Ungenützte Veloparkplätze

«Peinliches Bauwerk»: Linker zieht Zug die Hosen runter

Diese Anlage verfehlt gemäss Luzian Franzini augenscheinlich ihren Zweck. (Bild: zvg)

Vor dem Zuger Verwaltungsgebäude an der Aa gibt es eine Veloabstellanlage, die Schrott ist. Das findet ein Zuger Kantonsrat, der sich die Sache näher angeschaut hat.

Veloabstellplätze als «Schildbürgerstreich» zu bezeichnen, erwartet man nicht von einem Linken. Gemäss Wörterbuch ist das nämlich eine «dumme Handlung, deren Absicht nicht funktioniert oder deren Zweck komplett verfehlt wird». Doch besagte Bezeichnung stammt von Luzian Franzini, Kantonsrat und Co-Präsident der Alternative – die Grünen (ALG). Er bezieht sich dabei auf ein Projekt des Kantons, das wohl gehörig in die Hose gegangen ist.

Die Rede ist von einer Veloparkieranlage vor dem kantonalen Verwaltungsgebäude an der Aa, die seit Anfang April zur Verfügung steht. Die doppelstöckigen Ständer sind für 108 Velos ausgerichtet. Schade nur, dass viele der Stellplätze gar nicht erreichbar sind. Beobachtet zumindest Franzini, der dazu eine kleine Anfrage an die Regierung gestellt hat.

Veloabstellanlage hat reihenweise Mankos

«Die beiden oberen Stockwerke der Anlage sind gar nicht nutzbar», stellt er darin fest. Die beiden Ständerelemente seien zu nahe aneinander gebaut. Dazu hat er Beweisbilder beigelegt. Darauf zu sehen ist ein Velo, das in der oberen Etage der Anlage parkiert werden soll, aber nicht einmal in den Zwischengang passt.

Auch Velofahrerinnen, die einen der 54 unteren Stellplätze nutzen wollen, haben es nicht besser. Sie müssten mit der Gefahr leben, sich den Kopf anzuschlagen, schreibt der Velofan. Ausserdem seien die Fahrräder ungeschützt. Denn das Dach gegen Schnee und Regen sei viel zu hoch angebracht und habe Lücken.

Eigentlich soll das Velo in den oberen Stock. (Bild: zvg)

Apropos Schnee: «Die Anlage lässt sich im Winter wegen des ungeeigneten Untergrunds wohl nur mit grosser Mühe vom Schnee befreien», befürchtet Franzini. Denn der Kanton hat sich für Kies entschieden. Ausserdem hätten die Planer ignoriert, dass schwere E-Bikes sehr populär sind, kritisiert der Kantonsrat. Sie in den oberen Stock der Anlage zu hieven, sei kaum möglich.

Neben den Projektkosten und den Gründen für die Planungsfehler, erfragt der Politiker in seinem Vorstoss polemisch: «Wurde bei der Bewilligung der Anlage jemand beigezogen, der selbst ein Fahrrad benützt?» Ausserdem zitiert er eine Bundesnorm, nach der ein solcher Zwischengang mindestens 2,5 Meter breit sein müsste. Die gesamte Anlage sei schlicht ein «peinliches Bauwerk».

Nicht die erste Fehlplanung in der Stadt Zug

Wegen Ferienabwesenheit kann sich die Baudirektion nicht dazu äussern, wie sie auf Anfrage schreibt. In der Regel werden Vorstösse vor der Beantwortung durch die Regierung ohnehin nicht kommentiert. Auch örtliche Veloverbände waren für eine Stellungnahme zur Veloabstellanlage nicht zu erreichen. Luzian Franzini ist im Vorstand des Zuger Regionalverbands von Pro Velo Schweiz.

Die Farce lässt an einen ähnlichen Fall denken, der kürzlich in Zug bekannt wurde. Für 68’000 Franken hat die Stadt Zug auf dem Spielplatz Rigiplatz einen Schattenpavillon errichtet – mit reichlich Spalten im Dach. Als es Kritik am fehlenden Schatten gab, reagierte die Stadt mit Argumenten wie «Regendurchlässigkeit und Durchlüftung» (zentralplus berichtete).

Doch auch die Bevölkerung störte sich am löchrigen Schattendach. Jetzt prüft die Stadt, wie sie mehr Schatten unter den neu gebauten Schattenpavillon kriegt. Ob sich der Kanton bei der Stadt Tipps holen sollte, wie man solche Fehlplanungen gut kommuniziert? Wohl besser nicht.

Verwendete Quellen
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