Verkehr & Mobilität

Angst vor vollen Zügen
«Licht und Schatten»: SBB-Pläne stossen in Zug auf Kritik

  • Lesezeit: 4 min
  • Kommentar: 1
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Schon jetzt sind die Züge am Bahnhof Zug gut ausgelastet. Pro Bahn Zentralschweiz rechnet in den nächsten Jahren darum mit Engpässen. (Bild: Andreas Busslinger)

Der 2 bringt und Zürich näher zusammen. Nebst Lob rufen die Pläne der im Kanton Zug aber auch warnende Stimmen hervor.

Eigentlich klingen die News super. Dank des Zimmerberg-Basistunnels 2 (ZBT 2) verkürzt sich die Reisezeit auf der Achse Luzern--Zürich massiv. Von dauert die Reise mit dem Zug nach Zürich beispielsweise nur noch 15 Minuten statt wie heute 23. Mit dem neuen Tunnel rücken Luzern, Zug und Zürich auf einen Schlag näher zusammen. Ende März haben die über den neuesten Stand der Dinge bei diesem Bauprojekt informiert (zentralplus berichtete). 2037 soll der neue Tunnel eröffnet werden.

Musik in den Ohren der Bahnlobby? Nicht nur. Zentralschweiz zeigt sich zwar erfreut, dass die SBB nun vorwärtsmacht mit dem ZBT 2. Dass das Projekt im Rahmen des Ausbauschritts 2035 finanziert und demnach relativ zeitnah realisiert werden kann, erachtet der Verband mit Sitz in Zug als Meilenstein.

SBB krempeln Zugnetz um

Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten. So sieht es zumindest Pro Bahn Zentralschweiz. Dass der neue Tunnel frühstens 2037 eröffnet werden kann, bedauert der Verband: «Aus Kundensicht ist jedes Jahr, das wir länger auf die nötige Kapazitätserhöhung warten müssen, ein verlorenes Jahr.» Der lange Zeithorizont sei dabei nicht bloss eine Frage der Geduld. Der Verband befürchtet inakzeptable Einschränkungen des Schienenverkehrs während der Bauzeit zwischen Luzern, Zug und Zürich, sollten die SBB nicht aktiv Gegenmassnahmen treffen.

«Wenn das Angebot eingeschränkt wird und die Nachfrage steigt, geraten wir endgültig in Kapazitätsengpässe.»

, Vorstand Pro Bahn Zentralschweiz

Vorstandsmitglied Andreas Hürlimann erklärt auf Anfrage das Grundproblem: «Wir gehen davon aus, dass die Passagierzahlen nach der Corona-Pandemie wieder sehr schnell ansteigen. Die Kapazitäten werden an manchen Orten an den Anschlag kommen.» Das ist aber nur ein Teil des Problems. Denn in den Ausbauplänen der SBB spielen mehrere Zuger Bahnhöfe eine entscheidende Rolle.

Damit der ZBT 2 und später auch der in Luzern überhaupt ihre volle Wirkung entfalten können, müssen auch die Bahnhöfe entlang dieser Strecke ausgebaut werden. So stehen bei mehreren Zuger Bahnhöfen – Rotkreuz, Cham, Zug sowie Baar – grössere Baustellen bevor.

Insbesondere die Bahnhöfe Zug und Baar werden in den nächsten Jahren komplett umgekrempelt. Mit einem dritten Gleis zwischen Zug und Baar sowie dem ultraschnellen Anschluss nach Zürich wird Baar für Pendlerinnen äusserst attraktiv. Die Gemeinde rechnet bis 2040 mit einer Zunahme der Pendlerzahlen am Bahnhof Baar von bis zu 85 Prozent (zentralplus berichtete). Baar baut bis dahin darum einen komplett neuen Bushof.

Pro Bahn befürchtet Engpässe

Doch Andreas Hürlimann warnt, dass all diese Baustellen das Fass zum Überlaufen bringen. «Die Baustellen werden zu Einschränkungen im Angebot führen. Wenn aber gleichzeitig die Nachfrage steigt, geraten wir endgültig in Kapazitätsengpässe.»

Pro Bahn Zentralschweiz fordert darum Massnahmen vonseiten der SBB, damit es nicht so weit kommt. Dem Verband schweben drei Massnahmen vor: Längere Züge, zusätzliche Züge sowie eine verstärkte Kundenlenkung, damit sich die Passagiere besser auf die verschiedenen Züge verteilen.

Die Streckensperrung am Zugersee-Ostufer habe gezeigt, dass beispielsweise zusätzliche Züge zwischen Zug und Rotkreuz auf der Schiene Platz haben, so Hürlimann. «Zwischen Luzern und Zürich fahren bereits heute zu den Stosszeiten zusätzliche Züge. Das zeigt doch, dass es auf der Strecke genügend Platz hat für ein grösseres Angebot.»

Ziel dieser Massnahme müsse es nicht nur sein, das Angebot langfristig auszubauen. Für Hürlimann geht es auch darum, dass das Angebot während der Bauphasen nicht zusätzlich reduziert wird. «So können die SBB eine temporäre und möglicherweise länger andauernde Angebotsreduktion verhindern, die aus Kundensicht weh tut.»

Verband will kein Spielverderber sein

Als zweite Massnahme fordert Hürlimann, der für die ALG im Zuger Kantonsrat sitzt, eine verstärkte Lenkung der Passagiere. Die SBB müssen die Passagiere besser auf die Extrazüge aufmerksam machen. «Ein kleines Symbol in der App reicht nicht. Es braucht sichtbare Hinweise an den Bahnhöfen», so die Forderung Hürlimanns. Auch die Möglichkeit von Sparbilletts stellt er in den Raum. Innerhalb des Z-Pass-Tarifverbunds gäbe es diese nicht. «Doch es wäre sicher hilfreich, die Passagiere auch über den Preis zu lenken.»

Für Pro Bahn Zentralschweiz ist darum klar, dass sie das Gespräch mit der SBB suchen werden, um auf diese Probleme aufmerksam zu machen. Hürlimann stellt klar: «Wir freuen uns, dass es vorwärtsgeht und wir wollen keine Spielverderber sein.» Doch jetzt einfach auf die Fertigstellung der verschiedenen Bauprojekte zu warten und die drohenden Engpässe hinzunehmen, sei für den Verband als Interessenvertreterin der ÖV-Kundinnen keine Option.

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1 Kommentare
  1. Gregor, 11.04.2022, 13:11 Uhr

    Zugfahren im Kanton Zug ist nur noch ein reinquetschen in Sardinenbüchsen! Hier ein Paar Massnahmen die sofort umgesetzt werden können und sehr viel bringen:
    1. Schülerinnen und Schüler mit Bussen oder Extrafahren transportierne
    2. Mit grösseren Unternehmen geeignete Bustransporte organisieren
    3. Mehr Homeoffice oder Teil-Homeoffice -> Später ins Büro
    4. Geänderte Schulzeiten nicht zu Stosszeiten

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