Günstiges Zug-Ticket endet verfrüht

Warum Unterägeri die SBB-Tageskarte schon im Juli abschafft

Der Gemeindeschreiber von Unterägeri Peter Lüönd, erklärt warum die Tageskarte schon im Sommer endet.

Für nur 42 Franken einen Tag lang mit dem Zug quer durch die Schweiz fahren? Das bietet die Gemeinde-Tageskarte. Doch in Unterägeri wird sie bald abgeschafft, früher als andernorts.

Nicht mehr lange, dann ist die SBB-Tageskarte bei den Gemeinden Geschichte. Ende 2023 wird das günstige Tagesbillett, mit dem Reisende seit 20 Jahren quer durchs Land fahren können, abgeschafft. Bei einigen Zuger Gemeinden endet das Angebot noch früher. In Unterägeri wird es die Tageskarte schon per Ende Juli nicht mehr geben.

Der Schritt wirkt reichlich anachronistisch in einer Zeit, in der die Förderung des ÖV ein wichtiges politisches Ziel ist und Rufe nach günstigeren Tickets lauter und zahlreicher werden. Warum also informiert der Gemeinderat von Unterägeri, dass das 42-Franken-Ticket im Sommer abgeschafft wird?

Die Tageskarte in Unterägeri

Worum geht es eigentlich? Im Jahr 2003 wurden die «Generalabonnements Gemeinde» eingeführt, um den öffentlichen Verkehr anzukurbeln. Alle Schweizer Gemeinden konnten seither Tageskarten für praktisch das gesamte schweizerische ÖV-Netz anbieten, analog zum üblichen Generalabonnement (GA) der SBB.

Der Vorteil? Die Tageskarte bei den Gemeinden ist deutlich günstiger als das Tages-GA der SBB. Bei der Gemeinde Unterägeri kostet das Ticket lediglich 42 Franken. Wenn das Ticket am selben Tag gebucht und genutzt wird, kostet es sogar nur 30 Franken. Ein Halbtax-Abo ist für die Buchung nicht notwendig. Wer hingegen über die SBB eine Tageskarte für den Folgetag kauft, bezahlt dafür 69 Franken mit Halbtax-Abo und ohne gar 119 Franken.

Unterägeri stellt seinen Einwohnerinnen fünf Tageskarten pro Tag zur Verfügung. Diese können bis zu 60 Tage im Voraus online reserviert werden. Da die Karten nicht per Post verschickt werden, müssen die Reisenden sie im Gemeindehaus abholen.

Auf der Website der Gemeinde Unterägeri können die limitierten Tageskarten reserviert werden. (Bild: Screenshot)

Konkurrenz durch die SBB-Sparbilletts

Doch in den letzten Jahren machten die Sparbilletts der SBB der Gemeinde-Tageskarte Konkurrenz. Von diesen profitiert, wer seine Reise früh bucht. Nur 49 Franken mit Halbtax-Abo und 52 Franken ohne Halbtax-Abo kostet das Tages-GA der SBB vier Wochen vor der Reise. Sechs bis acht Wochen vor der Reise gibt es gar Angebote für 29 Franken.

Die Spar-Tageskarte der SBB ist zwar häufig einige Franken teurer als die Tageskarte in Unterägeri. Doch der grosse Vorteil: Sie liegt digital vor und muss nicht im Gemeindehaus abgeholt werden. Das hat auch die ÖV-Branchenorganisation Alliance SwissPass erkannt.

Unterägeri beendet die Tageskarte im Juli

Im Oktober 2020 kündigte Alliance SwissPass an, die Gemeinde-Tageskarte per Ende 2023 auslaufen zu lassen. Heute kaufe die breite Bevölkerung Tickets digital, das System mit physischen Tageskarten brauche eine Erneuerung (zentralplus berichtete).

Doch die Einwohner von Unterägeri werden früher auf das Angebot verzichten müssen. Bereits im Juni wird die Tageskarte in limitierter Anzahl herausgegeben, per Ende Juli wird das Angebot komplett beendet.

