Harte Fragen an … Roger Sonderegger

Seilbahn-Befürworter: «Wir geben noch lange nicht auf!»

Roger Sonderegger ist vom Seilbahnprojekt überzeugt. (Bild: giw)

Das Car-Problem lasse sich weiterhin mit einer Seilbahn in Luzern lösen, findet der Präsident der Stadtpassage AG. Die Ablehnung der Stadt habe andere Hintergründe.

Sie wollten einen Fussgängertunnel bohren, damit die störenden Reisecars aus dem Zentrum verschwinden und ausserhalb der Innenstadt parkieren können: die «Interessengemeinschaft Stadtpassage» (zentralplus berichtete). Doch die Stadt Luzern kam zum Schluss: 270 bis 340 Millionen Baukosten sind zu teuer. Also änderte die IG den Kurs, gründete eine Aktiengesellschaft und schlug eine Seilbahn vor. Seit dieser Woche ist klar: Auch die «Stadtpassage PLUS» will der Stadtrat nicht weiterverfolgen (zentralplus berichtete).

Roger Sonderegger ist Präsident der 2022 gegründeten Stadtpassage AG. Der Grossstadtrat (Mitte) und Raumplaner sagt, die Ablehnung seitens des Stadtrats sei nicht das Aus des Projekts. Stattdessen kündigt er eine umfassende Vorstudie zur Luzerner Seilbahn an.

zentralplus: Karten auf den Tisch – die Stadtpassage wäre zu teuer.

Roger Sonderegger: Nicht unbedingt. Die Stadtpassage liesse sich günstiger und schneller realisieren, als die Stadt errechnet hat. Die Prüfer haben grosse Reserven einkalkuliert. Natürlich sind die technischen Hintergründe komplex. Der Tunnel könnte aber zum Beispiel schmaler sein, finden wir.

zentralplus: Die Stadt Luzern sieht das aber anders.

Sonderegger: Ja. Wir haben schon während den Untersuchungen des Stadtrats gemerkt, dass aus der Stadtpassage nichts wird. Also haben wir das Beste aus zwei bestehenden Ideen zur Lösung des Car-Problems genommen und einmal durchgeschüttelt: der Metro Luzern und dem Parkhaus Musegg. Dabei kam die Seilbahn heraus.

Luzern mit Seilbahn vom Ibach bis in die Altstadt

Die «Stadtpassage PLUS» sieht eine Seilbahn von der Altstadt via Kantonsspital bis ins Gebiet Ibach vor. Vom Falkenplatz bis ins Luzerner Kantonsspital (Luks) soll die Seilbahn in einem Stollen an einer Schiene verlaufen, danach als Einseilbahn bis zum Ibach. Dort sind Parkplätze für Autos und Cars geplant (zentralplus berichtete).

Die Streckenführung der «Stadtpassage PLUS». (Bild: IG Stadtpassage)

zentralplus: Warum ist die «Stadtpassage PLUS» mit Seilbahn besser als der Ursprungsplan?

Sonderegger: Wir haben enorm von der Zusammenarbeit mit der Stadt profitiert. Zum Beispiel bei der Frage, wo ein geeigneter Eingang sein könnte. Aktuell planen wir den Zugang in einem Gebäude am Falkenplatz. Oder auch bei der Parkierung. Das Ursprungsprojekt sah beim Luks Parkplätze in der Tiefe vor, was sehr CO₂-intensiv wäre. Nun planen wir im Ibach ein Holzparkhaus. Die Seilbahn ist einfach ein besseres Projekt.

zentralplus: Doch der Stadtrat wolle die Seilbahn nicht weiterverfolgen, hat er nun mitgeteilt.

Sonderegger: Das Projekt ist aus dem Rahmen seiner Logik gefallen. Wir haben das Projekt Stadtpassage während den laufenden Untersuchungen abgeändert. Nun muss der Stadtrat der Ordnung folgen und diese Prüfung abschliessen. Das ist ein bürokratischer Schritt.

zentralplus: Falls Luzern die Seilbahn in Zukunft prüft: Wird sie nicht auch zu teuer?

Sonderegger: Im April 2023 haben wir eine 20-seitige Machbarkeitsstudie selbst erstellt. Unser Felsbauer, unser Architekt und ich als Raumplaner. Darin haben wir auch grob die Kosten untersucht und sind uns sicher: Den grössten Teil könnten Private bezahlen.

