Verkehr & Mobilität
Studie beobachtet Fahrverhalten

Luzerner Velofahrer können Kreisel – abhängig vom Tag

Er macht es richtig und fährt mit dem Velo in der Mitte des Kreisels. (Bild: )

Die Suva hat untersucht, ob Luzerner Velofahrerinnen im Kreisel richtig fahren. Das Fazit: Die Velofahrer sind lernfähig, nehmen es je nach Wochentag aber nicht so genau mit der korrekten Fahrweise.

Verkehrsunterricht ist seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil im Lehrplan der Primarstufe. Der Fokus liegt auf dem Fuss- und Veloverkehr, schliesslich sind die Schülerinnen in diesem Alter ja noch nicht mit dem Auto unterwegs. Der krönende Abschluss dieser Ausbildung ist die Velo-Prüfung, sozusagen die Feuertaufe für die Kinder, um künftig alleine auf zwei Rädern durch die Strassen Luzerns zu flitzen.

In dieser Ausbildung lernt jedes Kind in aller Deutlichkeit: Mit dem Velo fährt man im Kreisel in der Mitte der Spur. So können Autos nicht überholen und die Velos werden bei der Kreiselausfahrt nicht abgedrängt. So zumindest die Theorie. Die Praxis hingegen zeigt ein anderes Bild.

Luzerner Kreisel sind gefährlich

Velofahrer tun sich schwer im Kreisel. Gemäss Zahlen der Suva ist bei jedem dritten Unfall in einem Kreisel ein Velo involviert. Doch nur in vier Prozent dieser Fälle ist das betroffene Velo Hauptverursacher. Auch ein Blick auf Luzerns Strassen zeigt: Kreisel sind für Velos eine Herausforderung, teilweise auch eine Gefahr. In der Stadt Luzern gibt es sieben Stellen, an denen es überdurchschnittlich oft zu Velounfällen kommt. Darunter der Kreisel am Kreuzstutz sowie der Bundesplatz (zentralplus berichtete).

Für die Suva ein Grund zum Handeln. Gemeinsam mit der Stadt Luzern und dem Unternehmen Swisstrafic hat sie im vergangenen Jahr ein Pilotprojekt lanciert, in welchem das Fahrverhalten von Velos in drei Kreiseln in der Stadt Luzern analysiert wurde: dem Kreisel Waldegg in Richtung Horw, dem Rösslimatt-Kreisel vor dem Suva-Gebäude sowie dem Rengg-Kreisel am Dorfausgang in Littau.

Die Velofahrten durch den Kreisel wurden mit Kameras aufgezeichnet und ausgewertet. Insgesamt fanden zwischen April und September 2021 drei Beobachtungen statt, jeweils während einer Woche. Insgesamt wurden so rund 10'000 Fahrten aufgezeichnet. Dazwischen machte die Suva mit einer Kommunikationskampagne auf die korrekte Fahrweise im Kreisel aufmerksam.

Nun liegen die Ergebnisse der Studie vor. Mit teils erstaunlichen Resultaten.

Velofahrer sind lernfähig

So zeigt die Studie, dass bei der ersten Messung nur gerade 62 Prozent der beobachteten Velofahrerinnen richtig, also schön selbstbewusst in der Mitte des Kreisels fuhren. Offenbar hatten in der Verkehrskunde zahlreiche Luzerner einen Fensterplatz – oder der Unterricht ist schlicht zu lange her.

Die Videoaufzeichnung zeigt: Diese Person fährt zu nahe am Rand des Kreisels. Wie rund 40 Prozent der Velofahrer bei der ersten Messung. (Bild: Suva)

Ob Vergesslichkeit oder Desinteresse – Luzerner Velofahrerinnen zeigten sich im Verlauf des Projekts auf jeden Fall sehr lernfähig. Denn bei der dritten und letzten Messung fuhren bereits 79 Prozent der Velos korrekt durch den Kreisel.

So schreibt Suva-Sprecherin Natascha Obermayr auf Anfrage: «Wir sind zufrieden mit der nachweislichen Erhöhung des sicheren Fahrverhaltens von Velofahrenden in der Mitte der Fahrspur.» Die Kommunikationskampagne der Suva mit dem Slogan «Zeig dich im Kreisel: Velos fahren in der Mitte!» zeigte offenbar Wirkung. Dabei wählte die Suva eher klassische Kommunikationskanäle wie Inserate, Flyers, Buswerbung und Social Media. Wie die Zahlen zeigen, erreichte die Botschaft ihr Zielpublikum auf jeden Fall.

So ist es richtig. In der Mitte eingespurt, können die Velos vom Auto im Kreisel nicht überholt werden. (Bild: Suva)

Unterschiede zwischen Wochentagen

Allerdings nehmen es die Velofahrer nicht an allen Wochentagen gleich genau mit der korrekten Fahrweise im Kreisel. So zeigt die Studie, dass besonders am Montag und zu den Stosszeiten mehr Velos in der Mitte des Kreisels fahren. Zu Randzeiten sowie am Wochenende werden die Velofahrerinnen hingegen nachlässiger und fahren eher am Rand des Kreisels.

Für Suva-Sprecherin Obermayr gibt es zwei Interpretationen dieses kuriosen Resultats. Entweder liegt es an der Verkehrslage: «Es könnte sein, dass es am Wochenende weniger Verkehrsaufkommen in den Kreiseln gibt und sich die Velofahrenden dadurch freier bei der gewählten Durchfahrt durch den Kreisel fühlen.»

Oder es liegt an den Velofahrerinnen selbst, weil am Wochenende mehr Freizeitfahrer unterwegs sind: «Diese haben vielleicht einen etwas anderen Fahrstil als Pendler und Pendlerinnen, welche hauptsächlich unter der Woche unterwegs sind.» Diplomatisch ausgedrückt für: Wer selten das Velo nimmt, fährt im Kreisel eher falsch.

Problem-Kreisel bleiben unbeobachtet

Ob das Projekt einen nachhaltigen Effekt auf die Fahrweise von Luzerner Velofahrerinnen hat, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Im April und im September führt die Suva Nachmessungen durch.

Zudem ist unklar, ob die Kampagne auch dazu beiträgt, die für Velos besonders gefährlichen Kreisel am Bundesplatz und beim Kreuzstutz sicherer zu machen. Für diese Kreisel liegen keine Daten zur Fahrweise der Velos vor. Die Verantwortlichen der Studie haben bewusst «normale» Kreisel ausgewählt, ohne aussergewöhnliche Infrastruktur oder spezielle Fahrbahn.

Doch gerade der doppelspurige Kreisel am Bundesplatz und die Hanglage am Kreuzstutz haben es in sich. Wer hier mit dem Velo unterwegs ist, tut gut daran, sich an den Verkehrsunterricht zu erinnern.

Verwendete Quellen
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