Verwunderlich ist, dass nicht alle Gemeinden im Kanton Zug das Angebot zum selben Zeitpunkt beenden. Auf telefonische Anfrage teilt die Stadt Zug mit, die Tageskarten bis zum 7. Dezember zu verkaufen. Und auch die Nachbargemeinde Menzingen wird das Angebot bis Ende November aufrechterhalten. Warum steigt Unterägeri also früher aus?

Der Gemeindeschreiber klärt auf

Peter Lüönd ist Gemeindeschreiber von Unterägeri, er erklärt, was es mit dem Ausstieg auf sich hat: «Die Gemeinden kaufen einmal jährlich einen Satz Tageskarten bei den SBB.» Die Gemeinde hatte bisher stets einen Satz von 1'825 Karten bestellt, also fünf pro Tag.

«In jeder Gemeinde werden die Sätze zu einem bestimmten Zeitpunkt auslaufen.»

Peter Lüönd, Gemeindeschreiber von Unterägeri

«Das Angebot war immer sehr gefragt», erzählt Lüönd. Nur in den Pandemiejahren 2020 und 2021 habe die Gemeinde draufzahlen müssen. Ansonsten konnten die Kosten für die Tageskarten durch den Verkauf immer gedeckt werden.

Von links nach rechts: Andreas Koltszynski, Roland Müller, Irene Iten-Muff, Manuela Inglin-Henggeler, Fridolin Bossard, Gemeindeschreiber Peter Lüönd.
Der Gemeinderat von Unterägeri (v.l.n.r.): Andreas Koltszynski, Roland Müller, Irene Iten-Muff, Fridolin Bossard, Manuela Inglin-Henggeler, Gemeindeschreiber Peter Lüönd. (Bild: Gemeinde Unterägeri)

Doch wegen der Kündigung des Angebots durch die Alliance SwissPass bieten die SBB keine neuen Jahressätze mehr an. «In jeder Gemeinde werden die Sätze zu einem bestimmten Zeitpunkt auslaufen», sagt Lüönd. Der Satz der Gemeinde Unterägeri läuft im Juni und Juli aus. In der Nachbargemeinde Oberägeri ist es schon Ende Juni so weit.

Die Gemeinde Unterägeri habe sogar bei den SBB angefragt, ob sich das Angebot bis Ende Jahr verlängern lasse. Doch die SBB seien darauf nicht eingegangen, sagt Lüönd. Nun wartet auch er auf eine Nachfolgelösung. Wenn das Folgeangebot bekannt ist, wird die Gemeinde dieses prüfen.

Eine Anschlusslösung folgt

Wie es mit der Tageskarte Gemeinde weitergeht, erfährt die Bevölkerung noch diese Woche. Der Schweizerische Gemeindeverband (SGV), der Schweizerische Städteverband (SSV) und die Alliance SwissPass werden am Donnerstag eine Medienkonferenz abhalten. Dort informieren die Verbände über das künftige Angebot. Die drei Verbände werden ein neues öV-Produkt vorstellen, das ab 2024 bei den Gemeinden und Städten bezogen werden kann.

Ob es sich gegen das System flexibler Preise bei den SBB durchsetzen kann und so attraktiv wird wie die Gemeinde-Tageskarte, wird sich zeigen. Was sicher ist: Die Tageskarte wird auf den einen oder anderen Weg zurückkommen.

Verwendete Quellen
  • Website der SBB zu Spartageskarten
  • Artikel in der «Zuger Presse»
  • Medienmitteilung des Schweizerischen Gemeindeverbandes (SGV), des Schweizerischen Städteverbandes (SSV) und der Alliance SwissPass
  • Telefonat mit den Gemeinden Oberägeri, Menzingen und Stadt Zug
  • Website der Gemeinde Unterägeri zur Tageskarte
  • Telefonat mit Peter Lüönd, Gemeindeschreiber Unterägeri
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