der Seite des Busbahnhofs, den laut Kanton täglich rund 2'000 Personen nutzen werden. (Visualisierung: zvg)

Nur 74 Parkplätze für 1'450 Mitarbeitende Verwaltung am Seetalplatz: Parksituation wirft Fragen auf

6 min Lesezeit 3 Kommentare 11.09.2021, 11:46 Uhr

Praktisch die gesamte Verwaltung des Kantons Luzern zieht in fünf Jahren in einen neuen Bürokomplex am Seetalplatz. Über 1’400 Angestellte haben dort künftig ihren Arbeitsplatz. Mit welchen Verkehrsmitteln sie alle dorthin gelangen, ist eine der zentralen Fragen. Klar ist: Das Auto soll keine Option sein.

Der Seetalplatz ist vieles: Verkehrsknoten, Zwischennutzungsareal, Brache, Baustelle. In seiner heutigen Form zwar definitiv keine Augenweide – aber für Emmen, die Stadt Luzern und auch den gesamten Kanton, ist der Seetalplatz designierter «Ort der Zukunft».

Selbst der Bund sieht im Seetalplatz enormes Potenzial. Nicht ohne Grund unterzeichnete Verkehrsministerin Simonetta Sommaruga am Donnerstag hier die «Erklärung von Emmenbrücke». Mit dieser Zusammenarbeitsvereinbarung soll die Entwicklung von modernen Verkehrsdrehscheiben gefördert werden. Die Pläne für den Seetalplatz sind für die Bundesrätin ein Paradebeispiel dafür, wie der Pendlerverkehr in Zukunft funktionieren soll (zentralplus berichtete).

Und diese Pläne haben es in sich: Rund um den Seetalplatz sollen in den nächsten Jahren gegen 4’000 Arbeitsplätze und 1’500 Wohnungen entstehen – unter dem Titel «Luzern Nord» soll praktisch ein neues Stadtzentrum gedeihen. Eines der grössten Puzzlestücke in diesen Plänen: das neue kantonale Verwaltungsgebäude.

Viele neue Arbeitsplätze, viel neuer Pendlerverkehr

Rund 1’450 Mitarbeitende der kantonalen Verwaltung sollen ab 2026 zentral in einem neuen Bürokomplex direkt am Seetalplatz einquartiert werden. Der 177-Millionen-Bau wird politisch zwar hinterfragt, dennoch ist aktuell vorgesehen, dass Ende November an der Urne über den entsprechenden Kredit befunden wird (zentralplus berichtete).

Viele neue Arbeitsplätze in der Gemeinde zu haben ist für Emmen zweifelsohne attraktiv. Neue Wohnungen und Arbeitsplätze bedeuten aber auch mehr Verkehr. Das ist gerade für Emmen, insbesondere den Ortsteil Emmenbrücke, weniger attraktiv – schon heute ist das Gebiet rund um den Seetalplatz enorm von Verkehrsüberlastungen geprägt.

Unter anderem befürchtet Mitte-Ortsparteipräsident Christian Meister ein Verkehrsaufkommen, das kaum zu managen ist, und fordert deshalb Mobilitätskonzepte von Arbeitgebern, die nach Emmen kommen (zentralplus berichtete). Vor diesem Hintergrund muss man unweigerlich auf die Mobilitätspläne für das Verwaltungsgebäude blicken – was zunächst mehr Fragen aufwirft als beantwortet werden.

Leistungsfähigkeit soll gewährleistet bleiben

In der Vergangenheit schwirrte in der öffentlichen Diskussion wiederholt die Zahl von 100 Parkplätzen herum. Die aktuellen Pläne sehen jedoch lediglich eine Einstellhalle mit 74 Parkplätzen vor. Diese Zahl bestätigt auch Gesamtprojektleiter Franz Müller auf Anfrage. 74 Parkplätze für 1’450 Angestellte aus dem gesamten Kanton – kann das gutgehen?

Müller erklärt die Überlegung dahinter so: «Die geringe Anzahl Parkplätze berücksichtigt die Vorgaben zur Leistungsfähigkeit des Verkehrsknotens Seetalplatz.» Das ist angesichts des erwähnten hohen Verkehrsdrucks auf den Seetalplatz zwar nachvollziehbar. Doch ist es in der Praxis auch realistisch?

Potenzial in umliegenden Parkhäusern

An der oben erwähnten Veranstaltung mit Bundesrätin Sommaruga sprach auch der Emmer Gemeinderat Josef Schmidli, Direktor Bau und Umwelt, über die Zukunft des Seetalplatzes und das Verwaltungsgebäude. Auch er wies positiv auf die geringe Zahl der geplanten Parkplätze hin. Diese könne unter anderem durch eine bessere Auslastung der umliegenden Parkhäuser ermöglicht werden.

«Es geht um ein schlaues Parkplatzmanagement direkt am Seetalplatz. Die direkt vor Ort vorhandenen Parkplätze müssen möglichst optimal genutzt werden.»

Josef Schmidli, Gemeinderat Emmen (Direktor Bau und Umwelt)

Eine interessante Überlegung. Spontan kommt einem etwa das Emmen Center mit seinen 2’100 Gratisparkplätzen in den Sinn. Oder auch das Parkhaus des Wohncenters Emmen, direkt ab der Autobahnausfahrt der A2. Das sind allerdings nicht jene Parkiermöglichkeiten, die Schmidli primär ins Feld führt. «Es geht um ein schlaues Parkplatzmanagement direkt am Seetalplatz. Die direkt vor Ort vorhandenen Parkplätze müssen möglichst optimal genutzt werden», führt Gemeinderat Schmidli auf Anfrage aus.

