Verkehr & Mobilität
Veloweg von Zug ins Ägerital

Unterägeri muss 10 weitere Jahre auf einen Veloweg warten

Kaum Platz für Velos. Die Zugerstrasse bei der Spinnerei in Unterägeri. (Bild: Andreas Busslinger)

Zwischen Zug und Unterägeri gibt es keine durchgehende Verbindung für Velos. Die Forderung nach einem Veloweg steht zwar seit über 20 Jahren im Raum. Trotzdem müssen sich Velofahrerinnen auf manchen Abschnitten noch sehr lange gedulden.

Wer zwischen Zug und Unterägeri unterwegs ist, kennt das Bild: Ein Velofahrer strampelt mühsam den Berg hoch. Hinter ihm eine lange Kolonne mit Autos, vielleicht gar ein Bus. Sie können den Velofahrer nicht überholen, weil die Strasse zu eng ist und es Gegenverkehr hat. Der Bus handelt sich Verspätung ein, die Autofahrerinnen werden ungeduldig und der bemitleidenswerte Velofahrer fühlt sich bedrängt. Eine unschöne und je nach Überholmanöver auch gefährliche Situation.

Kantonsräte fordern Veloweg – Regierung winkt ab

Die beiden Ägerer FDP-Kantonsräte Markus Spörri und Peter Letter wollen das ändern. Ihnen ist insbesondere der Abschnitt Rössli und Spinnerei ein Dorn im Auge, da die Strasse dort eng und überholen darum noch schwieriger ist.

Mit einem Postulat forderten sie die Regierung deshalb auf, möglichst rasch ein Strassenbauprojekt auf diesem Abschnitt zu realisieren: «Die Realisierung sollte eine Verbreiterung der Strasse mit beidseitigem Radstreifen beinhalten. Durch die Trennung der Verkehrsteilnehmer mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten auf der Verkehrsfläche wird der Verkehrsfluss erhöht. Da jedem Verkehrsteilnehmer genügend Platz zur Verfügung gestellt wird, kann auch die notwendige Verkehrssicherheit gewährleistet werden.» Die Postulanten erwägen auch den Bau eines separaten Velowegs.

«Die schmale Fahrbahn, die Kurven und die Steigung machen diese Strecke zu einem latenten Gefahrenherd.»

Markus Spörri, FDP-Kantonsrat Unterägeri

Spörri und Letter fordern also Tempo von der Regierung. Doch diese geht die Sache gemächlich an. In ihrer Antwort auf das Postulat räumt sie zwar ein: «Grundsätzlich ist das Anliegen der Postulanten nachvollziehbar. Auch aus unserer Sicht fehlt im Abschnitt Rössli bis Spinnerei eine angemessene Veloinfrastruktur.» Gemäss kantonaler Velonetzplanung handelt es sich bei der Zugerstrasse nämlich gar um eine Hauptverbindung für Velos. Doch gleichzeitig schiebt die Regierung das Vorhaben auf die sehr lange Bank. Der Ausbau des Abschnitts sei nicht vor 2032 geplant.

Vorstoss ist seit 27 Jahren hängig

Die Regierung nennt verschiedene Gründe, warum das Projekt nicht schon früher durchgeführt werden könne. Eine Verbreiterung der Strasse in Richtung Lorze sei aus Gründen des Gewässerschutzes schwierig umzusetzen. Zudem liegt der Abschnitt im BLN-Gebiet, dem Bundesinventar für Landschaften und Naturdenkmäler. Das erschwere die Planung eines Projekts zusätzlich.

Zudem ist die Eingabefrist für Projekte, die im 4. Agglomerationsprogramm des Bundes in den nächsten Jahren umgesetzt werden sollen, schon abgelaufen. Der betroffene Abschnitt ist nicht Teil dieser Liste, ein Bauprojekt müsste demnach ohne Bundesgelder realisiert werden.

