Busachse im Osten des Bahnhofs

Neuer Bushof am Bahnhof Luzern wird ÖV auf den Kopf stellen

Der Bahnhofplatz ist der zentrale Knoten im Luzerner Busnetz. (Bild: ewi)

Ein neuer Bushof im Osten des Bahnhofs soll den Luzerner Busverkehr entlasten. Das zeigt eine Studie des Verkehrsverbunds Luzern. Mit dem neuen Bushof ergeben sich für den ÖV ganz neue Möglichkeiten.

Der Durchgangsbahnhof (DBL) ist in Luzern das dominierende Verkehrsthema – seit Monaten und Jahren. Zwar ist heute noch unklar, ob, wann und wie der DBL umgesetzt wird. Klar ist hingegen, dass der DBL den ÖV in Luzern in gänzlich neue Sphären katapultieren wird.

Das gilt aber nicht nur für den Zug-, sondern auch für den Busverkehr. Doch in welche Richtung sich der Busverkehr während der Bauphase des DBL und vor allem nach der Fertigstellung des Projekts entwickeln soll, war bislang unbekannt. Darum hat der Verkehrsverbund Luzern (VVL) eine Studie erarbeitet, welche die Zukunft des Luzerner Busverkehrs skizziert.

Neuer Bushof im Osten soll ÖV-Ausbau ermöglichen

Die Studie kommt zum Schluss, dass ein Ausbau des öffentlichen Verkehrs nur möglich ist, wenn das bestehende Liniennetz in der Stadt und der Agglomeration auf den Kopf gestellt wird. Und zentrales Element dieser Neuorganisation ist ein neuer Bushof, der im Osten des Bahnhofs erstellt werden soll.

Die Stadt Luzern hat im Rahmen einer Testplanung schon aufgezeigt, dass mit dem DBL zwei neue Bahnhofplätze im Westen und Osten des Bahnhofs entstehen könnten (zentralplus berichtete). Nun hat der VVL diese Ideen konkretisiert. Ein Bushof im Westen in der Zentralstrasse ist demnach «nice to have». Ein Bushof im Osten hingegen unabdingbar.

Auf der Ostseite des Bahnhofs sollen künftig Busse anhalten und durchfahren. (Bild: ewi)

Mit dem DBL wird sich der Bahnhof Luzern deutlich verändern. Damit verändern sich auch die Bedingungen für das Busnetz. Die Studie kommt zum Schluss, dass sowohl die Busachse Ost als auch der Bushof Ost «eine zentrale Voraussetzung für einen leistungsfähigen und reibungslosen ÖV-Betrieb sind.»

VVL will Pilatusstrasse und Bahnhofplatz entlasten

Heute ist der Bahnhof Luzern der zentrale Knoten im Bussystem. Fast alle Buslinien in der Stadt und der Agglomeration fahren über den Bahnhofplatz oder wenden dort. Künftig will der VVL zusätzliche Durchmesserlinien in Betrieb nehmen. Das sind Linien, die am Bahnhof halten und dann in die gleiche Richtung weiterfahren. Heute jedoch bedeutet der Bahnhof für die meisten Linien Endstation.

«Aus ÖV-Sicht ist die Busachse Bahnhof Ost zwingend erforderlich.»

Studie Bus 2040

Gleichzeitig fahren alle Busse über dieselben Achsen in Richtung Bahnhof. Busse aus Richtung Süden kommen über die Pilatusstrasse, Busse aus dem Norden über die Seebrücke. Während die Möglichkeiten, Linien neu zu ziehen, im Norden wegen des Sees limitiert sind, besteht im Süden unausgeschöpftes Potential. Mit der Zentralstrasse oder eben der Ostseite des Bahnhofs bestehen alternative Routen, um die Pilatusstrasse zu entlasten.

In der Studie steht: «Eine Busachse Bahnhof Ost bietet die notwendige Voraussetzung und Flexibilität für Liniendurchbindungen am Bahnhof Luzern, indem über die Pilatusstrasse zulaufende Linien mit Linien via neue Busachse Bahnhof Ost durchgebunden werden können. Damit liesse sich auch der Platzbedarf für Haltestellen auf dem Bahnhofplatz Nord minimieren.»

So könnten die Busse künftig zum Bahnhof fahren

Wie also könnte der Luzerner Busverkehr künftig aussehen? Aus Richtung Süden würden künftig die Buslinien 4, 7 und 21 über diese östliche Busachse fahren. Alle diese Linien fahren heute über die Hirschmatt- und Pilatusstrasse. Während der Bauphase des DBL soll die Zufahrt zum Bushof Ost neu über die Werkhof- und Landenbergstrasse im Tribschenquartier und dann über den Inseliquai erfolgen. Nach dem Bau des DBL soll die Busachse Ost über die verlängerte Bürgenstrasse laufen.