Smarte Lösungen für die Smart City

Er blickt dabei etwa auf die 430 Parkplätze beim Centrum Seetalplatz – den meisten als Kino Maxx bekannt. «Das dortige Parkhaus wird tagsüber natürlich weit weniger frequentiert als am Abend. Diesen Umstand kann man sich zunutze machen.» Auch gegenüber bei der Kantonalbank bestehen über ein Dutzend Parkplätze. Weitere werden mit der geplanten Überbauung entlang der kleinen Emme dazukommen (zentralplus berichtete). «Auch dort werden Parkplätze während der Bürozeiten leer stehen», so Schmidli.

«Es gibt digitale Lösungsansätze, um freie Parkplätze zu finden und bedarfsabhängig zu mieten oder zu reservieren.»

Josef Schmidli, Gemeinderat Emmen (Direktor Bau und Umwelt)

Alle diese Möglichkeiten müssten nun vernetzt und verknüpft werden, um Autofahrer effizient zu lotsen und Suchverkehr möglichst zu unterbinden. Schmidli verweist auf die Grundidee von Emmen Nord als innovativer Smart City (zentralplus berichtete). «Es gibt digitale Lösungsansätze, um freie Parkplätze zu finden und bedarfsabhängig zu mieten oder zu reservieren. Wir stehen diesbezüglich in den Startlöchern und werden, zusammen mit dem Kanton, das Gespräch mit den Grundbesitzern suchen.»

Kanton stellt klar: Personal kommt nicht mit dem Auto

Sowohl für Schmidli als auch den Kanton ist jedoch klar, dass praktisch der gesamte Verwaltungs-Pendlerverkehr über den ÖV abgewickelt wird. Genau deshalb wurde der Seetalplatz letztlich als Standort für das kantonale Verwaltungsgebäude ausgewählt, erklärt Gesamtprojektleiter Franz Müller. «Die guten Erschliessungen durch den öffentlichen Verkehr und für den Fuss- und Veloverkehr schaffen die Voraussetzung für einen weitestgehend autofreien Pendel- und Geschäftsverkehr.»

«Im Verwaltungsgebäude werden keine Parkplätze für den Arbeitsweg zur Verfügung gestellt.»

Franz Müller, Gesamtprojektleiter

Die 74 im Gebäude vorhandenen Parkplätze sollen denn auch nicht für die Anreise, sondern für notwendige Dienstfahrten genutzt werden. «Im Verwaltungsgebäude werden keine Parkplätze für den Arbeitsweg zur Verfügung gestellt», stellt Müller klar. «Gemäss der kantonalen Mobilitätsstrategie werden unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angehalten, für den Arbeitsweg auf das Privatauto zu verzichten und die öffentlichen Verkehrsmittel oder das Velo zu benutzen.»

Mobilitätskonzept soll offene Fragen beantworten

Das ist einfacher gesagt als getan. Schliesslich kommen nicht alle Mitarbeitenden direkt aus der Stadt oder der nahen Agglo. Es liegt auf der Hand, dass diese Vorgaben und Voraussetzungen nach einem Mobilitätskonzept verlangen. Die von Gemeinderat Schmidli gemachten Ausführungen könnten in ein solches Konzept einfliessen. Ein konkretes Papier existiert derzeit noch nicht. «Es liegt zurzeit nur ein Basiskonzept mit den wichtigsten Grundsätzen zur Mobilität vor, welches im Rahmen der Ausführungsplanung nach der Volksabstimmung noch detailliert aufgearbeitet werden muss», erklärt Müller.

Mit welchen Massnahmen die Mitarbeitenden der Verwaltung letztlich zum Verzicht aufs Auto animiert oder angehalten werden, müsse im Rahmen dieses Mobilitätskonzepts noch erarbeitet werden, sagt Müller. Klar sei aber, dass der Verzicht aufs Auto zumutbar sei: «Eine Reisezeitanalyse der Arbeitswege hat ergeben, dass sich die mittleren Reisezeiten und die Zumutbarkeit des ÖV mit dem Standortwechsel an den Seetalplatz kaum verändern.»

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3 Kommentare
  1. Ferdi Spaeti, 11.09.2021, 15:36 Uhr

    Viel Spass im Winter beim Auf den Bus warten.

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  2. Hegard, 11.09.2021, 13:14 Uhr

    Ist ja klar,die Tepichetage Fährt mit dem Auto an den Bürostuhl,die 2 Klasse zu Fuss. Die Stadtluzerner haben noch länger zur Verwaltung.Beim neuen Seetalplatz nennt man das Verkehrs drehscheibe,das aber für die Öffentliche Ämter beim neuen Bahnhof idealer wäre. .Die Luzerner ver Planer haben bis jetzt nicht anderes erreicht als die Probleme zu verschieben.
    Siehe Nordschleiffe, Littau Bahnhof usw

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    1. Ivan W, 12.09.2021, 11:12 Uhr

      Ein Verwaltung von dieser Grösse nach Emmenbrücke zu verlegen finde ich schon etwas problematisch. Fahren dann die Züge und Busse am Morgen und Abend im 5-Minuten-Takt, um die Arbeitnehmer zu transportieren? Die Obrigkeit geht ja davon aus, dass alle auf das Auto verzichten.

      Ihre Idee, die Verwaltung in der Nähe des Bahnhofs zu bauen ist gar keine so schlechte Idee Das Inseli würde sich sehr gut eignen, mit Übergängen zum blauen bestehenden Gebäude hätte es sicher genug Platz. Und vor allem: Der Inseli-Streit wäre gelöst und die Grünen müssen keine Angst haben, es könnten wieder Cars parkieren.

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