Teures Parkieren für SUVs

Gegen Geländewagen: Pariser Idee scheitert in Luzern

Der Luzerner Mobilitätsdirektor Adrian Borgula sagt, SUVs seien für Luzern «ungünstig». (Bild: kok)

Nach einem Entscheid in Paris planen auch Schweizer Städte, SUV-Fahrer stärker zur Kasse zu bitten. In Luzern überzeugt die Pariser Lösung niemanden - aus mehr als einem Grund.

«Klimaerwärmung? Na und? Ich habe eine Klimaanlage.» Den Älteren ist der Spruch sicher noch bekannt. Im Jahr 2008 zeigten Autobesitzer mit solchen Aufklebern, was sie von der Offroader-Initiative der Jungen Grünen hielten. Heute, 16 Jahre später, sind SUVs in den Städten immer noch ein heisses Eisen.

Vergangenen Sonntag haben die Pariser bei einer Bürgerbefragung entschieden, dass sich die Parkgebühren für Stadtgeländewagen verdreifachen sollen. Besucherinnen von ausserhalb sollen im Zentrum künftig 18 Euro pro Stunde fürs Parkieren berappen. Einwohner und Handwerkerinnen sind ausgenommen.

Die Nachricht aus Frankreich sorgte auch in der Schweiz für Zündstoff. Aus der Stadtzürcher Verkehrskommission hiess es, sie wolle ein ähnliches Modell für die blauen Zonen einführen. In Basel wurde der Regierung kürzlich ein Vorstoss überwiesen, der höhere Steuern für SUVs fordert. Und in Luzern?

Parkgebührenreglement ist aus dem Jahr 2021

Auch in der Zentralschweiz findet die SUV-Schelte Anklang. «Wir würden die SUVs sofort aus dem Stadtbild verbannen», sagt Mario Stübi, Grossstadtrat der SP auf Anfrage. «Solche Monsterpanzer sind nicht nötig.» Allerdings sei das leichter gesagt als getan.

Ein Fahrverbot für SUVs in der Innenstadt könne nur der Kanton erlassen, denn auch Kantonsstrassen wären betroffen. Und eine Änderung des Parkplatzreglements sei zurzeit undenkbar. Das heftig umstrittene Parkgebührenreglement, für das Luzerner an die Urne mussten, ist keine drei Jahre alt (zentralplus berichtete).

Grünen-Nationalrat fordert Debatte

Der Grünen-Nationalrat Michael Töngi sieht noch eine andere Schwierigkeit. «Es besteht die Gefahr, dass Gebühren, die eine Lenkungswirkung haben sollen, nicht akzeptiert werden», schreibt er auf Anfrage. So wie zuletzt geschehen.

Im Herbst 2023 hat der Preisüberwacher Städte kontaktiert, deren jährliche Parkkarten für Anwohner mehr als 400 Franken kosten. Auch Luzern. Denn hier kostet die Karte 600 Franken, womit Luzern schweizweit die zweitteuerste Stadt zum Parkieren ist. Solch ein Rüffel wäre auch bei SUV-Tarifen möglich.

Ein Grund, um die Füsse stillzuhalten, sei das aber nicht, meint Töngi. «Autos in der Schweiz werden ständig schwerer und grösser. Alle Anreizsysteme und Appelle haben bisher versagt. Ich finde es daher richtig, diese Diskussion wieder zu führen.» Auf nationaler Ebene setzt sich seine Partei derzeit für ein Importverbot von schweren Autos ein.

SUVs sind gefährlicher als kleine Autos

Tatsächlich sind SUVs auf Schweizer Strassen beliebt, sie machen fast die Hälfte aller Neuwagen aus. Wie viele SUVs auf Luzerner Strassen unterwegs sind, weiss die Stadt aber nicht. Wie auch schon in einer Antwort aus dem Jahr 2018, heisst es auf Anfrage: Es gebe keine Daten, und die Definition eines SUV sei unscharf.

«Insgesamt sind SUVs für den Verkehr in der Stadt ungünstig.»

Adrian Borgula, Luzerner Mobilitätsdirektor

Stadtgeländewagen oder auch «Sport Utility Vehicles» sind nicht nur ein Feindbild von Klimaaktivisten, sondern auch gefährlicher als kleine Autos. Das zeigt eine Studie des Unfallversicherers Axa. «Je grösser und schwerer ein SUV, desto häufiger verursacht er eine Kollision», so das Fazit des Studienberichts (zentralplus berichtete).

