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Verkehrssalat in Zug: Nun soll ein Plan für die Zukunft her
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Die Bürgerlichen haben im Zuger Stadtrat nun die klare Mehrheit. Das weckt Begehrlichkeiten. (Bild: Wikimedia/Stadt Zug)

Tempo-20-Zone erhitzt in Stadt Zug die Gemüter Verkehrssalat in Zug: Nun soll ein Plan für die Zukunft her

5 min Lesezeit 26.02.2019, 22:56 Uhr

Ein neues Verkehrskonzept für die Stadt Zug tut dringend not: Die neusten Tempo-20-Pläne fürs Zuger Zentrum waren diesen Dienstag im Stadtparlament das dominierende Thema – obwohl sie offiziell gar nie behandelt wurden.

Der Verkehr bleibt beherrschendes Thema in der Stadtzuger Politik. Der Grosse Gemeinderat behandelte am Dienstag eine Traktandenliste mit mehreren Vorlagen, die sich mit Tempolimiten, der Erschliessung des Stadtkerns und am Rande auch mit Parkplätzen befasste.

Deutlich wurde dabei vor allem eins: Die Stadtzuger Verkehrspolitik ist nach der Ablehnung des Stadttunnel-Projekts immer noch ein Trümmerfeld, in dem ein übergeordnetes Konzept fehlt. Oder mindestens noch nicht öffentlich bekannt ist – doch davon später.

Alle wollen über Begegnungszone reden

Dieser Mangel ist den Stadtparlamentariern auch bewusst. Denn als es darum ging, eine überholte Motion der beiden früheren GLP-Gemeinderäte Michèle Kottelat und Stefan Abicht abzuschreiben, brach sofort eine Diskussion über die geplante Begegnungszone im Ortsteil Dorf los. So wird wie die obere Zuger Altstadt auch genannt.

«Wir wollen ein Konzept, damit wir wissen, wohin die Reise geht.»

Roman Burkard, Zuger FDP-Gemeinderat

Die Stadtregierung will dort bekanntlich eine Begegnungszone mit Tempo 20 einführen, weil sie Schleichverkehr befürchtet, da der Kanton auf der Hauptverkehrsachse durchs historische Zentrum Tempo 30 einführen will (zentralplus berichtete).

Mathias Wetzel zum Beispiel befand namens der FDP-Fraktion die Begegnungszone für unnötig. In Tat und Wahrheit werde bereits heute langsamer gefahren als vorgeschrieben, zum Teil bestehe ein Nachtfahrverbot und ausserdem würden durch die Begegnungszone und den Vortritt für Fussgänger eine falsche Sicherheit vorgespiegelt.

Die geplante Begegnungszone erstreckt sich von der St. Oswaldsgasse über die Kirchen- und Dorfstrasse bis hin zur Bohlstrasse.

Die geplante Begegnungszone erstreckt sich von der St. Oswaldsgasse über die Kirchen- und Dorfstrasse bis hin zur Bohlstrasse.

(Bild: Google Maps / zentralplus)

«Pflästerlipolitik»

Wetzel wollte, dass die Stadtregierung erst die Einführung von Tempo 30 auf der Grabenstrasse, oder möglichst auch noch die Ortsplanungsrevision und den Bau der Tangente Baar-Zug abwartet. Die Begegnungszone sei «Pflästerli-Politik». «Der Perimeter müsste geöffnet und der städtische Verkehrsablauf gesamtheitlich betrachtet werden», meinte Wetzel.

Auch Parteikollege Roman Burkard forderte von der Stadtregierung ein ganzheitliches Konzept und eine städtebauliche Gesamtbetrachtung. «Damit wir wissen, wohin die Reise geht», so der Freisinnige.

Gute Ideen sind gefragt

Im Prinzip auf das Gleiche zielte CSP-Gemeinderat Ignaz Voser für die Fraktion der CSP und ALG: «Wir möchten den Stadtrat ermutigen, mehr für die Qualität der Innenstadt zu machen und endlich einmal an das grosse Ganze zu denken und nicht in Kleinstlösungen hängen zu bleiben.»

Seit dem Nein gegen den Stadttunnel seien im Zentrum der Stadt gute Ideen gefragt, wie die Innenstadt trotz Verkehr attraktiver werden könnte. Für Voser indes ist die Entschleunigung des Durchgangsverkehrs «eine sehr gute Massnahme», die eine bessere Aufenthaltsqualität und ein erhöhtes Sicherheitsgefühl bringe.

«Auf der Zeughausgasse ist Tempo 20 nicht sinnvoll»

Urs Raschle, Zuger Stadtrat (CVP)

Die CSP-ALG-Fraktion hätte gern eine grosse Tempo-30-Zone in Zugs Zentrum und Voser brachte auch die Bahnhofsstrasse ins Spiel. Die Grünliberalen hatten zuvor gefragt, warum man nicht auch das Tempo auf der Zeughausgasse reduziere.

