Bundesbeamter erhebt Kritik

So viel verdient die Stadt Luzern mit den Parkhäusern

Auch an den Bahnhofparkings P1 und P2 ist die Stadt Luzern beteiligt. (Bild: rob)

In Zukunft soll das Parkieren aus den Innenstädten verbannt werden. Doch bis dahin machen die Städte Profit – zum Beispiel Luzern mit seinen Parkhäusern.

Astra-Direktor Jürg Röthlisberger hat einen Seitenhieb gegen die Städte Bern, Zürich und Luzern verteilt. Im Interview mit dem Branchenmagazin «Velojournal» sagt der erfahrende Chefbeamte: «Wir müssen darüber diskutieren, warum Parkplätze – wie in Bern, Luzern oder Zürich – dort sind, wo die Städte den Verkehr nicht mehr wollen.»

Der Journalist hatte Röthlisberger zuvor gefragt, warum es mit der Entwicklung der Verkehrsdrehscheiben nicht vorwärtsgehe. Der Bund will diese Umsteigepunkte bereits seit Jahren ausbauen. Ziel ist es, dass Autofahrer künftig in den Agglomerationen parkieren und mit Bahn, Bus, Car-Sharing oder Velos in die Städte fahren.

Vorwurf vom Astra-Chef: Städte verdienen an Parkhäusern

Der meinungsstarke Röthlisberger hat eine Vermutung, warum diese Vision noch keine Realität ist und noch immer Autokolonnen in die Schweizer Innenstädte fahren. «Parkplätze in der Peripherie wollen die Städte oft nicht, denn die Zentrumsparkplätze und -parkhäuser spülen viel Geld in ihre Kassen.»

Ist das so? zentralplus hat bei der Stadt und dem Kanton Luzern nachgefragt, wie hoch die städtischen Einnahmen aus den Parkplätzen im Zentrum tatsächlich seien. Und ob diese Einnahmequelle dazu führe, dass es mit der Verschiebung der Parkplätze ins Umland nicht vorangehe.

Die Stadt ist an drei Parkhäusern beteiligt

In der Stadt Luzern liegen über die Hälfte aller öffentlich benutzbaren Parkplätze in sogenannten Parkierungsanlagen. Das sind 7700 Parkplätze. Ein weiteres Viertel der Parkplätze befindet sich in den Quartieren und ist kostenlos, ein Fünftel wird mit Parkuhren bewirtschaftet. So gibt es die Stadt auf ihrer Website an.

Zudem ist die Stadt an drei Parkhäusern beteiligt. An der Parkhaus Luzern Zentrum AG mit 49,9 Prozent, verantwortlich für das Parkhaus Altstadt am Kasernenplatz. Dazu mit 48,5 Prozent an der Tiefgarage Bahnhofplatz AG, die Betreiberin des Bahnhofparkings. Und mit 33,3 Prozent an der Parkhaus Casino-Palace AG.

Das Dach des Parkhauses Altstadt: Hier ist es im Sommer brechend voll. (Bild: zvg)

Den Vorwurf von Röthlisberger weist Markus Birrer, Projektleiter Mobilität, allerdings von sich: «Die Stadt hat keinen Anreiz, motorisierten Freizeit- und Pendlerverkehr in die Innenstadt zu führen.» Stattdessen setzte sie Parkgebühren als Lenkungsmassnahme ein, damit in «flächeneffizienten» Parkhäusern parkiert wird. Zur Wahrheit gehört aber auch: Parkhäuser der Stadt Luzern werfen ordentlich Geld ab.

Knapp sieben Millionen Franken hat die Stadt 2023 verdient

Die Beteiligungen an Parkhäusern bringen der Stadt jährlich Dividenden ein. Im Jahr 2023 erhielt die Stadt rund 600’000 Franken vom Parkhaus Altstadt, etwa 1,6 Millionen Franken vom Bahnhofparking und 150’000 Franken vom Parkhaus Casino-Palace. Inklusive aller Strassenparkplätze habe die Stadt 6,75 Millionen Franken Einnahmen aus dem Parkieren erzielt, schreibt Birrer.

Per 1. Juli 2024 werden beim Bahnhofparking ausserdem die Preise steigen, wie zentralplus erfahren hat. Beim Bahnhofparking 1 und 2 kosten vier Stunden bisher 13 Franken – bald sind es 16 Franken. Fünf Stunden werden künftig nicht mehr 16, sondern 20 Franken kosten.

Wohin der städtische Anteil an den Einnahmen fliesst? Der Projektleiter sagt, die Überschüsse würden – nach Abzug der Betriebskosten – für die Finanzierung des öffentlichen Verkehrs verwendet. Zudem habe die Stadt den Auftrag, bis 2040 die Hälfte der öffentlichen Oberflächenparkplätze abzubauen. Konkrete Projekte zum Abbau der Parkieranlagen gebe es aber nicht.

Kanton veröffentlicht neue Studie zu Verkehrsdrehscheiben

Der Kanton Luzern will dagegen schon jetzt Verkehrsdrehscheiben voranbringen. Aktuell würden Experten eine Konzeptstudie dazu abschliessen, schreibt Simone Mayer, Teamleiterin aus der Abteilung Mobilität. Die Untersuchung folgt aus einer Bundesstudie, die Verkehrsdrehscheiben im Kanton Luzern – stellvertretend für das ganze Land – untersucht hat (zentralplus berichtete).

Je roter, desto dichter: Mit Raumzonen hat das Bundesamt errechnet, wo Verkehrsdrehscheiben Sinn machen. (Bild: Bundesamt für Raumentwicklung)

«In der Konzeptstudie hat der Kanton Luzern die wichtigsten Umsteigepunkte verortet, typisiert und Standards für Verkehrsdrehscheiben festgelegt», erklärt die Teamleiterin. Auf dieser Basis sollen neue Umsteigepunkte entstehen – und alte ausgebaut werden. Demnächst soll die Luzerner Studie veröffentlicht werden.

Hinweis: In einer ersten Version des Artikels stand, die Aussagen stammen von Peter Füglistaler, Direktor der Bundesamts für Verkehr. Dies wurde korrigiert. Zudem wurde ergänzt, dass die Tarife im Bahnhofparking steigen werden.

Verwendete Quellen
  • Website der Stadt Luzern zu Parkierungsanlagen
  • Schriftlicher Austausch mit Simone Mayer, Teamleiterin aus der Abteilung Mobilität des Kantons Luzern
  • Schriftlicher Austausch mit Markus Birrer, Projektleiter Mobilität Stadt Luzern
  • Artikel im «Velojournal»
  • zentralplus Medienarchiv zu Verkehrsdrehscheiben
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