«Wir wollen nicht abgehängt werden»

Luzerner Durchgangsbahnhof: Eine Etappierung rückt näher

So soll der Durchgangsbahnhof dereinst aussehen. (Bild: SBB)

Es verdichten sich die Anzeichen, dass der Luzerner Durchgangsbahnhof statt aus einem Guss in mehreren Etappen gebaut wird. Der Luzerner Regierung passt das nicht.

Noch selten hat eine Pressekonferenz in Luzern so viele Journalisten angezogen. Rund 20 Medienvertreter liessen sich am Mittwochvormittag über den neuesten Stand der Dinge zum geplanten Luzerner Durchgangsbahnhof (DBL) informieren. Die Verantwortlichen – die SBB, das Bundesamt für Verkehr (BAV), der Kanton sowie die Stadt Luzern – äusserten sich aufgrund des Vorprojekts zum Milliardenprojekt. Dieses ist nun abgeschlossen.

Dabei interessierte vor allem, wie es mit dem Durchgangsbahnhof weitergeht: Wird er in Etappen finanziert und realisiert oder aus einem Guss? Diese Frage trieb zuletzt Bundespolitiker um (zentralplus berichtete). Sie befürchten Verzögerungen, sollten die drei Hauptabschnitte Dreilindentunnel, Tiefbahnhof und Neustadttunnel separat finanziert und gebaut werden. BAV-Vizedirektorin Anna Barbara Remund sprach an der Pressekonferenz immer wieder von Etappen des Projekts. Der Vorschlag für eine erste Etappe soll in der Botschaft 2026 des Bundesrats an das Parlament enthalten sein, sagte sie.

Die drei Hauptprojekte. Karte: SBB

Fabian Peter will alles «aus einem Guss»

Das ist wie erwähnt genau das, was Zentralschweizer Politiker verhindern wollen. Der Luzerner Baudirektor Fabian Peter führte kurz darauf aus, der Kanton Luzern erwarte, dass die Projektierung und Finanzierung «aus einem Guss kommen». Und damit die Garantie, dass der Durchgangsbahnhof als Ganzes realisiert wird.

Peter hält ein solches Szenario nach wie vor für realistisch, trotz anders lautender Erklärungen des Bundesamts für Verkehr. «Vom Tisch ist noch gar nichts», sagte er darauf angesprochen. «Das letzte Wort hat das Parlament. Es wird unser Bestreben sein, dieses Ziel zu erreichen.» Gleichzeitig betonte er, der Kanton wolle vom Bund schlicht eine «Sicherheit, dass das Projekt als Ganzes realisiert wird. Wenn dann allenfalls mit der Finanzierung 2026 ein erster grosser Teil gesprochen wird und der Rest später, geht das auch.»

Seit 50 Jahren wartet die Zentralschweiz

Regierungsrat Peter hielt an der Pressekonferenz fest, die ganze Zentralschweiz stehe zusammen für den Durchgangsbahnhof Luzern. «Die Region wartet seit 50 Jahren auf dringend notwendige Ausbauten. Es wird jetzt Zeit, die Zentralschweiz will nicht abgehängt werden.»

So soll der Durchgangsbahnhof dereinst aussehen.
Das heutige Untergeschoss wird ebenfalls neu. Visualisierung: SBB (Bild: SBB)

Erwähnt wurde beim Treffen auch der weitere Fahrplan. Die SBB würden nun im Auftrag des Bundesamts für Verkehr (BAV) mögliche Realisierungsabfolgen für das Grossprojekt abklären, die Ergebnisse sollen bis Ende dieses Jahres vorliegen. Daraufhin werde über die nächsten Projektschritte entschieden.

Die BAV-Vizedirektorin Anna Barbara Remund zeigte sich optimistisch, dass der Bundesrat dem Parlament 2026 ein «weit fortgeschrittenes Projekt wird vorlegen können». Das Bau- und Auflageprojekt, das nun startet, wird zusammen mit dem Plangenehmigungsverfahren voraussichtlich 7 bis 8 Jahre dauern. Der Bau danach zwischen 11 und 13 Jahren.

Schweizweite Neuheit für den Tunnel unter dem Seebecken

Gleichzeitig gaben die SBB neue Details zum Projekt bekannt. Die Schätzungen gehen mittlerweile von Kosten von 3,3 Milliarden Franken aus, früher waren es noch 2,5 Milliarden gewesen. Das habe mit der Teuerung zu tun und mit Projektanpassungen, etwa der Verlängerung des Neustadttunnels um 200 Meter, erklärte SBB-Gesamtprojektleiter Massimo Guglielmetti.

Er erklärte weiter, wie die 3,8 Kilometer lange unterirdische Verbindung zwischen Ebikon und dem Durchgangsbahnhof zustande kommen soll. Es sei ein Absenkungstunnel unter dem Seebecken geplant. Fünf vorgefertigte Elemente der Tunnelröhre sollen in den Grund des Vierwaldstättersees abgesenkt werden.

Dadurch sei es nicht nötig, das Seebecken abschnittweise trocken zu legen, wie das ursprünglich geplant gewesen sei. So wiederum würden Landschaft und Umwelt weniger beeinträchtigt. «Dieses Bauverfahren wurde in der Schweiz bisher noch nie angewendet.»

Verwendete Quellen
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