Für SUVs will Luzern nationale Lösungen

Der Luzerner Mobilitätsdirektor Adrian Borgula (Grüne) kennt die Nachteile der SUVs. Die Unfälle seien schwerer, der Energie- und Platzverbrauch höher, die Motoren und Rollgeräusche lauter. «Insgesamt sind SUVs für den Verkehr in der Stadt ungünstig», sagt er.

Die Pariser Lösung direkt ins kleine Luzern zu übertragen, sieht er aber kritisch. «Eine grosse Stadt wie Paris kann den Fokus auf Autogrössen legen. Wir sollten eine gesamtschweizerische Lösung suchen.» Die Fahrerinnen mit höheren Tarifen zu belegen, sei im Stadtrat noch nicht diskutiert worden.

In der Schweiz sind die Gemeinden für die Parkgebühren zuständig. «Ob der Spielraum der Gemeinden vergrössert werden muss, um eine Lenkungswirkung bezüglich des Fahrzeugtyps einführen zu können, könnte ein nationales Thema sein», sagte der SP-Nationalrat David Roth vor Kurzem zu «20 Minuten».

Zweifel an höheren Tarifen für SUVs in Luzern

Einer, der die Unfallgefahr von SUVs für kein Problem hält, ist Patrick Zibung. Der SVP-Grossstadtrat sitzt in der städtischen Verkehrskommission und meint: «Die Autos sind legal gekauft und zugelassen. Eine Diskussion auf kommunaler und kantonaler Ebene erübrigt sich.»

Auch eine Einführung von unterschiedlichen Parkgebühren lehnt er ab. «Die Parkfelder sind markiert, Platz gewinnt man durch höhere Gebühren nicht. Ausserdem wäre so eine Regel nicht kontrollierbar.» In der Stadt seien einst günstigere Tarife für E-Autos debattiert worden – sie seien an den gleichen Argumenten gescheitert.

Trotz Sympathien für die Idee aus Paris ist selbst der SP-Grossstadtrat Mario Stübi von der Pariser Lösung nicht vollends überzeugt. «Nicht nur die Grösse der Autos ist das Problem, sondern die Autos an sich.» Ihm wäre es lieber, die Gebühren für alle Autos zu erhöhen anstatt nur für SUVs. Das sei «unkomplizierter».

Verwendete Quellen
  • Anfrage der SP/Juso zu SUVs in Luzern
  • Telefonat mit Adrian Borgula, Mobilitätsdirektor Luzern
  • Eintrag der Stadt zum Parkgebührenreglement
  • Telefonat mit Mario Stübi, Grossstadtrat der SP
  • Schriftlicher Austausch mit Michael Töngi, Grünen-Nationalrat
  • Telefonat mit Patrick Zibung, Grossstadtrat der SVP
  • Artikel in «20 Minuten»
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15 Kommentare
  • Profilfoto von Diesel-Doris
    Diesel-Doris, 09.02.2024, 06:52 Uhr

    Jaja, der Herr Stübi und mit seinen ideologischen Träumereien. Ich finde E-Autos für den Stadtverkehr völlig ungeeignet. Sie sind kaum hörbar und daher eine Gefahr für Velos umd Fussgänger. Sie sind viel zu schwer (wie die SUV?). Sie sind eine Brandgefahr, gerade in dichten, städtischen Gebieten. Jedem seine Meinung.

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    Groucho, 07.02.2024, 22:51 Uhr

    Kampfpanzer für alle !

    Schöni Fasnacht !

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    Marc Wieser, 07.02.2024, 20:01 Uhr

    Tja, dann dürften wir auch all die tollen VW- und andere Büsslis einschränken, die sind mit ihren eingebauten Betten und Nasszellen mindestens so gross und so schwer. Und natürlich all die 7- und 9–Plätzer-Vans der Soccer-Mums, die tagtäglich als Schulbusse eingesetzt werden. Und nicht zu vergessen all die weissen Handwerker-Lieferwagen, die mit eingebauten Schubladestöcken an der 3.5-Tonnen-Grenze knabbern. Hab ich noch eine Fahrzeugart vergessen?

