Pro Velo will weniger Platz fürs Auto

Zugerberg: Institut Montana fordert viel mehr Parkplätze

Das Institut Montana auf dem Zugerberg wird in den nächsten Jahren umfassend modernisiert.

Das Institut Montana auf dem Zugerberg wird modernisiert. Das Vorhaben ist unbestritten – Widerstand gibt es aber wegen der Zahl der Parkplätze. Das Institut Montana und Pro Velo Zug haben gänzlich verschiedene Vorstellungen.

Der Zugerberg ist nicht nur ein beliebter Ausflugsort, sondern auch Heimat des Instituts Montana. Seit 1926 thront das Internat auf dem Zugerberg und ist mittlerweile Schulort von rund 400 Schülerinnen aus Zug und der weiten Welt. Nach rund 100-jährigem Bestehen ist es Zeit für eine umfassende Sanierung der Schule.

Darüber sind sich die Schulleitung, der Zuger Stadtrat sowie auch das Parlament einig. Dem entsprechenden Bebauungsplan hat der Grosse Gemeinderat im vergangenen Herbst in erster Lesung wohlwollend zugestimmt (zentralplus berichtete).

Streit um Parkplätze flammt auf

Doch vor der zweiten Lesung des Geschäfts keimt Unruhe auf. Der Bebauungsplan wurde gar Gegenstand von Einsprachen – und zwar von verschiedenen Seiten. Eine Einsprecherin ist das Institut Montana selbst. Die andere ist Pro Velo Zug. Beide kritisieren die Zahl der geplanten Parkplätze in der neuen Tiefgarage. Wenn auch aus unterschiedlichen Perspektiven.

«Das Verkehrsgutachten in der Berechnung des Parkplatzbedarfs geht von falschen und veralteten Annahmen aus.»

Aline Kaspar, Sprecherin Institut Montana

Das Institut pocht auf zusätzliche Parkplätze. Statt der geplanten 72 Parkplätze, die gemäss Bebauungsplan maximal zulässig sind, sollen 112 Parkplätze gebaut werden. Heute sind die Parkplätze quer über das Areal verteilt, zudem wird auch viel wild parkiert. Künftig sollen alle Parkplätze in einer Tiefgarage gebündelt werden.

40 zusätzliche Parkplätze für 20 zusätzliche Schüler

Auf Anfrage begründet die Schule ihren Antrag: «Das Verkehrsgutachten in der Berechnung des Parkplatzbedarfs geht von falschen und veralteten Annahmen aus.» Im Schulhaus hat es doppelt so viele Schulzimmer als im Verkehrsgutachten angenommen und statt 350 Schüler gibt es über 370 Schülerinnen.

Die historische Trinkhalle auf dem Zugerberg wird bereits jetzt saniert, bevor der Bebauungsplan rechtskräftig ist. (Bild: hch)

Doch wie rechtfertigt sich die Forderung, wegen 20 zusätzlicher Schüler 40 zusätzliche Parkplätze zuzulassen? Sprecherin Aline Kaspar betont, dass das Institut in den letzten Jahren sehr gewachsen sei. Sowohl die Zahl der Schülerinnen als auch die Zahl der Mitarbeiter ist laut Kaspar in den letzten Jahren gestiegen. Zudem sind die Klassen kleiner als bei einer öffentlichen Schule, weshalb es mehr Lehrpersonen braucht.

Rund 160 Mitarbeiterinnen beschäftigt die Schule, die Mehrheit davon im Teilzeitpensum. Aline Kaspar erklärt: «Die Erfahrung zeigt, dass Personen im Teilzeitpensum häufiger ein Auto verwenden, weil sie am gleichen Tag an verschiedenen Orten tätig sind und sehr darauf angewiesen sind, schnell von der einen zur anderen Arbeitsstelle zu gelangen.»

«Schon vor 30 Jahren hat man gefordert, dass der Zugerberg autofrei wird. Und langfristig wünschen wir uns das auch heute noch.»

Victor Zoller, Co-Präsident Pro Velo Zug

Zwar räumt sie ein, dass die Schule durch die Zugerberg-Bahn gut erschlossen sei. Die Bergstation der Bahn liegt nur einen Steinwurf vom Schulhaus entfernt. Doch einige der Mitarbeiterinnen kommen von Richtung Ägerital und Schwyz. «Für jene bietet die Zugerberg-Bahn leider keinen direkten Mehrwert bezüglich des Arbeitsweges.»

Pro Velo befürchtet Mehrverkehr

Ganz anders sieht es Pro Velo Zug. Auch der Verein hat Einsprache gegen die geplante Zahl der Parkplätze erhoben. Statt 72 sollen nur maximal 58 Parkplätze gebaut werden dürfen.

Für Co-Präsident Victor Zoller ist das historisch begründet. «Schon vor 30 Jahren hat man gefordert, dass der Zugerberg autofrei wird. Und langfristig wünschen wir uns das auch heute noch.» Das Institut Montana sei mit der Zugerbergbahn bestens erschlossen und brauche darum nicht so viele Parkplätze.

Vielmehr führe ein grösseres Parkplatz-Angebot zu Mehrverkehr. Und insbesondere an Wochenenden, wenn der Zugerberg zum beliebten Ausflugs-Hotspot wird, komme es auf den Zufahrtsstrassen über die Verenakapelle oder die Talstation der Bahn zu gefährlichen Verkehrssituationen. «Für jene, die mit dem Velo den Berg hochfahren, ist das gefährlich», kritisiert Zoller.

Auch sei der Zugerberg nicht wintersicher. «Wenn Eltern ihre Kinder mit dem Auto auf der schneebedeckten Strasse zur Schule fahren, gibt es auch immer wieder brenzlige Situationen», so Zoller. Mit der Bahn bestehe hingegen eine Alternative, die auch im Winter zuverlässig den Berg hoch- und wieder runterfährt.

Zuger Stadtrat will weder mehr noch weniger Parkplätze

Und welche Position vertritt der Stadtrat in dieser Debatte? Er wählt den klassischen Weg des Kompromisses, lehnt beide Einsprachen ab und will beim ursprünglichen Vorschlag bleiben. Eine Vergrösserung der Tiefgarage lehnt die Stadt ab, weil dadurch weniger Bäume gepflanzt werden können. Eine Einstellhalle kann nur eine begrenzte Last tragen.

Eine Reduktion der Parkplätze hingegen sei ein zu grosser Eingriff. Sowohl die Schule als auch das Restaurant Zugerberg müssten vier respektive fünf Parkplätze abtreten. «Dies wäre ein verhältnismässig starker Eingriff in die Bestandesgarantie und ist aus fachlicher Sicht nicht zwingend erforderlich.» Das letzte Wort in der Sache hat das Stadtparlament, welches die Parkplatz-Frage bei der zweiten Lesung des Bebauungsplans diskutieren wird.

Verwendete Quellen
  • Telefonat mit Victor Zoller
  • Schriftlicher Austausch mit Aline Kaspar
  • Bericht und Antrag des Stadtrats
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