Finanzielle Vorteile des Seilbahnprojekts

zentralplus hat exklusiv Einsicht in die Konzeptstudie zur «Stadtpassage PLUS» erhalten, die auch der Stadt Luzern vorliegt. Darin listet die Stadtpassage AG die Vorteile der Seilbahn für Luzern auf: Sie lasse sich von Privaten betreiben und grösstenteils finanzieren. Sie sei für Mitarbeiter des Luks ein attraktiver Arbeitsweg. Die 10er-Kabinen könnten pro Stunde bis zu 1800 Menschen vom Stadtrand ins Zentrum befördern. Und auch als Werbeflächen genutzt werden.

Ein weiterer Vorteil sei die Aufwertung des Gebiets Ibach. Mit einem neuen Parkhaus, Gastronomieangeboten, Stellplätzen für die Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) oder einer Kletterhalle lasse sich das Quartier entwickeln. Zurzeit prägen die Gegend das Strasseninspektorat, ein Ökihof, mehrere Industriebetriebe – und der Strassenstrich.

So könnten die Seilbahnstationen im Ibach und beim Luks angeordnet sein. (Bild: Stadtpassage AG)

zentralplus: Die Konzeptstudie ist interessant, aber kurz. Was folgt nun?

Sonderegger: Wir planen jetzt ein Vorprojekt. Es soll viel detaillierter sein als unser grobes Konzept. Zurzeit klären wir die Finanzierung. Ich bin aber sehr optimistisch, dass sie zustande kommt.

zentralplus: Einen Haken gibt es noch: Der Stadtrat schreibt, teure Infrastrukturprojekte fänden in Luzern zurzeit keine Mehrheiten.

Sonderegger: Die alten Projekte wie die Metro Luzern oder das Parkhaus Musegg waren nicht mehrheitsfähig. Wie es sich mit der Seilbahn verhalten wird, kann niemand seriös beantworten, bevor das Projekt nicht vorliegt. Meine Einschätzung der Stimmung in der Stadt ist, dass Druck da ist. Luzern will sein Car-Problem endlich langfristig lösen.

zentralplus: Woher nehmen Sie Ihren Optimismus?

Sonderegger: Ich bin schon lange dabei. Und wir sind die letzten Privaten, die an einer Lösung arbeiten. Wir geben noch lange nicht auf!

Verwendete Quellen
  • Telefonat mit Roger Sonderegger
  • Konzeptstudie zur «Stadtpassage PLUS»
  • zentralplus Medienarchiv
  • Website der Stadtpassage

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12 Kommentare
  • Profilfoto von Michele
    Michele, 23.01.2024, 16:38 Uhr

    Peinlich! Jahrzehnte Verkehrsplanung für die Katz. Jetzt bekommt Katzenstrecker eine Bedeutung … Dabei wäre eine Lösung so einfach und vor der Nase. Es muss aber eben …

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    Kommentator, 23.01.2024, 13:30 Uhr

    Persönlich finde ich die Diskussion um die so genannte «Car-Problematik», und millionenteure Lösungsansätze wie dafür wie dieser hier immer etwas absurd, wenn man bedenkt: Der Elefant im Raum ist etwas ganz anderes – nämlich der massive Verkehr auf dem Schweizerhofquai. Dieser wird sich auch ohne Cars, mit oder ohne Stadtpassage, Seilbahn oder was auch immer noch kommen wird, kaum verringern. Sollte eine Erhöhung der Aufenthaltsqualität am Schwanenplatz und dem Schweizerhofquai wirklich das Ziel sein, gibt es nur einen Weg: Den Privaten Individualverkehr massiv auf das notwendigste reduzieren. Denn sich nur auf Cars zu fokussieren, wird weder den Verkehr merkbar verflüssigen, noch die Aufenthaltsqualität erhöhen. Ohne ein nachhaltiges Gesamtkonzept ist jede Investition in eine Stadtpassage schlicht und einfach aus dem Fenster geschmissenes Geld.

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  • Profilfoto von Hanspeter Flueckiger
    Hanspeter Flueckiger, 23.01.2024, 12:21 Uhr

    Lösung: Die Stadt baut sich auf der Allmend eine Luzerner Altstadt Miniatur und vermietet die Verkaufsflächen überteuert.

