Umfahrungstunnel ist auf Prioritätenliste

Ob kurz, mittel oder lang: Die Ägerer wollen einen Tunnel

Hier, in Neuägeri, könnte die Strasse künftig in den Berg führen. Ägerer wie Peter Letter würde das freuen. Den Regierungsrat weniger.

Unterägeri ist verkehrstechnisch ein Nadelöhr. Es ist davon auszugehen, dass sich die Situation in Zukunft zusätzlich verschärft. Politiker forderten den Regierungsrat darum auf, bezüglich Umfahrungstunnel vorwärts zu machen. Und dieser? Gibt Gas.

Wer heute mit dem Auto von Zug ins Ägerital oder nach Sattel will, der fährt mitten durchs beschauliche Dorf Unterägeri. Entsprechend spürbar ist die Verkehrsbelastung dort.

FDP-Kantonsrat Petter Letter sagt dazu: «Schon heute stockt der Verkehr morgens und abends. Es ist anzunehmen, dass sich das Problem künftig noch verschärft. Etwa, wenn die Bauarbeiten beim Schmittli-Nidfuren fertig sind. Dazu kommt, dass man in den Ägerer Gemeinden mit einem Bevölkerungswachstum rechnet, was wiederum zu mehr Verkehr führt.»

Umfahrungstunnel für Unterägeri

In Unterägeri zeigt sich eine ähnliche Situation wie in der Stadt Zug. Dadurch, dass das Dorf zwischen Hang und See liegt, bildet sich ein Nadelöhr, durch das sich der Verkehr täglich quälen muss. Eine Lösung, welche schon seit Jahrzehnten in den Untiefen des Richtplans verstaubt, ist jene eines Umfahrungstunnels für die Gemeinde Unterägeri. «Dass dieses Tunnelprojekt, gerade in Konstellation mit dem abgelehnten Zuger Stadttunnel, in der Priorität nach hinten gerückt ist, ist nachvollziehbar», sagt Letter.

«Auf lange Sicht jedoch müsste dieses Thema, genau so wie das Projekt Zuger Stadttunnel, wieder aufgenommen werden.» Er gibt zu bedenken, dass mittlerweile viele Schweizer Bergdörfer umfahren werden. «Für die Zukunft sehe ich in dieser Möglichkeit auch für Ägeri den Schlüssel.»

Ein Vorstoss, der ungewöhnlich rasch seine Wirkung zeigte

Vergangenen Dezember hat Letter darum, gemeinsam mit seinem Parteikollegen Markus Spörri, ein Postulat im Kantonsrat eingereicht. Zweck: Der Regierungsrat soll beim Thema Umfahrungstunnel Unterägeri vorwärts machen. Mit Ausnahme von ALG-Rätin Mariann Hess haben alle zehn Kantonsräte aus dem Ägerital den Vorstoss unterschrieben.

Die Postulanten wurden gehört. «Der Regierungsrat hat sehr schnell und positiv reagiert. Dies, obwohl er eigentlich ein Jahr Zeit gehabt hätte, den Ball aufzunehmen. Das ist ein sehr positives Signal», so Letter.

Nun ist die Umfahrung zuoberst auf der Prioritätenliste

Aktuell findet eine öffentliche Mitwirkung zur Anpassung des kantonalen Richtplans statt, in welcher neben einem «einfachen Zuger Zentrumstunnel» auch die Umfahrung Ägeri priorisiert wird. «Je nach Ausgang der Mitwirkung, werden diese beiden Projekte ins Mobilitätskonzept integriert und gemeinsam mit diesem im November dem Kantonsrat zu Behandlung überwiesen», schreibt die Baudirektion zum weiteren Vorgehen.

Naturgemäss hat auch die Gemeinde Unterägeri ein grosses Interesse an einer Umfahrung. Dies nicht zuletzt, da sich nur so das Dorfzentrum aufwerten lasse. Die Gemeinde forderte vom Kanton deshalb ein rasches Vorgehen und zudem, dass der Variantenentscheid zur Umfahrung möglichst schnell getroffen werde.