So soll der Bushof Ost mittel- und langfristig erschlossen werden. (Bild: Studie Bus 2040)

Der genaue Standort des Bushofs ist noch unklar. In der Testplanung der Stadt Luzern wurde er auf der Ostseite des Bahnhofs, ungefähr auf Höhe des Universitätsgebäudes geplant. Luzia Frei, Mediensprecherin beim VVL, sagt dazu: «Konkretere Untersuchungen sind Gegenstand von künftigen Planungen und werden durch die Stadt Luzern durchgeführt.»

Vom Bushof Ost würde die Linie 7 wie bisher weiter über die Seebrücke in Richtung Unterlöchli fahren. Die Linie 4 wird zu einer neuen Durchmesserlinie und fährt über die Pilatusstrasse weiter in Richtung Pilatusplatz und von dort bis nach Ruopigen. So soll dieser Stadtteil besser an den öffentlichen Verkehr angeschlossen werden. Im Süden endet die Linie 4 heute bei der Haltestelle Hubelmatt. Künftig soll die Linie bis zum Bahnhof Mattenhof in Kriens verlängert werden und so eine dezentrale Anbindung an die S-Bahn herstellen.

Neue Kapazitäten für neue Linien

Mit der Verlagerung dieser Linien auf die Ostseite des Bahnhofs werden auf dem heutigen Bahnhofplatz neue Kapazitäten frei. Diese will der VVL für weitere Durchmesserlinien nutzen. Bereits bekannt sind die Pläne für die neue Buslinie 3 zwischen Littau und dem Würzenbach. Ebenfalls bekannt ist die Verlegung der Linie 8, welche heute zwischen dem Würzenbach und Hirtenhof verkehrt. Künftig wird der «8er» vom Hirtenhof über den Bahnhof und das Kantonsspital bis zur Sprengi nach Emmenbrücke fahren.

Auf diesen Durchmesserlinien fahren künftig und teilweise schon heute die weissen «RBusse». (Bild: Studie Bus 2040)

Die Linie 2 zwischen Bahnhof Luzern und Emmenbrücke Sprengi wird dafür aufgehoben. Die heutigen Durchmesserlinien 1, 6 und 14 bleiben bestehen.

Diese Durchmesserlinien plant der VVL. (Bild: Studie Bus 2040)

Eine weitere Durchmesserlinie plant der VVL durch die Verknüpfung der Linien 20 und 24. Künftig wird die Linie 20 von Ennethorw über den Bahnhof Luzern bis nach Meggen und Tschädigen fahren.

Dem Inseli droht neuer Verkehr

Die Studie zählt nicht nur die Verknüpfung verschiedener Linien als Vorteile für den Bushof Ost auf. Als weiterer Vorteil eines neuen Bushofs im Osten zählt der VVL eine Verteilung der Passagierströme am Bahnhof Luzern auf. Es ergeben sich zudem städtebauliche Chancen. «Die Busachse Ost eignet sich zusammen mit Veloverkehr als städtischer Boulevard und ist kompatibel mit der geplanten Stadtentwicklung in diesem Gebiet», heisst es in der Studie.

Ob das auch für die kurzfristige Verkehrsführung der neuen Busachse über den Inseliquai zutrifft, ist jedoch fraglich. Schliesslich wurde das Inseli erst vor kurzem endlich carfrei und soll nun zum schon vor vielen Jahren geforderten Grünraum werden. Wenn über den Inseliquai täglich drei Buslinien im Minutentakt fahren, schmälert das womöglich die Attraktivität dieses Freiraums. Luzia Frei vom VVL teilt diese Bedenken nicht: «Der VVL geht davon aus, dass der Inseliquai als Strasse weiterhin befahren werden kann und der Grünraum im Bereich des heutigen Carparkplatzes realisiert wird. In jedem Fall sind die beiden Projekte aufeinander abzustimmen.»

VVL muss sich beeilen

Noch besteht der Bushof Ost nur als Idee. Für den Verbund ist aber klar, dass es das Projekt braucht. «Aus ÖV-Sicht ist die Busachse Bahnhof Ost zwingend erforderlich zur Minimierung der Anzahl endender bzw. wendender Buslinien im Raum Bahnhof.» Der VVL hat darum eine entsprechende Machbarkeitsstudie geplant. Zu viel Zeit kann er sich dafür aber nicht nehmen, denn die Uhr tickt. «Die Busachse Bahnhof Ost ist schon während der Bauphase DBL mit eingeschränkten Halte- und Wendemöglichkeiten in provisorischer Linienführung via Inselquai erforderlich.»

Angaben zu den Kosten macht die Studie keine. In der Studie heisst es dazu nur: «Die skizzierten Massnahmen haben ihren Preis.» Nebst Ausgaben für die neue Infrastruktur kommen zusätzliche Betriebskosten wegen des grösseren Angebots hinzu. Gleichzeitig steigen auch die Einnahmen aufgrund der höheren Nachfrage. Ob diese Rechnung wirklich so aufgeht, führt die Studie nicht weiter aus.

Verwendete Quellen
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