Lauteste Stadt der Deutschschweiz

Verkehrslärm: Stadt Luzern hantiert mit unklaren Daten

Strassenlärm belastet die Stadt Luzern und ihre Bevölkerung. (Bild: Adobe Stock)

Der Luzerner Stadtrat veröffentlicht neue Daten, wie viel Lärm der Verkehr in der Stadt Luzern verursacht. Der Haken: ganz zuverlässig sind diese Daten nicht.

Die Stadt Luzern hat ein Lärm-Problem. Das geht aus einer Studie hervor, welche die Zürcher Kantonalbank 2021 veröffentlichte. Ihr gemäss ist Luzern die lauteste Stadt der Deutschschweiz (zentralplus berichtete). Insbesondere der Strassenlärm sei schlicht zu gross und eine Bedrohung für die Gesundheit der Bevölkerung. Nun veröffentlicht der Stadtrat neue Daten zur Situation.

Im Oktober 2023 reichte Grossstadträtin Monika Weder namens der Grünen/Jungen-Grünen-Fraktion eine Interpellation zum Thema ein. Sie wollte vom Stadtrat wissen, ob dieser sagen könne, wie viele Luzerner einer übermässigen Beschallung ausgeliefert sind und ob er dem Problem mit neuen Handlungen begegnen wolle. Nun liegen die Antworten des Stadtrats vor.

Alarmwert überschritten

Wie der Stadtrat schreibt, sind drei Prozent der städtischen Bevölkerung tagsüber einer Lärmbelastung ausgesetzt, die dem Alarmwert entspricht. Dieser beträgt in Wohn- und Gewerbegebieten 70 Dezibel am Tag und 65 Dezibel in der Nacht. Zur Einordnung: 70 Dezibel entsprechen etwa der Lautstärke eines normalen Gesprächs. Ein Prozent der Luzernerinnen seien sogar in der Nacht von so viel Strassenlärm umgeben, dass der Krach den Alarmwert erreicht.

Wenig Aussagekraft

Der Stadtrat präsentiert diese Daten zum ersten Mal. Basis der neuen Daten sind sogenannte Prognosewerte von Lärmsanierungen, die zwischen 2003 und 2018 gemacht wurden. Solche Prognosewerte sind Schätzungen, die zum Zeitpunkt einer Sanierung gemacht werden – sie sind keine handfesten Messwerte. Diese Prognosewerte hat die Stadt als Anhaltspunkt dafür genommen, wo es in Luzern wie laut ist. Danach hat sie ermittelt, wie viele Menschen dort wohnen, wo es scheinbar zu laut ist.

Problematisch ist, dass Prognosewerte keinen sicheren Anhaltspunkt dafür bieten, wo es in der Stadt Luzern tatsächlich wie laut ist. Diese Prognosen sind mehrere Jahre alt. Sie berücksichtigen nicht, ob und was für Massnahmen in den Jahren seit der Prognose hinzugekommen sind. Zum Beispiel, ob die angrenzende Strasse jetzt eine 30er-Zone ist. Ebenso wenig berücksichtigen sie das tatsächliche Verkehrsaufkommen. Der Stadtrat ist sich dessen bewusst und schreibt denn auch, dass die Daten «mit Vorsicht» betrachtet werden müssen.

Keine weiteren Massnahmen

Obgleich die Daten fragwürdig sind, es besteht Handlungsbedarf. Das zeigt die eingangs erwähnte Studie von 2021. Der Stadtrat sieht das ebenfalls, betont jedoch, dass die bisherige Strategie gut funktioniert und er deswegen auch daran festhält. Bis anhin hat sich der Rat vor allem dafür eingesetzt, dass das Tempo auf den städtischen Strassen verringert wird oder lärmarme Strassenbeläge eingebaut werden. Der Stadtrat glaubt nicht, dass diese Strategie mit neuen Massnahmen ergänzt werden sollte.

Letztlich streicht der Stadtrat auch heraus, dass im Punkto Verkehrslärm viel vom Kanton abhängt. Die emsig befahrenen Kantonsstrassen fallen nämlich in dessen Verantwortungsbereich.

Verwendete Quellen
  • Interpellation Monika Weder, Grüne-Grossstadträtin
  • Antwort Interpellation Stadtrat Luzern
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