«Seit bald 30 Jahren wartet das Ägerital auf den Veloweg nach Zug. Jetzt will der Regierungsrat die Velofahrerinnen und Velofahrer nochmals zehn Jahre warten lassen.»

Beat Ryser, Präsident ALG Unterägeri

Dass der Kanton Zug bei grösseren Strassenbauprojekten einen Zeitplan hat, der keine grossen Änderungen verträgt, ist nachvollziehbar. Pikant ist jedoch, dass der Kantonsrat schon 1995 eine Motion von SP-Kantonsrat Christoph Hohler überwies, welche zwischen Ägeri und den Talgemeinden einen Veloweg forderte. Der Regierungsrat legte daraufhin ein Konzept vor, das aber für den Abschnitt Rössli–Spinnerei keine Massnahmen vorsah. Zu schwierig die Topografie, so die Begründung der Regierung. Seither – also seit 27 Jahren – ist das Geschäft nun hängig.

Auf manchen Abschnitten hat der Kanton mittlerweile einen Velostreifen oder einen Veloweg realisiert. Nach Abschluss der Arbeiten zwischen Nidfuren und Schmittli hat es auf neun der zwölf Kilometer langen Strecke zwischen Unterägeri und Zug und Baar eine Veloinfrastruktur. Doch der letzte Abschnitt dieser Strecke, jener zwischen Rössli und Spinnerei, wird also frühestens 37 Jahre nach der Motion von Christoph Hohler in Angriff genommen.

Ägerer wollen nicht mehr länger warten

Im Ägerital ist man mit der Antwort der Regierung unzufrieden: «Die schmale Fahrbahn, die Kurven und die Steigung machen diese Strecke zu einem latenten Gefahrenherd», kritisiert Markus Spörri auf Anfrage. «Etwas bedenklich stimmt, dass diese Sanierung grundsätzlich bereits vor über 25 Jahren durch den Kantonsrat beschlossen wurde.»

«Falls sich der Regierungsrat nicht in der Lage fühlt, die Sanierung vorzuziehen, dann sollte er zumindest für kurzfristige provisorische Verbesserungen besorgt sein.»

Markus Spörri, FDP-Kantonsrat Unterägeri

Noch deutlichere Worte findet Beat Ryser, Präsident der ALG Unterägeri. Dass die Umsetzung der Motion von Christoph Hohler im besten Fall 37 Jahre lang dauern wird, enttäuscht Ryser: «Seit bald 30 Jahren wartet das Ägerital auf den Veloweg nach Zug. Jetzt will der Regierungsrat die Velofahrerinnen und Velofahrer nochmals zehn Jahre warten lassen.» Für Ryser ist es unverständlich, warum dieser Veloweg im Kanton Zug einen so schweren Stand hat.

«Das Hauptargument des Regierungsrates lautet vereinfacht gesagt, dass ein Veloweg zwischen Rössli bis Spinnerei kompliziert ist – unter anderem aufgrund des Geländes.» Das sei aus Sicht der ALG Unterägeri kein Grund, das Projekt weiter aufzuschieben. Ryser hält fest: «Wo es Probleme gibt, lassen sich Lösungen finden. So wie beim Autoverkehr, für den bereits die Transversale in Baar gebaut wurde und für den Überlegungen zur Umfahrung von Unterägeri angestellt werden.» Der Präsident der ALG-Ortspartei fasst darum zusammen: «Offensichtlich mangelt es am politischen Willen.»

Auch FDP-Kantonsrat Markus Spörri fordert mehr Pragmatismus von der Regierung: «Falls sich der Regierungsrat nicht in der Lage fühlt, die Sanierung vorzuziehen, dann sollte er zumindest für kurzfristige provisorische Verbesserungen besorgt sein.» Spörri erwähnt beispielsweise die Idee, das einseitige Trottoir für die bergwärts fahrenden Velos freizugeben.

Letztlich hat das kantonale Parlament das letzte Wort in dieser Debatte und kann darüber entscheiden, wie lange die Ägerer noch auf ihren Veloweg warten müssen.

Verwendete Quellen
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