Luzerner Bahnhofparking P1

Wohin mit 377 Parkplätzen? Die Regierung hat keine Lösung

377 Parkplätze im Bahnhofparking P1 fallen dem Durchgangsbahnhof zum Opfer. (Bild: rob)

377 Parkplätze im Bahnhofparking P1 werden dem Bau des Durchgangsbahnhofs zum Opfer fallen. Wo diese ersetzt werden können, weiss auch der Luzerner Regierungsrat nicht. Und schiebt den Ball der Stadt Luzern zu.

Es war dicke Post, welche der Luzerner Stadtrat im Mai 2022 verkündete. Der Rat hatte eine Vielzahl von Projekten präsentiert, die im Zusammenhang mit dem Durchgangsbahnhof im Zentrum Luzerns realisiert werden sollen. Und dabei zeigte er auf, dass der Bau des Durchgangsbahnhofs das Bahnhofparking P1 tangieren oder vielmehr durchschneiden wird. Die 377 Parkplätze fallen darum auf einen Schlag weg (zentralplus berichtete).

Für grossen Ärger sorgte anschliessend die Tatsache, dass der Stadtrat die wegfallenden Parkplätze nicht in der Nähe des Bahnhofs kompensieren wird. Der Stadtrat plant zwar, zumindest einen Teil der aufgehobenen Parkplätze an anderer Stelle zu ersetzen. Doch soll das eher am Stadtrand und nicht an dieser zentralen Lage im Umfeld des Bahnhofs geschehen.

Bahnhof soll auch fürs Auto erreichbar bleiben

Der Entscheid rief mehrere Politiker auf den Plan – unter anderem auch Daniel Keller, damals noch SVP-Kantonsrat und aktives Vorstandsmitglied beim TCS Waldstätte. In dieser Funktion vertritt Keller vor allem die Interessen der Autofahrerinnen. Und als solcher wollte er vom Luzerner Regierungsrat wissen, wie der Bahnhof Luzern auch in Zukunft für Autos erreichbar bleiben wird.

«Unser Rat erwartet von der Stadt Luzern, dass diese die wegfallenden Abstellplätze kompensiert.»

Regierungsrat Luzern

Als Verkehrsdrehscheibe müsse der Bahnhof Luzern jederzeit für sämtliche Verkehrsmittel – und damit auch für Autos – auf «direktestem Weg» erreichbar bleiben. Deswegen will Keller vom Regierungsrat wissen, ob und wo die 377 wegfallenden Parkplätze in Bahnhofsnähe ersetzt werden können. Keller hebt hervor, dass nicht nur Pendler und Reisende auf Parkplätze am Bahnhof angewiesen sind, sondern auch Geschäfte und Betriebe im Umfeld des Bahnhofs wie das KKL, die Schifffahrtsgesellschaft auf dem Vierwaldstättersee oder die Gastronomie und Hotellerie in der Neu- und Altstadt.

Klares Bekenntnis der Regierung fehlt

Der Regierungsrat teilt diese Ansicht im Grundsatz. Auch er findet: «Die Erreichbarkeit der Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee und anderer wichtiger Einrichtungen wie des KKL im Bahnhofsumfeld muss auch in Zukunft für den motorisierten Individualverkehr gewährleisten sein.» Die Regierung hält darum fest: «Dazu gehören auch Parkplätze in adäquater Menge. Unser Rat erwartet von der Stadt Luzern, dass diese die wegfallenden Abstellplätze kompensiert.»

Wohin mit 377 Parkplätzen? Das wissen derzeit weder die Stadt noch der Kanton. (Bild: jal)

Wie ein klares Bekenntnis für den Ersatz der wegfallenden Parkplätze in Bahnhofsnähe liest sich diese Antwort jedoch nicht. Denn ein Parkplatzangebot in «adäquater Menge» ist ein dehnbarer Begriff. So hat bereits der Luzerner Stadtrat argumentiert, dass am Bahnhof Luzern auch ohne Parking P1 noch genügend Parkplätze zur Verfügung stehen werden. Allein in den Parkings P2 und P3 stehen rund 520 Parkplätze zur Verfügung. Ob der Regierungsrat die Sicht des Stadtrats teilt, dass diese Zahl an Parkplätzen ausreichend sei, geht aus der Antwort nicht hervor.

Zwar fordert der Regierungsrat von der Stadt Luzern, dass die wegfallenden Parkplätze kompensiert werden – er sagt aber nicht, wo. Somit ist es denkbar, dass auch die kantonale Regierung eine Ersatzlösung am Stadtrand begrüssen würde.

Suche nach Ersatz beginnt wieder von vorne

Darauf deutet auch folgende Passage in der Antwort der Regierung hin: «Es ist die Aufgabe der Stadt Luzern, einen Ersatz der wegfallenden Parkplätze – kombiniert mit einem attraktiven Angebot für den ÖV oder den Fuss- und Veloverkehr als direkte Verbindung in die Luzerner Innenstadt – zu finden.» Parkplätze am Stadtrand mit guten Verbindungen ins Zentrum – so stellt sich die Luzerner Regierung die Verkehrsdrehscheibe am Bahnhof Luzern vor.

Ein Projekt, das diesen Vorstellungen entsprochen hätte, war die Stadtpassage. Im Untergrund des Luzerner Kantonsspitals hat die Stadt Luzern ein neues Parkhaus für Cars geprüft. Dort hätten auch die wegfallenden Parkplätze am Bahnhof kompensiert werden können. Doch das Projekt ist zu teuer, weshalb es für die Stadt vom Tisch ist (zentralplus berichtete).

Das Projekt hätte aus Sicht des Regierungsrats ein «realistischer» Ersatz sein können. Doch weil daraus nichts wird, stehen Stadt und Kanton auf der Suche nach einer Ersatzlösung für die Parkplätze am Bahnhof wieder am selben Ort: ganz am Anfang.

Verwendete Quellen
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