Denn Tunnel ist nicht gleich Tunnel, wie folgender Plan aufzeigt:

Mehrere Möglichkeiten führen nach Oberägeri. Der Regierungsrat liebäugelt mit der Variante 10a. (Bild: zvg)

Rot markiert erkennt man die Variante 10, einem längeren Tunnelprojekt, welches von Neuägeri bis zum Parkplatz beim Theresiaheim führen würde.

Aus N wurde N+, der Umwelt zuliebe

Daneben existiert auch die Variante N+. Es handelt sich dabei um eine überarbeitete Variante von «N». Die vorgängigen Pläne gerieten bezüglich Natur- und Heimatschutz in die Kritik. N+ beeinträchtige die Landschaft nur noch leicht, heisst es im raumplanerischen Bericht. Kostenpunkt der Lang-Variante N+: 400 Millionen Franken.

Die längeren Tunnel-Varianten auf einen Blick. Der Regierungsrat zieht die grüne Lösung vor. (Bild: zvg)

Etwas weniger lang wäre Variante 10a, bei dem ein Tunnel nach der Spinnerei Unterägeri in den Berg führen würde. Diese Variante gefällt dem Regierungsrat besonders. Nicht zuletzt, weil sie mit «nur» 310 Millionen Franken günstiger ist als die Lang-Variante N+.

«Mir ist letztlich wichtig, dass eine verkehrstechnisch sinnvolle Lösung entsteht.»

Peter Letter, Zuger FDP-Kantonsrat

Bei Variante 11 (erster Plan, hellblau) würde die Umfahrungsstrasse erst kurz vor dem Zentrum in einen Tunnel führen. Dieser mündet Mitte Dorf in einem unterirdischen Kreisel, über den Autofahrer entweder in Richtung Migros, oder weiter via Tunnel in Richtung Oberägeri fahren können. Gegen diese Pläne wehrte sich die Gemeinde stark, unter anderem, weil sie einer Attraktivitätssteigerung im Zentrum entgegen stehe. Diese Möglichkeit schlägt mit 350 Millionen Franken zu Buche.

Peter Letter sieht die Frage nach der umgesetzten Variante im Moment als zweitrangig. «Mir ist letztlich wichtig, dass eine verkehrstechnisch sinnvolle Lösung entsteht. Es ist nun Aufgabe des Kantons, dem Kantonsrat eine entsprechende Variante zu unterbreiten.» Und Letter weiter: «Wir sollten uns nicht wegen der verschiedenen Varianten aufreiben.»

Ein Postulat dient als Mahnfinger

SVP-Kantonsrat Thomas Werner sieht die Sache im Grundsatz ähnlich wie Peter Letter. Dennoch plant er, gemeinsam mit seiner Parteikollegin Esther Monney-Rogenmoser, ein Postulat bezüglich ebendieser Varianten. Dieses soll an der kommenden Kantonsratssitzung eingereicht werden. Werner dazu: «Der Gemeinderat von Unterägeri hat die möglichen Varianten letzthin sämtlichen Parteien vorgestellt. Ausnahmslos alle, die über Ortskenntnisse verfügen, wissen, dass die Kurzvariante 10a nicht praktikabel ist.»

Das Postulat soll sicherstellen, dass die Variante N+ weiterverfolgt wird. «Der Gemeinderat Unterägeri hat sich in der Vergangenheit für die Variante 10a ausgesprochen. Wir möchten sichergehen, dass die Variante N+ deshalb nicht plötzlich durch die Regierung rausgekippt wird. Denn: Die meisten Unterägerer wollen diese Kurzvariante nicht und sprechen sich für die lange aus», so Thomas Werner.

Ob kurz, lang oder mittel: Gemäss der aktuellen Planung rechnet die Zuger Baudirektion damit, dass ein Baubeginn vor 2035 möglich ist.

Verwendete Quellen
  • Gemeindenachrichten Unterägeri März 2022
  • Telefonat mit Peter Letter
  • Telefonat mit Thomas Werner
  • Schriftlicher Austausch mit der Zuger Baudirektion
  • Zuger Richtplan
  • Medienmitteilungen der Baudirektion
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