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    Wow, 22.01.2024, 21:13 Uhr

    Mehr als warme Luft kommt da eh nicht raus

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  • Profilfoto von Kurt Metz
    Kurt Metz, 22.01.2024, 14:43 Uhr

    Ein Konzept mit Hand und Fuss. Technisch machbar zu vertretbaren Kosten und in relativ kurzer Zeit. Für Passagiere ab Ibach ein Aussichts-Erlebnis. Für Fahrgäste mit Ziel Spital der kürzeste und bequemste Weg. Mit dieser Lösung setzt Luzern einen neuen Massstab im städtischen ÖV. Weiter so!

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    • Profilfoto von Dunning-Kruger
      Dunning-Kruger, 24.01.2024, 09:45 Uhr

      Vertretbare Kosten?!
      Sie können Sprüche klopfen….

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  • Profilfoto von Setzen, sechs!
    Setzen, sechs!, 22.01.2024, 12:01 Uhr

    Natürlich ist es nicht das Aus der Projektes.
    Die «IG Stadtpassage AG» kann sich, wenn sie die Investoren von der Profitabilität überzeugen können, am Kapitalmarkt Geld für Ihre Idee beschaffen …
    Das dieser Wahn nicht aus Steuergeld finanziert werden wird, erschliesst sich jedem sofort, der sein Oberstübchen zwei Sekunden kalkulieren lässt.

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  • Profilfoto von Baldo
    Baldo, 22.01.2024, 09:51 Uhr

    Wäre an der Zeit, dass etwas geht. Aber die Stadt boykottiert jedes Projekt, wegen den Kosten.
    Nichts ist günstig, aber sie sollten das ganze langfristig betrachten, dann ist es nicht so Teuer. Abgesehen davon, dass jedes Jahr für viel unnütz Geld verschwendet wird. Die ewigen Ablehnungen, sei es von umfahrungen, Verkehrsverbesserung oder jetzt diese Passage, wird sich rächen, irgendwann in nicht so langer Zeit,wird es ein Zusammenbruch geben, die Vorzeichen sind da, aber leider wird es ignoriert.

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    • Profilfoto von Die neue Sachlichkeit
      Die neue Sachlichkeit, 22.01.2024, 10:14 Uhr

      Verhältnismässige, zumutbare, realistische, mehrheitsfähige, wohldimensionierte und damit bezahlbare Richtungen einschlagen und es hellt sich hinsichtlich Umsetzung sofort auf.
      Solange man aber bei den Initianten in erster Linie auf unbezahlbare Gigantomanie setzt, einfach nicht hören, sondern fühlen will, ist Eiszeit angesagt. Da ist es sogar schwer kontraproduktiv von trotzigem «Boykott» zu sprechen. Die Entscheide fallen an der Urne – und das ist gut so. Ob das primär pässlich erscheint oder nicht, ist nicht von Belangen. Auch wenn das einigen nicht passen dürfte.

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  • Profilfoto von Sascha
    Sascha, 22.01.2024, 08:34 Uhr

    Mein Wunsch an die Initianten: dran bleiben und sich nicht von technokratischen Ablenkungsmanövern beinflussen lassen.
    Ich glaube schon, dass die Stadtluzerner Bevölkerung im Vergleich zur Exekutive und der Verwaltung im Stadthaus Mut für Visionen hat.

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    • Profilfoto von Die neue Sachlichkeit
      Die neue Sachlichkeit, 22.01.2024, 11:32 Uhr

      Überzogen teuer als Merkmal ist noch lange keine Vision!

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  • Profilfoto von Hans Hafen
    Hans Hafen, 22.01.2024, 08:30 Uhr

    Sonderegger sonderbar.

    Seilbahn, Tunnels, Passagen, Metro.
    Der einzige und alleinige Treiber bei dieser Art Projekten ist: So teuer wie irgend möglich.
    So tief wie irgend möglich in den Säckel der öffentlichen Mittel hineingreifen und das Optimum dort herausholen (nicht für den Zahler). Und es dem dummen August noch als den grossen Wurf, die beste aller Möglichkeiten verkaufen, unterjubeln. Dann und wann noch als supidupi PPP etikettieren – aber mit den Vorteilen für die Öffentlichkeit selbstredend. Nicht etwa bei den Privatiers. Nein, alles falsch.
    Gottlob kann der Souverän der Stadt Luzern diese Augenwischerei, diese PR-Anflüge zwischenzeitlich zielsicher erkennen und dann an der Urne mit Verve versenken.

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