Eigentümer zieht sich zurück

Veloweg beim Bundesplatz: Einsprache ist garantiert

Die verzögerte Überbauung und der Veloweg an den Gleisen werden nun entkoppelt. (Bild: HRS Real Estate AG)

Einsprachen verzögern Projekte am Bundesplatz: In Luzern ist das fast ein Naturgesetz. Nun will die Stadt einen Veloweg bauen – und ein Eigentümer stoppt die Verhandlungen.

Die bekannteste Brache der Stadt Luzern bekommt eine neue Funktion. Eigentlich sollte auf dem Areal neben der Langensandbrücke und dem Bundesplatz ein Hochhaus entstehen. Dann plante die Brauerei Eichhof im letzten Sommer einen Kulturort. Nun will die Stadt einen Veloweg errichten (zentralplus berichtete).

Ob der neuste Plan, wie die vorherigen, an Einsprachen scheitern wird? zentralplus hat bei der Stadt Luzern kritisch nachgefragt. Die Antwort: Enteignung sei nicht das Ziel, könne aber nötig werden.

Stadt Luzern hat Veloweg und Überbauung entkoppelt

Dass es mit dem lange geplanten Veloweg hinter dem Capitol-Gebäude vorangeht, ist Markus Sigrist zu verdanken. «Als das Projekt vor gut zwei Jahren auf meinem Schreibtisch gelandet ist, habe ich gesagt, wir müssen es von der Überbauung entkoppeln. Sonst warten wir zehn weitere Jahre», erzählt der Projektleiter der Stadt Luzern.

Eine Visualisierung der geplanten Überbauung «Bundesplatz Süd». (Bild: nightnurse images GmbH)

Denn auf der Brache neben der Langensandbrücke versucht die HRS Real Estate AG seit 2018 erfolglos, eine Überbauung zu errichten. Zuletzt hat das Bundesgericht die Beschwerde des Vereins Stadtbild gutgeheissen – und damit den Entscheid des Kantonsgerichts bestätigt (zentralplus berichtete). Damit wird es weitere Jahre dauern, bis an Bauen zu denken ist. Dieses Jahr sollte der 85-Millionen-Franken-Komplex ursprünglich eröffnet werden.

Seit 2008 ist die Strecke geplant, nun kommt ein Provisorium

Doch der Veloweg steht schon länger auf der Agenda der Stadt, nämlich seit 2008. Der Grund: Bisher müssen Velofahrer von der Neustadtstrasse auf den gefährlichen Bundesplatz fahren, um den Bahnhof zu erreichen. Mit der neuen Velostrecke vom Kulturort «sic! Elephanthouse» entlang der Gleise zur Zentralstrasse plant die Stadt eine deutlich sicherere Alternative.

Doch weil der Veloweg stark abhängig von der verzögerten Überbauung ist, musste eine Lösung her. Nun plant die Stadt den Teil des Velowegs westlich der Brücke als Provisorium. «So legen wir niemandem Steine in den Weg und verbauen nichts», sagt Sigrist. Falls die HRS Real Estate AG irgendwann bauen darf, kann sie den Veloweg umlegen.

Der Abschnitt unter der Brücke ist bereits 2009 erstellt worden. Hinter dem Capitol-Gebäude nutzt der Veloweg das Dach über der Einstellhalle des Trainingscenters «Activ Fitness» und die Zufahrt zum Kino Capitol. Dessen Kinoausgänge müssen dafür angepasst werden.

Grundeigentümer erhalten einmalige Entschädigung

Um den Veloweg zu errichten, benötigt die Stadt Land von Privaten. «Wir befinden uns mit allen Grundeigentümern in Verhandlungen», erklärt Markus Sigrist. Seit rund zwölf Monaten spricht er mit etwa einem Dutzend Eigentümern – seit einem halben Jahr werden die Dienstbarkeitsverträge ausgehandelt.

«Enteignung ist wirklich nicht mein Ziel.»