Gesamtbetrachtung für Altstadt

Auch die SVP fordert ein systematisches Vorgehen nach einem Konzept, wie Fraktionschef Gregor R. Bruhin deutlich machte. Sie will die Verkehrspolitik im Rahmen eines Masterplans für die Altstadt definieren und hat eine entsprechende Motion eingereicht. Die SVP ist gegen Temporeduktionen und will mit ihrem Vorstoss das Thema Parkplätze in der Altstadt wieder aufs Tapet bringen.

Doch offenbar ist die Zuger Stadtregierung nicht ganz so orientierungslos wie befürchtet. Stadtrat Urs Raschle (CVP) sagte, das Baudepartement habe eine städtebauliche Vision fürs Jahr 2050 erarbeitet, die man demnächst der Stadtzuger Politik zur Meinungsbildung vorlege.

«Beschäftigt uns sehr»

Ausserdem habe der Stadtrat beschlossen, im Rahmen dieser Vision auch ein Verkehrskonzept in Auftrag zu geben. «Glauben Sie mir: Die Frage, wie der Verkehr in der Stadt laufen soll, beschäftigt uns sehr», so Raschle.

Grundsätzlich stehe man mit der vom Kanton Zug beabsichtigten Einführung von Tempo 30 auf Grabenstrasse, Neugasse und dem untersten Teil der Aegeristrasse vor der Situation, dass auf einem Teil der Nebenstrassen noch Tempo 50 herrsche. Und dies bewege den Stadtrat zum Handeln.

Zeughausgasse kein Ort der Begegnung

Die Frage der Zeughausgasse sei im Stadtrat intensiv diskutiert worden, sagte Raschle. Diese Strasse erfülle eine verkehrsorientierte, nicht siedlungsorientierte Funktion. Dort Tempo 20 einzuführen sei nicht sinnvoll, man wolle keine Verkehrsbehinderungen.

Die Stadtparlamentarier hatten auch noch sinnvolle Anmerkungen zur Zuger Verkehrspolitik: Stefan W. Huber, Fraktionschef der Grünliberalen, fragte die Kritiker von Tempo 30, warum dieses gewerbefeindlich sein sollte. «Fahren die Autos dann zu langsam an den Schaufenstern vorbei?», meinte er ironisch.

Zone und Strecke sind nicht dasselbe

Im Gegensatz zu Tempo 30, wo eine Temporeduktion das Ziel sei, gehe es in einer Bewegungszone nicht um Verkehrsberuhigung, sagte Urs Bertschi (SP). Sondern die Bevorzugung der Verkehrsteilnehmer werde verändert. Fussgänger und Velofahrer erhielten Vortritt.

In der Tat plant der Kanton auf der Grabenstrasse und der Neugasse keine Tempo-30-Zone, sondern eine Tempo-30-Strecke, wie Stadtrat Urs Raschle klarmachte. Das heisst: Alle Fussgängerstreifen bleiben, wo sie sind. Dass Fussgänger einfach über die Strasse laufen und sich den Vortritt erzwingen, sei ausgeschlossen.

Werden die Fussgänger konfus?

Aber in der Bewegungszone soll es anders aussehen. Das stimmt die Christdemokraten skeptisch. Eine Begegnungszone könne auch gefährlich sein, «weil Fussgänger kopflos umherlaufen», wie Corina Kremmel (CVP) meinte.

Manuela Lehmann (CVP) glaubt, dass die engen Strassen im Ortsteil Dorf sowieso nicht zum Schnellfahren geeignet seien. Ausserdem würden die Strassen, auf denen Tempo 20 gelten soll, sich nicht für Umfahrungen eignen. Schleichverkehr sei kaum zu erwarten. «Eine Abkürzung macht nur Sinn, wenn man Richtung Zugerberg fährt», so Lehmann. Dies betreffe aber nur einen kleinen Teil des Verkehrs.

Die Zuger Dorfstrasse im Zeichen des Mittelalterfests.

Die Zuger Dorfstrasse – hier während eines Mittelalterfests.

(Bild: mam)

Erst mal auf Kanton warten

Die CVP möchte ebenfalls, dass die Stadtregierung erst mal abwartet, ob und wann der Kanton Tempo 30 auf den Hauptachsen durchs Zuger Altstadtgebiet einführt – also auf Grabenstrasse, Neugasse und Aegeristrasse.

Nur: Weder die Begegnungszone in der oberen Zuger Altstadt – im Ortsteil Dorf – wurde schliesslich im Stadtparlament behandelt, noch der Masterplan für die Zuger Altstadt, mit dem die SVP die Verkehrserschliessung diskutieren will.

Schattenboxen

Zwar stand beides ursprünglich auf der Traktandenliste, doch Gemeinderatspräsident Bruno Zimmermann (SVP) hatte zu Beginn der Sitzung bekanntgegeben, dass man sich damit vertagen und die beiden Anliegen erst bei der nächsten Sitzung behandeln wolle. Also wurde lediglich die alte GLP-Motion abgeschrieben. Affaire à suivre. 

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