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    • Profilfoto von Manuel
      Manuel, 07.02.2024, 21:59 Uhr

      Ähm, ja, Uelis Kampfpanzer sowie Blochers Schilter (oder wars doch ein Aebi?). Die gehören auch verboten.

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    simon.occur, 07.02.2024, 17:42 Uhr

    Stübi ist wenigstens ehrlich. Die Autos sind aus Sicht der Grünen das Unding schlechthin. Da kann das Mobil noch so klein, leicht und untermotorisiert sein – so lange es 4 Räder hat, man sich über ein behagliches Klima, Fahrspass und individuelle Freiheit freuen kann, soll es zuerst über-besteuert, dann verkehrstechnisch drangsaliert und schlussendlich verboten werden. Die Diskussion über technische Werte hier ist müssig, da der Sachverstand fehlt.

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    Karl-Heinz Rubin, 07.02.2024, 17:23 Uhr

    Ich wäre grundsätzlich für eine Beschränkung der PS.
    Der Umwelt zuliebe würden 100 Pferdestärken ob Verbrennen oder Elektro reichen.
    Wer braucht schon Fahrzeuge mit mehreren hundert PS und einem massiven Verbrauch ( Elektro eingenommen).

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    Baldo, 07.02.2024, 15:07 Uhr

    So en Chablis!
    Verbrennungsmotor ist Verbrennungsmotor, ob Diesel oder Benziner, ob SUV oder Kleinwagen. Keine Ahnung wieso man sich so auf SUV versteift.
    SUV s sind ein Trend und es wird wieder vergehen. Jemand zu bestrafen weil man nicht das Auto fährt, dass einer Politischer Gruppierung passt, echt jetzt?

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    Rene, 07.02.2024, 14:53 Uhr

    Die Autos an sich sind nicht gefährlich. Es sind die Fahrer/innen. So wie bei den Kamphund/innen.

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      Roli Greter, 07.02.2024, 17:16 Uhr

      Oder wie in Regierungsgebäuden.

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    Hegard, 07.02.2024, 10:24 Uhr

    ich freue mich auf 2030

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    Franz, 07.02.2024, 10:05 Uhr

    Nachdem die Grünen endlich gemerkt haben, dass die gefragten E-Autos auch SUVs sind (Gewicht, Grösse), wollen sie nun ein Einfuhrverbot für «schwere» Autos. Da werden sich die deutschen Autobauer aber freuen. Und natürlich auch Tesla.

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  • Profilfoto von HO
    HO, 07.02.2024, 08:37 Uhr

    Heutzutage wird fast jedes Auto als SUV vermarktet, weil die Leute gerne etwas höher im Auto sitzen. Was ist schon ein SUV? Ich bin selber kein Fan von SUV aber man merkt hier, dass die Politiker keinen Plan haben von der Materie: Die meisten Hersteller haben ihre Plattformen. Ein VW Golf ist +/- gleich gross und schwer wie sein SUV Bruder der T-Roc, einfach ein wenig höher. Wo soll das jetzt ein Problem sein? Eine Mercedes S-Klasse (Limousine)in der Langversion ist ein riesen Schiff für max 4 Personen. Das ist aber demnach kein Problem. Elektroautos sind oftmals auch als SUVs vermarktet weil die Batterie den ganze Aufbau höher machen. Da müsste man doch eher Cabrios verbieten, wo man eine ganze Fahrzeuggrösse für zwei Personen braucht.
    Realistischer und sinnvoller wäre doch eine Maximalgrösse und Maximalgewicht zu definieren anstatt alles über den Fahrzeugaufbau zu regeln.

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    • Profilfoto von Wir haben die Wahl!
      Wir haben die Wahl!, 07.02.2024, 12:03 Uhr

      Ok, Maximalgrösse und Maximalgewicht definieren. Auch die Leistung (PS oder Kw/h) sollte beurteilungswirksam einfliessen, bzw. z.B. entsprechend besteuert werden. Kein Auto ist aber immer noch das beste Auto.

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      • Profilfoto von Nora K.
        Nora K., 09.02.2024, 06:54 Uhr

        Leistung wird schon besteuert, bei der Motorfahrzeugsteuer. Thema erledigt.

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        • Profilfoto von Wir haben die Wahl!
          Wir haben die Wahl!, 09.02.2024, 09:10 Uhr

          @ Nora K.
          «Entsprechend besteuert». Thema nicht erledigt……

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