Verkehr & Mobilität
Der ÖV kommt nicht zur Ruhe

Stromkrise kostet VBL wohl mehrere Millionen Franken

Trolleybusse brauchen Strom – und der ist aktuell sehr teuer. (Bild: PD)

Die Strompreise gehen durch die Decke. Die VBL stellen sich darum auf ungemütliche Monate ein. Andernorts treiben die Preise den ÖV fast in den Ruin.

Die Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) besitzen rund 150 Busse. 65 davon sind Trolleybusse und fahren rein elektrisch – ebenso wie die drei Elektrobusse, welche seit bald zwei Jahren auf der Linie 10 im Einsatz sind (zentralplus berichtete).

Aus ökologischer Sicht ist der hohe Anteil elektrisch betriebener Busse erfreulich, da so weniger CO₂-Emissionen ausgestossen werden. Doch der Stromverbrauch dieser Busse ist beträchtlich. Und weil der Strom in den letzten Monaten teurer geworden ist, geht das ganz schön ins Geld.

VBL verbrauchen so viel Strom wie ein grosses Dorf

Über elf Gigawattstunden Strom verbrauchen alleine die Busse der VBL. Hinzu kommt der Stromverbrauch im Depot und in der Werkstatt des Unternehmens. So verbrauchen die VBL in einem Jahr etwa gleich viel Strom wie ein grösseres Dorf mit 5000 Einwohnern. Das entspricht in etwa der Bevölkerung von Schüpfheim, Sempach oder Oberkirch.

«Den Rest werden wir voraussichtlich zu deutlich höheren Preisen einkaufen müssen, was in den Jahren 2023 und 2024 zu einem Mehraufwand von mehreren Millionen Franken führen würde.»

Sämi Deubelbeiss, Sprecher VBL

Immerhin: Die VBL haben vorgesorgt. Das Unternehmen beschafft sich den Strom jeweils schon weit im Voraus zu fixen Preisen beim Luzerner Energieunternehmen EWL. So kann der VBL der Strommarkt, wo die Preise seit Monaten verrückt spielen, egal sein. Vorerst. Denn die Stromreserven der VBL sind nicht unerschöpflich, wie Sprecher Sämi Deubelbeiss auf Anfrage bestätigt: «Für das Jahr 2022 haben wir den Strom bereits seit Längerem eingekauft und werden daher im laufenden Jahr keinen Mehraufwand haben. Für das Jahr 2023 haben wir die Hälfte und für das Jahr 2024 rund einen Drittel des Strombedarfs bereits günstig eingekauft.»

Das heisst im Umkehrschluss: Bleiben die Strompreise so hoch, müssen sich die VBL den übrigen Strom für die kommenden zwei Jahre zu deutlich teureren Preisen besorgen: «Den restlichen Bedarf werden wir voraussichtlich zu deutlich höheren Preisen einkaufen müssen, was in den Jahren 2023 und 2024 zu einem Mehraufwand von mehreren Millionen Franken führen würde», räumt Deubelbeiss ein.

Turbulente Zeiten für den ÖV

Noch stärker als die VBL trifft die Stromkrise das Berner ÖV-Unternehmen Bernmobil. Aufgrund eines speziellen Deals mit der Stadt Bern kauft Bernmobil den Strom täglich auf dem Strommarkt und ist dessen Turbulenzen darum völlig ausgeliefert. Weil das Unternehmen wegen der Corona-Pandemie bereits sämtliche Reserven aufgebraucht hat, frisst der Stromverkauf nun innerhalb kurzer Zeit ein Millionenloch in die Kasse des Unternehmens. Ob dafür letztlich die öffentliche Hand aufkommen muss, ist noch unklar.

Aber auch für die VBL wird es in den nächsten Monaten ungemütlich – schon wieder. Denn das Unternehmen kam in den vergangenen Jahren kaum zur Ruhe. Die Corona-Pandemie schüttelte den öffentlichen Verkehr mächtig durch und sorgte dafür, dass die VBL zwei Jahre hintereinander Millionenverluste einfuhren.

Parallel dazu wurde publik, dass die VBL während sieben Jahren wohl zu viele Subventionen bezogen haben (zentralplus berichtete). Der Luzerner Verkehrsverbund (VVL) forderte darum, dass die VBL 16 Millionen Franken an Gemeinden, Kanton und Bund zurückbezahlt. Doch die VBL weigerte sich, womit der Fall vor Gericht landete. Dort ist er seither hängig.

Das Verhältnis zwischen VBL und Verkehrsverbund bleibt angespannt

Als Folge der Subventionsaffäre nahm die damalige VBL-Führung den Hut und machte Platz für neue Kräfte. Diese haben mit der Vergangenheit schrittweise aufgeräumt, doch das Verhältnis zum VVL blieb angespannt. Diese Situation ist darum brisant, weil der VVL es in Betracht zieht, Linien der VBL neu auszuschreiben. Für diesen Fall wollten die VBL mit einer neuen Führung und einem Fokus auf ihr Kerngeschäft – den Fahrbetrieb – vorbereitet sein (zentralplus berichtete). Doch nun bringt die Stromkrise neuerliche Turbulenzen mit sich.

Denn die Offerte für das Jahr 2023 haben die VBL dem Verkehrsverbund bereits vorgelegt – allerdings zu einem Zeitpunkt, als niemand damit rechnete, dass die Strompreise plötzlich durch die Decke gehen würden. Die Offerte ist also zu günstig. Darum müssen die VBL nochmals beim VVL antraben und darum bitten, ihre Offerte zu revidieren: «Aktuell klären wir ab, ob wir die Offerte 2023 noch einmal mit den höheren Strompreisen eingeben dürfen, damit wir nicht einen vorhersehbaren Millionenverlust einfahren werden», sagt Sämi Deubelbeiss. Ansonsten müsste der Verlust nämlich über Spezialreserven gedeckt werden.

Es sind turbulente Zeiten für das ÖV-Unternehmen. Die Passagiere hingegen kriegen das nicht zu spüren. Eine Erhöhung der Ticketpreise sei trotz der erwarteten Mehrkosten kein Thema, sagt Deubelbeiss. Eine solche liege sowieso nicht in der Kompetenz der VBL: «Über eine allgemeine Preiserhöhung entscheidet letztlich die gesamte ÖV-Branche, die VBL haben auf die Preisgestaltung keinen direkten Einfluss.»

Verwendete Quellen
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