Stadtrat ignoriert Umfahrungsvorschlag

Littau will mehr als nur eine Ampel

Ist die Barriere beim Bahnhof Littau unten, kommt es auf der Cheerstrasse zu teils erheblichem Rückstau. (Bild: ewi)

Der Luzerner Stadtrat will das Stauproblem auf der Cheerstrasse in Littau mit einer neuen Ampel beseitigen. Das reicht den Quartierbewohnern aber nicht. Sie pochen noch immer auf eine neue Umfahrung.

Der Luzerner Stadtrat nimmt also einen neuen Anlauf. Nach knapp 20 Jahren Planung soll auf der Cheerstrasse in Littau nun endlich eine langfristige Lösung her. Die ursprünglich geplante Umfahrung, um die Cheerstrasse vom Verkehr zu entlasten, endete nach Jahren der Planung und zwei Volksabstimmungen in einem politischen Debakel.

Jetzt solle es anstelle einer Umfahrung eine Ampel richten, wie die Stadt am Freitag an einer Pressekonferenz bekannt gab. Die Ampel soll den Verkehr auf der Kreuzung Thorenbergstrasse/Cheerstrasse so dosieren, dass es auf beiden Strassen zu weniger Rückstau kommt (zentralplus berichtete).

Die Anwohner werden sich freuen. Werden sie? Mitnichten. Denn im Quartier gibt es Vorbehalte gegen den Vorschlag des Stadtrats.

Stadtrat schenkt Wunsch des Quartiers keine Beachtung

Der Stadtrat hat sich bei der Planung des neuen Projekts auch mit den Wünschen des Quartiers beschäftigt. Und die Quartierbevölkerung teilte dem Stadtrat in einer Botschaft unmissverständlich mit: «Die Mehrheit des Begleitgremiums fordert so rasch wie möglich eine Umfahrungslösung und sieht eine Variante Steuerung allenfalls als kurzfristigen, ersten Schritt an.»

Schmales Trottoir, viel Verkehr, eine unübersichtliche Situation: Die Verkehrssicherheit am Bahnhof Littau hat noch viel Luft nach oben. (Bild: ewi)

Der Stadtrat schenkte diesem Wunsch jedoch nur bedingt Beachtung. Er hat zwar mehrere Umfahrungsvarianten nochmals geprüft. Es sei dem Stadtrat ein wichtiges Anliegen gewesen, den Variantenfächer nochmals zu öffnen, betonte Mobilitätsdirektor Adrian Borgula an der erwähnten Medienkonferenz. Doch eine Kosten-Nutzen-Analyse habe gezeigt, dass keine dieser Varianten mit der vom Stadtrat vorgeschlagenen Ampellösung mithalten könne.

Hohe Kosten für neue Umfahrung geben zu reden

Im Quartier stösst das auf Unverständnis. Christoph Oertli, Präsident des Quartiervereins An der Emme, misstraut der Kosten-Nutzen-Analyse des Stadtrats. Diese werde als Hauptargument gegen eine Umfahrung verwendet. Doch Oertli kann die dort aufgeführten Zahlen nicht nachvollziehen.

«Ich habe immer noch den Verdacht, dass der Stadtrat nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat, um eine kostengünstige Umfahrung vorzuschlagen.»

Marco Baumann, FDP-Grossstadtrat aus Littau

«Ich bin Bauleiter und verstehe etwas von Projektplänen», sagt er im Gespräch mit zentralplus. «Aber gewisse Positionen sind für mich nicht nachvollziehbar.» So seien zum Beispiel für Vermessungsarbeiten Kosten in der Höhe von rund 550’000 Franken aufgeführt. «Ich kann nicht verstehen, wie diese Position so teuer sein kann», sagt der Präsident des Quartiervereins. Aus seiner Sicht fehlt es schlicht am politischen Willen für eine Umfahrungsstrasse.

