Autofahrer ignorieren Verbot an Libellenstrasse

So will der Luzerner Stadtrat Schleichfahrten unterbinden

Umwelt- und Mobilitätsdirektor Adrian Borgula will das Problem an der Libellenstrasse anpacken. Allerdings anders, als von den Anwohnern gefordert.

Anwohner der Libellenstrasse in Luzern forderten mit einem Bevölkerungsantrag, dass die Stadt das Fahrverbot an der Strasse mit Pollern durchsetzt. Davon will der Stadtrat aber nichts wissen. Er schlägt andere Massnahmen vor.

Eigentlich dürften an der Libellenstrasse keine Autos fahren. Eigentlich. Denn obwohl die Stadt Luzern 2018 als Antwort auf die Sorgen von verkehrsgeplagten Anwohnern und einen Vorstoss ein Fahrverbot erlassen hat, nutzen viele Autofahrer die Libellenstrasse als Schleichweg, um Staus beispielsweise an der Maihofstrasse zu umfahren. Eine Messung von Anfang dieses Jahres zeigte: Täglich missachten gut 205 Lenker das Durchgangsverbot.

Damit soll Schluss sein, forderten Anwohner. Die Stadt soll versenkbare Poller installieren, die nur von wenigen berechtigten Personen bedient werden können, oder automatische Verkehrskontrollsysteme mit Nummernschilderkennung aufstellen (zentralplus berichtete).

140’000 Franken für Poller

Wie nun aus der Stellungnahme auf den entsprechenden Bevölkerungsantrag hervorgeht, hält der Luzerner Stadtrat aber nichts von den Ideen. Die Argumente: zu teuer und zu kompliziert.

Versenkbare Poller und die Software, um sie zu steuern, würden nämlich gut 140’000 Franken kosten, so die Rechnung des Stadtrates. Ausserdem müsste die Stadt eine Datenbank erstellen, in der alle Berechtigten aufgeführt sind, die die Poller bedienen dürften. Dies wären etwa Blaulichtorganisationen und Anwohner, aber auch die Post oder Handwerker.

Diese Liste dürfte sich laufend verändern und die Datenbank müsste stetig angepasst werden. Dies sei mit hohem Aufwand verbunden, argumentiert der Stadtrat.

System könnte die Falschen büssen

Auch der zweite Vorschlag der Anwohner hat einen schweren Stand. Ein automatisches Kontrollsystem sei schlicht nicht zweckmässig, heisst es in der Stellungnahme. Das Problem: Das System dürfte kaum von berechtigten und unberechtigten Fahrzeugen unterscheiden können.

Fahre beispielsweise ein Auto für eine kurze Anlieferung von Waren oder Personen als berechtigter Zubringerdienst in die Libellenstrasse und danach sofort weiter, kann das System keinen Unterschied zu einem unberechtigt durchfahrenden Fahrzeug feststellen.

Das Resultat: Das System würde laut der Stadt eine falsche Busse ausstellen und Polizei, Stadt und die gebüsste Person hätten nichts als Ärger und Arbeit.

Stadtrat schlägt Einbahnstrecken vor – ist aber nicht begeistert davon

Ausserdem habe sich der Verkehr auf der Libellenstrasse seit 2015 ohnehin halbiert und gehe weiter zurück. «Der Stadtrat erachtet die verbleibende Verkehrsbelastung in der Libellenstrasse als vertretbar, den unberechtigten, illegalen Durchgangsverkehr von durchschnittlich 18 Prozent jedoch als hoch», schreibt Umwelt- und Mobilitätsdirektor Adrian Borgula (Grüne).

Er schlägt darum andere Massnahmen vor, um den Schleichweg-Übeltätern das Handwerk zu legen. So wolle sich der Stadtrat bei der Polizei dafür einsetzen, dass sie mehr Kontrollen auf der Libellenstrasse macht. Zudem wolle er vor Ort Autofahrer stärker auf das Fahrverbot aufmerksam machen. Ausserdem sollen weiterhin regelmässig Verkehrsmessungen durchgeführt werden.

Bringt das alles nichts, wolle die Stadt prüfen, ob man in einem Pilotversuch zwei kurze Einbahnstrecken auf Höhe Libellenstrasse 46 und 49 einführen kann. Wirklich überzeugt scheint der Stadtrat von dieser Idee aber nicht zu sein. Wie er schreibt, würde dies nämlich Umwege für die Anwohner und Zubringer bedeuten und mit «grosser Wahrscheinlichkeit» rund um das Schulhaus Maihof zu Mehrverkehr führen. Darum wolle der Stadtrat die Idee erst in einem zweiten Schritt prüfen.

Als Nächstes kommt das Anliegen der Libellenstrasse-Anwohner in den Grossen Stadtrat.

Verwendete Quellen
  • Stellungnahme Stadtrat auf Bevölkerungsantrag
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