Markus Sigrist, Projektleiter Stadt Luzern

Mit dem Dienstbarkeitsvertrag übergibt der Eigentümer Teile seines Landes der Stadt zur öffentlichen Nutzung. Dafür erhält er eine einmalige Entschädigung. Für den Unterhalt und Betrieb des Weges ist die Stadt verantwortlich. Spätestens zur Projektbewilligung müssen die Verträge unterschrieben sein.

Beim Bundesplatz: Einsprachen sind programmiert

Generell liefen die Verhandlungen gut, berichtet Sigrist. Nur mit dem Besitzer einer Parzelle herrsche seit kurzem Funkstille. Von ihm erwartet der Projektleiter eine Einsprache – auch wenn er weiter versuche, in Kontakt zu bleiben. «Auch von weiteren Eigentümern sind Einsprachen möglich.»

Kein Grund für Kopfzerbrechen. «Einsprachen bei Bauprojekten im Zentrum sind normal. In diesem Fall werden sie mit Sicherheit lösbar sein.» Falls nicht, müsse die Stadt den Weg der Enteignung einschlagen, erklärt der Projektleiter und ergänzt: «Enteignung ist wirklich nicht mein Ziel. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir die Themen einvernehmlich regeln können.»

Stadt Luzern: Veloweg ist breit abgestützt

Seine Sicherheit baut auf der Projektgeschichte. Der Veloweg war bereits bei den Verbänden in der Vernehmlassung. Auch mit den SBB ist die Stadt seit Jahren in Kontakt, für den Veloweg wurde im Sommer 2023 bereits ein Gleis verschoben. Ebenfalls vorgesehen ist der Weg im «behördenverbindlichen» Zonenplan der Stadt.

Hier soll der neue Veloweg in die Zentralstrasse einmünden. (Bild: Cometti Truffer Hodel Architekten AG)

Als Ergebnis der Vernehmlassung hat die Stadt Luzern den Veloweg allerdings verändert. Ursprünglich sollten zwischen der Neustadtstrasse und der Zentralstrasse auch Fussgänger an den Gleisen laufen. Nun ist ein vier Meter breiter Veloweg vorgesehen mit einem hohen Zaun in Richtung der Gleise.

Kosten soll der Bau insgesamt 8,1 Millionen Franken. Der Grosse Stadtrat hat 2021 bereits einen Sonderkredit von 1,15 Millionen Franken für die Planung bewilligt. Im Sommer 2024 will der Stadtrat dem Parlament die weiteren Kredite für den Bau vorlegen. Ende des Jahres sollen die Bauarbeiten starten.

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4 Kommentare
  • Profilfoto von Lusti
    Lusti, 23.02.2024, 20:41 Uhr

    Wenn man den Veloweg eine gewisse Breite einräumt, könnt er auch an Spieltagen Kurzfristig für Fanmärsche der Gästefans gebraucht werden. Wäre also ein Absoluter Mehrwert.

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  • Profilfoto von Gerhard Nägeli
    Gerhard Nägeli, 23.02.2024, 12:40 Uhr

    Für Velowege hat die Stadt Luzern immer Geld, egal was es kostet. Autos, die der Stadt Geld bringen, will man verbieten bis in der Stadt keine Geschäfte mehr gibt und die Stadt Luzern eine Geisterstunde ist. Dann braucht man über Carparkplatz nicht mehr reden, dann kommen sie sowieso nicht mehr. Touristik Direktor braucht es dann auch nicht mehr, das Geld kann man dann für Velowege brauchen. Wir werden mit den grünen und der Regierung früher oder später untergehen.

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    • Profilfoto von Rene
      Rene, 23.02.2024, 16:20 Uhr

      Als ob man nur mit dem Auto einkaufen könnte. Sobald von Velowegen berichtet wird, setzt bei manchen die Schnappatmung ein.

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    • Profilfoto von Peter Lehmann
      Peter Lehmann, 23.02.2024, 20:07 Uhr

      Es wären mir beim besten Willen keine Geschäfte in der Stadt bekannt, wo man nicht innerhalb von 100m kurz zum Aufladen von Waren anhalten kann. Das wird auch häufig praktiziert. Dieses Argument ist in Tat und Wahrheit einfach nichtig…

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