Er wird die für die Kosten-Nutzen-Analyse verwendeten Berechnungen deshalb in den nächsten Wochen nochmals genau anschauen. Sollten dabei Fragen auftauchen – und davon sei auszugehen –, werde er die Stadt im Herbst damit konfrontieren. «Die Kosten darf man hinterfragen», erklärt Oertli.

Die Ampel als mittelfristige Lösung

Mit der Kostenfrage greift Oertli ein altes Thema wieder auf. Denn die ursprünglich geplante Umfahrung scheiterte letztlich an den stets gestiegenen Kosten. Von der bürgerlichen Seite des Parlaments kam darum der Vorwurf, dass der Stadtrat das Projekt absichtlich überlade, damit es zu teuer werde, um ihm noch zustimmen zu können (zentralplus berichtete).

«Die Idee mit der Ampel ist zwar gut, aber sie ist nicht umsetzbar.»

Christoph Oertli, Präsident Quartierverein An der Emme

Dieser Verdacht hält sich hartnäckig – nicht nur im Quartier, sondern auch bei FDP-Grossstadtrat Marco Baumann. Baumann wuchs in Littau auf und ist Vorstandsmitglied beim Wirtschaftsverband KMU Littau Reussbühl. «Ich habe immer noch den Verdacht, dass der Stadtrat nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat, um eine kostengünstige Umfahrung vorzuschlagen», sagt er zu zentralplus.

Doch Baumann gibt sich diplomatisch. Die nun vom Stadtrat vorgeschlagene Alternative mit der Ampel sieht er neben der kürzeren Schliessungszeiten der Bahnschranken als wichtige Verbesserungsmassnahme. Bei den aktuellen politischen Verhältnissen in der Stadt Luzern, so Baumann, sei das wohl das Einzige, was man derzeit umsetzen könne. Er betrachtet die Ampel aber vorerst nur als kurz- und allenfalls mittelfristige Lösung. «Falls die jetzt präsentierte Idee mit der Ampel das Problem des Rückstaus nicht lösen kann, fordere ich den Stadtrat auf, den Wunsch der Quartierbevölkerung nach einer Umfahrung erneut zu prüfen.» 

Stadtrat relativiert Verkehrsproblem auf der Cheerstrasse

Den Frust des Quartiers und der Unternehmen vor Ort kann Baumann jedoch nachvollziehen. Denn das grundsätzliche Problem auf der Cheerstrasse wird die Ampel nicht beheben können: Ohne Umfahrung bleibt die Strasse verkehrsreich.

Diese Kritik relativiert der Stadtrat. Denn mit durchschnittlich 6’000 Autos pro Tag sei die Verkehrsbelastung im Vergleich zu anderen Luzerner Strassen dieser Kategorie tief. Das Problem ist aus Sicht der Stadt also nicht die Verkehrsmenge, sondern der Rückstau. Und dieser soll dank kürzerer Schliesszeiten der Barriere beim Bahnübergang und der geplanten Ampel an der Strassenkreuzung reduziert werden (zentralplus berichtete).

Doch Anwohner Christoph Oertli bleibt skeptisch. Er begrüsst zwar das Projekt der SBB am Bahnhof Littau zur Reduktion der Wartezeiten am Gleisübergang. Doch im Gegensatz zu Marco Baumann hat er wenig Hoffnung in die Ampellösung. «Die Idee ist zwar gut, aber sie ist nicht umsetzbar», ist er überzeugt. Denn für die Umgestaltung der Kreuzung braucht es zusätzlichen Platz. Dass die Grundeigentümer dafür ihr Land hergeben wollen, bezweifelt Oertli.

Auch für ihn ist deshalb klar: «Für uns ist die Umfahrungsstrasse noch lange nicht begraben.»

Verwendete Quellen
  • Persönliches Gespräch mit Christoph Oertli
  • Telefonat mit Marco Baumann
  • Bericht und Antrag zum Entwicklungskonzept am Bahnhof Littau
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