Politiker haben spektakuläre Ideen

Zuger Verkehrsproblem: Die neuesten Lösungen auf einen Blick

Rushhour in der Bahnhofstrasse der Stadt Zug. (Bild: Andreas Busslinger)

Seilbahnen, überdachte Autobahnen und neue Tunnelideen: In Zug überschlagen sich die Politiker mit neuen Ideen, um das Verkehrschaos zu lösen.

Ein Fakt ist klar: Auf den Konten des Kantons Zug liegen zwei Milliarden Franken, die darauf warten, ausgegeben zu werden. Bis 2027 soll das Eigenkapital auf über drei Milliarden Franken anwachsen. Die Hälfte des Geldes wollte die Regierung daher in den Bau von zwei Tunnels stecken – erlitt an der Urne aber Schiffbruch.

Seither tobt ein politischer Verteilkampf in den Parlamenten des Kantons. In den vergangenen drei Monaten sind zig neue Vorstösse im Bereich Mobilität eingegangen, im Kantonsrat und Grossen Gemeinderat. Denn auch die Stadt Zug verfügt über finanzielle Polster: 2023 machte sie 94 Millionen Franken plus (zentralplus berichtete).

Gleichzeitig wächst das Verkehrsproblem in Zug. Der Kanton hat die höchste Autodichte des Landes (zentralplus berichtete). Wegen der verstopften Strassen in der Stadt kommen Busse immer unpünktlicher (zentralplus berichtete). Und die Blechlawinen zum Feierabend werden immer länger. Was also tun?

Die Baumeister: Neue Infrastruktur gegen Verkehrsproblem in Zug

Einige Zuger Politiker sind überzeugt: Mit neuer Infrastruktur lassen sich Verkehrsprobleme lösen. Zum Beispiel SVP-Kantonsrat Thomas Werner. Er hat die Regierung beauftragt zu prüfen, wie der Verkehr im Ägerital wieder fliessen kann. Seine Vorschläge: eine Velobahn, eine Zugstrecke, eine U-Bahn oder sogar eine Seilbahn (zentralplus berichtete).

Ins gleiche Lager gehört Mitte-Kantonsrat Thomas Meierhans. Er will die Autobahn auf der Strecke Baar bis Steinhausen überdachen, um Strassenlärm zu verringern und Baugrund zu schaffen (zentralplus berichtete). FDP-Fraktionschef Mathias Wetzel fabuliert derweil von einem Parkhaus auf dem Zugerberg (zentralplus berichtete).

Der Platz in der Zuger Altstadt ist knapp. (Bild: Andreas Busslinger)

Nicht im Parlament, dafür gegenüber zentralplus, schlägt der städtische GLP-Fraktionschef David Meyer eine neue Tunnelidee vor. Mit einem Velotunnel vom Casino bis zum Bahnhof Zug und Seitenarmen auf die Poststrasse und ins Loretoquartier könnte der Veloverkehr aus der engen Innenstadt umgeführt werden (zentralplus berichtete).

Die kantonale SVP und FDP gehen noch weiter. «Wir werten die Ablehnung nicht als generelle Ablehnung für eine Umfahrung», finden FDP-Fraktionschef Michael Arnold und auch diverse Bürgerliche aus der Gemeinde Unterägeri (zentralplus berichtete). Sie wollen weiter Autotunnel bauen.

Die Planer: Expertengruppen können das Problem lösen

Gänzlich anders sehen das viele Kantonsräte. Sie wollen detailliert analysieren, was nötig ist, bevor an Handeln gedacht wird. Mittels Motion fordert die ALG vom Regierungsrat ein ÖV-Impulsprogramm mit einem Budget von mindestens 100 Millionen Franken. Dabei soll die Regierung Billettpreise sowie den Ausbau von Strecken und Verbindungen berücksichtigen (zentralplus berichtete).

Die Linken sind mit Planungswünschen nicht allein. Die kantonale GLP hatte eine Anfrage beim Velorat eingereicht, um eine Studie analog zur Studie E-Bike-City Zürich durchzuführen – erhielt allerdings eine Absage und sucht jetzt Unterstützung bei den Gemeinden (zentralplus berichtete).

Der Regierungsrat hat derweil angekündigt, die Projektgruppen Zug-Baar und Ägerital zu gründen. «Gemäss Prognosen wird die Mobilität in den Räumen Ägeri und Zug weiter zunehmen», schreibt der Kanton. Die Expertengruppen sollen Lösungen dafür entwickeln. Ende 2025 dürften die Ergebnisse vorliegen.

Die Pragmatiker: Kleine Veränderungen gegen Verkehrsproblem in Zug

Eine letzte Gruppe von Politikern setzt auf schnelle Lösungen. Mit kleinen Interventionen lassen sich sofort Erfolge erzielen, so die Idee. Zum Beispiel die Gemeinderäte Maria Hügin und Mathias Wetzel von der FDP. Per Vorstoss fragen sie nach «temporärem Verkehrsmanagement» in der verstopften Stadt Zug (zentralplus berichtete).

Die SVP-Fraktion schlägt vor, die Bushaltestelle Kolinplatz und weitere Bushaltestellen mit Busbuchten auszubauen, damit der Autoverkehr besser fliesst (zentralplus berichtete). Für den Busverkehr wäre diese Massnahme allerdings ein Handicap. Das Ein- und Ausfädeln in den Verkehr kostet Zeit (zentralplus berichtete).

Ivano De Gobbi, Chef der städtischen SP-Fraktion, schlägt gegenüber zentralplus vor, die Vorstadt von Freitagabend bis Montagmorgen für den Verkehr gänzlich zu sperren. Und eine Petition in Baar fordert, dass im Gebiet Baarermatt künftig Tempo 30 gilt (zentralplus berichtete).

Was zuletzt in Zug funktioniert hat – und was nicht

Mehr als «Low-hanging-fruits» geerntet hat auch die Regierung selbst. Mit Fördergeldern unterstützt sie den Veloverkehr (zentralplus berichtete). Ausserdem hat der Kanton ein Konzept in die Vernehmlassung geschickt, um grosse Teile der Ostseite des Zugersees mit einem Veloweg auszubauen (zentralplus berichtete).

Bei neuen Mobilitätsformen gab es dagegen zuletzt Rückschläge. Ein Hünenberger schaffte es nicht, seine E-Tuk-Tuks zu etablieren (zentralplus berichtete). Und für den Aufbau eines Verleihs an E-Scootern hat das Gericht den Stadtrat vor Kurzem verdonnert, die Ausschreibung neu zu starten (zentralplus berichtete).

Verwendete Quellen
  • zentralplus-Medienarchiv zum Verkehrsproblem in Zug
  • Artikel auf «SRF»
  • Website der Stadt Zug zum «Budget 2023»
  • Beitrag des Zuger Regierungsrats zu den Projektgruppen
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