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Vermeintliches Zuger Unternehmen entwickelte E-Voting mit
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Mit der digitalen ID schafft Zug via App einen neuen Zugang zu den elektronischen Behördendienstleistungen. (Bild: jwy)

New Yorker Lieferant mit Zuger Briefkastenfirma Vermeintliches Zuger Unternehmen entwickelte E-Voting mit

3 min Lesezeit 19.02.2018, 09:27 Uhr

Die Stadt Zug gilt als Pionierin in Sachen digitale Identität – mit der gleichen Anwendung soll bald auch die Abstimmung im Netz möglich sein. Entwickelt wurde die Applikation von dem Unternehmen Consensys. Ein zugerisches – aber nur gerade auf dem Papier.

Im vergangenen Juli kommunizierte die Stadt Zug stolz, dass man ab September 2017 als weltweit erste Gemeinde allen Einwohnern die Möglichkeit biete, eine digitale Identität zu bekommen. Präsentiert wurde das Projekt mit zwei Monaten Verspätung von Stadtpräsident und Crypto-Enthusiast Dolfi Müller (zentralplus berichtete).

Mit der entwickelten Applikation ist auch ein anderes Novum möglich: Voraussichtlich im Frühling 2018 will die Stadt eine «E-Voting-Konsultativabstimmung» durchführen. An der Entwicklung beteiligt war nach der Mitteilung neben dem Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern – Wirtschaft unter anderem die Consensys-Uport aus Zug.

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Angegebenes Unternehmen existiert nicht

So lokal wie die Firma Consensys-Uport beschrieben wird, scheint sie allerdings nicht zu sein. Das erwähnte Unternehmen Consensys-Uport, welches eine digitale ID auf Ethereum-Basis anbietet, existiert gar nicht – hingegen ein Unternehmen mit Namen Consensys AG.

Diesen Umstand machte Marco Knobel von der Alternative – die Grünen Zug (ALG) im letzten Bulletin bekannt. Dort wurden unter anderem die Gefahren thematisiert, denen sich Zug durch seine Anziehungskraft als «Crypto Valley» aussetzen könne.

 

Die Consensys hat ihren Sitz an der Gubelstrasse 11 – zusammen mit vielen weiteren Firmen.

Die Consensys hat ihren Sitz an der Gubelstrasse 11 – zusammen mit vielen weiteren Firmen.

(Bild: zvg)

Die besagte Consensys AG ist denn auch in Zug domiziliert, genauer an der Gubelstrasse 11. Im Handelsregister eingetragen ist die Adresse c/o Sielva Management – eine Telefonnummer oder Mailaddresse der Schweizer Niederlassung lässt sich nirgends finden.

Dafür sagt der Briefkasten der Firma einiges aus: Ganze 61 Firmen sind an der Adresse registriert, darunter beispielsweise auch die Cardano-Stiftung, die hinter der Top-5-Cryptowährung Ada steht (zentralplus berichtete), sowie die Zuger Schein-Uni ABMS (zentralplus berichtete).

«So weit ich weiss, gibt es keine konkreten Hinweise, dass die Consensys irgendwelchen Dreck am Stecken hätte.»

Dolfi Müller, Zuger Stadtpräsident

Der eigentliche Hauptsitz der Consensys befindet sich in Brooklyn, New York. Knobel verwies in seinem Artikel auch auf die Halterabfrage der Domain www.consensys.com. Als Inhaber wird Whoisguard, Inc., ein Unternehmen aus Panama, welches «sich auf die Verschleierung von Domaininhabern spezialisiert» habe, angegeben. Mittlerweile ist die Domain consensys.com nicht mehr belegt, die Adresse lautet nun new.consensys.net. Auch die Inhaber der neuen Adresse werden von Whoisguard verschlüsselt.

Wer hinter der Domain new.consensys.net steht, bleibt verborgen.

Wer hinter der Domain new.consensys.net steht, bleibt verborgen.

(Bild: Screenshot whois.com)

Die Zusammenarbeit mit Zug ist auf der Homepage jedenfalls ersichtlich, in einem Beitrag wird die Technologie hinter der «Zug ID» erklärt.

Von Illegalität kann nicht die Rede sein

Bei der Stadt sieht man die Zusammenarbeit mit der Consensys nicht als problematisch. Man wisse, dass die Firma in Zug lediglich einen Sitz habe, aber nicht wirklich operiere. «Nichtsdestotrotz, die Vertreter der Firma waren da und haben mit uns gearbeitet. Und mit dem Resultat, sprich der entwickelten Applikation, sind wir sehr zufrieden», sagt Stadtpräsident Dolfi Müller.

Weiter fehle die Substanz für konkrete Vorwürfe gegen die Firma. «Soweit ich weiss, gibt es keine konkreten Hinweise, dass die Consensys irgendwelchen Dreck am Stecken hätte. Sie nehmen hier in Zug lediglich eine juristische Möglichkeit wahr», so Müller weiter. Rechtlich gesehen habe die Firma einen Sitz in Zug. Die geplante Konsultativabstimmung sei indes auf Kurs: Wer über eine digitale ID verfüge, solle im Frühling daran teilnehmen können, verrät der Zuger Stadtpräsident.

«Von der Consensys als Zuger Firma zu sprechen, ist Augenwischerei.»

Marco Knobel, Sekretär ALG

«Viele Entscheidungen ohne Parlament gefällt»

«Es liegt keine Illegalität vor, das Gebilde ist lediglich intransparent», sagt Marco Knobel. «Von der Consensys als Zuger Firma zu sprechen, ist allerdings Augenwischerei.» Weder er noch die Partei seien gegen die Blockchain-Technologie, die sich sehr wohl für Projekte wie die digitale ID eigne. «Viele Entscheidungen – zum Beispiel, dass Steuern mit Bitcoin bezahlt werden können, oder die Entwicklung dieser ID – wurden allerdings ohne das Parlament oder die Zustimmung des Stimmvolks gefällt. Dies halten wir nicht für richtig», erklärt Knobel weiter.

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