Verkehr & Mobilität
Car-Chaos in Luzern

Warum die Cars nicht vor die ehemalige Post kommen

Auf dem Platz vor der ehemaligen Post an der Frohburgstrasse werden definitiv keine Car-Haltestellen entstehen. (Bild: kap)

Die «Kiss and Ride»-Parkplätze vor dem Haupteingang des Bahnhofs Luzern müssen einer Car-Haltekante weichen und werden an die Frohburgstrasse verlegt. Wieso nicht umgekehrt? Recherchen zeigen: Die Stadt hat vier Varianten an der Frohburgstrasse geprüft – und alle verworfen.

Seit Annahme der Juso-Initiative für eine Neugestaltung des Inseli ist die Stadt Luzern auf der Suche nach geeigneten Alternativen für Haltestellen in der Umgebung des Bahnhofs. Fakt ist: Die Stadt Luzern benötigt bis im kommenden Sommer Car-Haltestellen. Dann nämlich besteht keine Möglichkeit mehr für Cars, Reisende im Inseli ein- und aussteigen zu lassen.

Um dem Problem entgegenzuwirken, hat die Stadt kürzlich mitgeteilt, eine Haltekante vor dem Bahnhof Luzern zu errichten (zentralplus berichtete). Die bisherigen «Kiss and Ride»-Parkplätze vor dem Haupteingang werden an die Frohburgstrasse vor die ehemalige Postfiliale verlegt. Die Autofahrerinnen müssen vom Parkplatz fortan einige Schritte mehr zu den Geleisen machen. Da drängt sich die Frage auf: Wieso werden die Autoparkplätze nicht vor dem Bahnhof belassen und die Car-Haltestellen an der Frohburgstrasse errichtet?

Stadt hat vier Varianten vor dem ehemaligen Postgebäude geprüft

Hat die Stadt auch alternative Standorte geprüft? In der Medienmitteilung ist darüber nichts zu erfahren. Hinter den Kulissen wird aber mit Hochdruck an der Lösung des Car-Problems gearbeitet, wie Recherchen von zentralplus zeigen. Gemäss Markus Birrer, Projektleiter Mobilität der Stadt Luzern, wurden unter anderem vier Varianten für Car-Haltestellen an der Frohburgstrasse geprüft. Auf Anfrage konnte zentralplus vor Ort einen Blick in die Variantenstudie werfen.

Bei den ersten beiden Varianten handelt es sich um Haltestellen auf dem Platz vor der ehemaligen Postfiliale. Bei diesen Varianten wären die Cars vom Bahnhof her zur Frohburgstrasse zugefahren. Die eine Variante hätte zwei Halteplätze auf dem Platz ermöglicht, die andere vier.

Die Varianten haben gemein, dass die Cars entweder bei der Ein- oder bei der Ausfahrt rückwärts über die Velospur auf den Platz fahren müssten. Dies sei zu gefährlich, so das Fazit der Stadt. Bei einer der beiden Varianten wären die Cars beim Herausmanövrieren zusätzlich über die Gegenfahrbahn gefahren. Dies würde auch den Verkehrsfluss stören.

Auch eine Fahrbahnhaltestelle hat die Stadt Luzern geprüft

Geprüft hat die Stadt aber auch zwei weitere Möglichkeiten, bei denen die gefährlichen Rückwärtsfahr-Manöver hätten vermieden werden können. Bei der einen Variante hätte man auf beiden Seiten der Frohburgstrasse Busbuchten errichtet. «Dies wäre ein riesiges Bauprojekt geworden. Zudem hätte die Uni Platz abtreten müssen», sagt Markus Birrer dazu. Daher wurde auch dieses Projekt verworfen.

Eine vierte Variante hätte eine Haltestelle auf der Fahrbahn der Frohburgstrasse vorgesehen. Diese Variante hätte im Gegensatz zu jener mit den Fahrbahnhaltestellen keine grösseren baulichen Massnahmen nach sich gezogen.

Eine Fahrbahnhaltestelle für Reisecars hätte aber lange Verkehrsbehinderungen zur Folge, da die Haltezeiten viel länger sind als bei Linienbussen. Zudem wäre das Überholen eines stehenden Reisecars für breite Fahrzeuge wie Lastwagen schwierig gewesen. Dies, weil Lastwagen mit dem entgegenkommenden Verkehr nicht kreuzen könnten, da die Frohburgstrasse zu schmal ist.

Stadt ist nach wie vor auf der Suche nach weiteren Halteplätzen

Beim Inseli gibt es bis im nächsten Sommer sechs Haltestellen für Reisecars. Auf dem Bahnhofplatz sollen aber lediglich zwei Haltekanten für Reisecars entstehen. Dass alle sechs Haltestellen beim Inseli gebraucht wurden, kam in den vergangenen drei Jahren zwar selten vor, wie Markus Birrer im Gespräch sagt. Bis im Jahr 2019 waren sie jedoch regelmässig voll ausgelastet.

Deshalb ist die Stadt Luzern noch immer auf der Suche nach weiteren zentral gelegenen Car-Haltestellen. Wie viele es noch braucht, darauf will sich die Stadt aber noch nicht festlegen. Klar ist einzig: Die Frohburgstrasse für Car-Haltestellen ist definitiv vom Tisch.

FDP: «Missglückte Kommunikation seitens Stadt Luzern»

Die Mitte, die FDP und die SVP sind mit dem Vorgehen der Stadt Luzern bezüglich der Aufhebung der Parkplätze vor dem Haupteingang des Bahnhofs nicht zufrieden. In einer dringlichen Motion fordern die bürgerlichen Parteien den Stadtrat auf, dem Grossen Stadtrat in einem Planungsbericht aufzuzeigen, wie die «erforderlichen sechs Caranhalteplätze realisiert werden können, bevor Tatsachen geschaffen werden und die geplante Anordnung umgesetzt wird».

Die bürgerlichen Parteien stören sich daran, dass «nun ein Projekt für neue Caranhalteplätze in Eigenregie umgesetzt werden soll, obwohl das Carregime aktuell politisch intensiv diskutiert wird». Damit sprechen die Parteien die hängige Määs-Initiative an, so wie einen Bericht und Antrag zur Gestaltung des Inselis, der sich noch in Erarbeitung befindet. «Deshalb ist es für uns unverständlich, dass der Stadtrat nun in eigener Kompetenz mit einer unausgegorenen Idee neue Anhalteplätze für Cars schaffen will.»

Die Bürgerlichen stellen zudem den gewählten Standort für die Cars vor dem Luzerner Bahnhof infrage. «Es zeichnen sich erhebliche Nutzungskonflikte ab, wenn ganze Reisegruppen ein- oder aussteigen möchten und dadurch den schmalen Platz vor dem Bahnhof blockieren.» Weiter befürchten die bürgerlichen Parteien «gravierende Probleme» für die Sicherheit von Velofahrern.

Verwendete Quellen
  • Persönliches Gespräch mit Markus Birrer, Projektleiter Mobilität der Stadt Luzern
  • Medienmitteilung der Stadt Luzern
  • Dringliche Motion «Dauerhafte Gesamtlösung statt Salamitaktik beim Carregime»
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