Verkehr & Mobilität

Y-Lösung am Pilatusplatz Luzern ist tot
«Rückschritt» im Verkehr? Kanton wehrt sich gegen Kritik

  • Lesezeit: 4 min
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Beim Pilatusplatz wird über eine neue Verkehrsführung diskutiert. Doch das Projekt stockt. (Bild: Emanuel Ammon / Kanton Luzern)

Der Kanton versenkt zwei Grossprojekte im Verkehr innert weniger Tage und argumentiert, er handle weitsichtig. Das sehen in der nicht alle so.

Zuerst die neuen Busperrons am Bahnhof Luzern, jetzt die Y-Lösung am . Innert weniger Tage streicht der Kanton Luzern gleich zwei Grossprojekte (zentralplus berichtete). Die ist ins Stocken geraten.

Das sieht zumindest die SP der so. «Rückschritt statt Fortschritt in der Luzerner Mobilitätspolitik». So lautet der Titel einer Medienmitteilung der Partei. Sie ist eine Reaktion auf die Ankündigung des Kantons, mit der Planung der Neugestaltung des Pilatusplatzes von vorne anzufangen.

Die Partei nehme diesen Entscheid mit Erstaunen und wenig Verständnis zur Kenntnis. «Dadurch werden nicht nur die Erreichung der Mobilitätsziele, Lebensqualität und Verkehrssicherheit verschlechtert, sondern der Aufwand führt überdies zu hohen Kosten», heisst es in der Mitteilung weiter. Zur Erinnerung: Die sistierte Planung der Durchmesserperrons am Bahnhof Luzern kosteten den Kanton bislang über 600’000 Franken (zentralplus berichtete).

Kanton Luzern will weitsichtig handeln

Der Kanton sieht das anders. Dass der Entscheid am Pilatusplatz ein Rückschritt sei, stimme nicht. «Im Gegenteil», betont Kantonsingenieur Gregor Schwegler auf Anfrage. «Wir haben durch die bisherige Planung viele Erkenntnisse gewonnen. Aber wir wollen diesen zentralen Mobilitätsknoten gesamtheitlich und nicht nur punktuell planen.»

So hätte die neue Verkehrsführung am Pilatusplatz ausgesehen: Der Verkehr würde nicht mehr über die Obergrundstrasse (gelb markiert), sondern über den Hallwilerweg (grüne Pfeile) führen. (Bild: zvg)

Mit dem Bau des Durchgangsbahnhofs und der neuen Mobilitätsstrategie Zumolu des Kantons ändert sich der Verkehr in Luzern in den nächsten Jahren grundlegend. Der öffentliche Verkehr wächst, die Zahl der Autos nimmt ab und der Veloverkehr beansprucht mehr Platz. Das hat nicht zuletzt die Velo-Abstimmung in Luzern am letzten Sonntag untermauert.

«Wir müssen die Planung nochmals aufmachen und grossräumiger denken, um langfristig gute Lösungen zu finden.»

Gregor Schwegler, Kantonsingenieur Luzern

Im Herbst erwartet Gregor Schwegler aktuelle Verkehrszahlen und -prognosen aus der Gesamtverkehrsstudie zum Durchgangsbahnhof. Der Zumolu-Bericht wird noch dieses Jahr im Kantonsrat debattiert. All diese Veränderungen und neuen Grundlagen will der Kanton bei der Planung des neuen Pilatusplatzes berücksichtigen und einbinden. «Ich kann die Ungeduld in der Stadt verstehen», räumt Schwegler ein. «Aber wir müssen die Planung nochmals aufmachen und grossräumiger denken, um langfristig gute Lösungen zu finden.»

Es braucht Geduld

Für die Stadtbevölkerung wird der Pilatusplatz aber zweifellos zur Geduldsprobe. Der Kanton will gemeinsam mit der Stadt Luzern bis Anfang des nächsten Jahres eine neue Testplanung lancieren. Definitiv ist dieser Entscheid aber noch nicht. Die Planung würde rund 1,5 Jahre dauern. Über den Zeitplan darüber hinaus wagt sich Schwegler nicht auf die Äste hinaus.

«Mit einer neuen Testplanung bleibt der Pilatusplatz mindestens die nächsten zehn Jahre unverändert.»

Roger Schürmann, Tiefbauamt Stadt Luzern

Anders ist die Situation für die Stadt Luzern, die direkt vom überlasteten Pilatusplatz betroffen ist. Hier zeigte man sich vor wenigen Monaten noch überzeugt von der Y-Lösung (zentralplus berichtete). Roger Schürmann vom Tiefbauamt kann den Entscheid des Kantons dennoch nachvollziehen: «Entweder man macht jetzt etwas mit Hängen und Würgen. Oder man geht nochmals über die Bücher und plant eine gute Lösung, die für die nächsten 50 bis 100 Jahre Bestand hat.»

Stadt Luzern bedauert Verzögerung

Gleichzeitig bedauert er die damit verbundene Verzögerung: «Mit einer neuen Testplanung bleibt der Pilatusplatz mindestens die nächsten zehn Jahre unverändert. Schade ist, dass dadurch die aktuellen Schwachstellen des Platzes weiterhin bestehen.» Schürmann bezieht sich dabei vor allem auf die viel frequentierten Bushaltestellen, die nicht behindertengerecht sind. Sowie auf gewisse Fussgängerstreifen, die optimiert werden sollen.

«Die Verzögerung ist der grösste Wermutstropfen», fasst Schürmann zusammen. «Aber in einer Gesamtbetrachtung ist der nun getroffene Entscheid richtig.»

Die Stadt prüft nun gemeinsam mit dem Kanton, ob es an diesen Stellen Sofortmassnahmen braucht, die im Gesamtprojekt vorgezogen werden können. Darüber hinaus brauchen die Luzernerinnen noch viele Jahre Geduld, bis das Verkehrssystem in der Stadt grundlegend überarbeitet wird. Ein schwacher Trost: Auch Rom wurde bekanntlich nicht an einem Tag erbaut.

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2 Kommentare
  1. Bea, 22.05.2022, 10:18 Uhr

    Die Verkehrsplanung muss gesamthaft mit ÖV, Metro, Durchgangsbahnhof betrachtet und geplant werden. Verkehr in der Stadt minimieren heisst, Top Angebot von der Peripherie in die Stadt, sei es eine Metro. Dadurch lässt sich auch ev eine ganz andere , bessere Variante mit dem Durchgangsbahnhof realisieren.

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  2. Philipp, 19.05.2022, 18:43 Uhr

    Ja genau. Die Zahl der Autos nimmt ab. Wer’s glaubt wird selig. Stellt euch endlich der Realität.

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