Spazierweg über stark befahrene Strasse

«Hochgefährlich»: Lösung für Strassenquerung gefordert

Vier SP-Politiker sind wenig begeistert vom bisherigen Übergang, den Spaziergänger zwischen Zug und Baar bisher auf sich nehmen mussten. (Bild: zvg/ Postulat)

Ein Spazierweg führt über die stark befahrene Tangente Zug-Baar. Viel zu gefährlich, finden nun vier Zuger SP-Politiker und fordern eine Lösung. Die Gemeinde Baar sieht es ähnlich, darf aber nur beschränkt handeln.

Im Gebiet Inwil/Göbli kann man nicht nur prima entsorgen und zuschauen, wie Kirschtorten gebacken werden. Hier lässt es sich auch wunderbar spazieren. Entlang des Grossacherbachs führt ein Gehweg, auf dem man sich, obwohl umgeben von Zivilisation, mitten in der Natur wähnt.

Jedenfalls, bis der Spazierweg abrupt von der Tangente Zug-Baar unterbrochen wird und man einen kurzen, lebenserhaltenden Sprint hinlegen muss, um dem Weg entlang des Grossacherbachs weiter folgen zu können. Die Strasse zwischen den beiden Kreiseln ist viel befahren, es gilt Tempo 60.

Auf der Karte ist die bisherige Wegführung zwischen Göbli und Inwil ersichtlich. (Bild: zvg/ Postulat)

Vier Zuger SP-Politiker sprechen von einer «hochgefährlichen» Situation und fordern den Regierungsrat nun mittels Postulat auf, dafür zu sorgen, dass Fussgängerinnen den Bereich gefahrlos unterirdisch queren können. «Es seien dazu die rechtlichen, planerischen und finanziellen Rahmenbedingungen zu schaffen. Falls nötig, sind vorgängig noch allfällige Anpassungen im Richtplan vorzunehmen.»

Regelmässig entstehen gefährliche Situationen

Die vier Politiker sind der Ansicht, dass dringender Handlungsbedarf bestehe. «Wiederholt mussten sehr gefährliche Situationen und Beinahe-Unfälle beobachtet werden. Speziell ältere Personen und Kinder sind stark gefährdet», heisst es im Postulat.

Als mögliche Lösung schlagen die Postulanten vor, dass der Kanton einen Weg entlang des Flussverlaufs schafft, so wie es etwa auch entlang der alten Lorze beim Choller gemacht wurde. Auf Anfrage sagt SP-Kantonsrat Alois Gössi: «Dass an besagter Stelle ein Fussgängerstreifen keinen Sinn ergibt, leuchtet mir ein. Doch die Lösung mit der Unterführung entlang des Bachs wäre sehr elegant und auch einfach umzusetzen. Der Weg müsste auch gar nicht breit sein.» Und weiter: «Ich habe das Gefühl, der Kanton Zug hat die Situation verschlafen oder unterschätzt.»

Es ist nicht das erste Mal, dass der gefährliche Übergang öffentlich zum Thema wird. zentralplus schrieb vor rund zwei Jahren bereits über das Thema. Schon damals wies die Regierung auf die Möglichkeit hin, die Tangente beim Kreisel zu queren.

Seit dem Einreichen des Vorstosses Anfang Mai hat sich die Situation vor Ort jedoch verändert. Offenbar haben die Behörden selbst eingesehen, dass die Situation zu gefährlich ist. Am 2. Mai wurde auf der Strassenseite nahe Ökihof ein Holzzaun errichtet. Zudem steht vor Ort neuerdings eine Tafel, welche die Spaziergänger dazu auffordert, den Weg via den Kreisel zu nehmen.

Drei Minuten Umweg statt kurzer Sprint?

Gesagt, getan. Anstatt den gefährlichen Übergang zu riskieren, gehts bei einem Augenschein von zentralplus nordwestwärts in Richtung Kreisel, wo das Passieren der Fahrbahn insofern leichter ist, als dass es hier eine Mittelinsel gibt. Dafür wurden hier aus zwei Fahrbahnen durch die Abzweigmöglichkeit in Richtung Weststrasse bereits drei. Nach der Überquerung gehts südostwärts zurück zum Grossacherbach. Zusätzlicher Zeitaufwand für die Strecke entlang der Strasse: knapp drei Minuten.

Auch weiterhin nehmen Fussgänger die Abkürzung

Wie der Augenschein zeigt, passiert, was passieren muss: Anstatt diesen Umweg in Kauf zu nehmen, queren Jogger und Spaziergängerinnen nach wie vor die Fahrbahn an der ehemaligen Stelle. Nur dass sie dies vier Meter versetzt tun, dort, wo der nigelnagelneue Zaun endet.

Und sollte nun doch jeder Spaziergänger den Weg zum Kreisel und zurück auf sich nehmen: Alois Gössi gibt sich mit dieser Lösung nicht zufrieden. «Es spielt keine grosse Rolle, ob ich die Fahrbahn nun am Kreisel quere oder weiter vorne.» Richtig sicher sei beides nicht.

Auf Anfrage von zentralplus erklärt der Zuger Baudirektor Florian Weber: «Die Verlängerung des Holzzauns ist eine Initiative der Gemeinde Baar in Absprache mit dem kantonalen Tiefbauamt. Die Anfrage der Gemeinde Baar erfolgte im März 2024. Sie hat das Vorhaben umgesetzt und finanziert.»

Wo früher ein Übergang war, steht heute ein Zaun. (Bild: wia)

Baar würde gern handeln, der Kanton will jedoch nicht

Der Baarer SVP-Gemeinderat Hans Küng, der zuständig ist fürs Thema Sicherheit, bestätigt diesen Umstand. Er erläutert: «Bei uns ist das Thema seit der Eröffnung der Tangente bekannt. Wir erhielten viele Reaktionen von Inwilern, aber auch von Einwohnerinnen anderer Gebiete, welche sich eine bessere Lösung wünschen.»

Und weiter: «Ich stand selbst schon an diesem Übergang. Gerade, wenn das Verkehrsaufkommen hoch ist, braucht es absolute Konzentration, um die Fahrbahn sicher zu kreuzen, denn das Tempo an dieser Stelle ist 60 km/h.» Es gebe Leute, die den gesamten Spazierweg aufgrund dieser Querung grundsätzlich meiden, erklärt der Gemeinderat weiter. «Wir sehen also ganz klar Handlungsbedarf.»

«Uns ist bewusst, dass es sich bei der Massnahme nur um einen Tropfen auf den heissen Stein handelt.»

Hans Küng, Baarer SVP-Gemeinderat

Bereits mehrmals sei die Gemeinde Baar diesbezüglich auf den Kanton zugegangen. Dieser habe bis dato jedoch abweisend reagiert. «Zwar befindet sich das Gebiet auf Baarer Boden, doch liegt die Tangente Zug-Baar in der Verantwortung des Kantons.» Küng weiter: «Wir können also nicht einfach einen Fussgängerstreifen hinsetzen, und erst recht keine Unterführung bauen. Das müsste der Kanton tun.»

Aktuelle Lösung überzeugt den Gemeinderat nicht

In der Hoffnung, dass die Situation zumindest ein wenig sicherer wird, habe die Gemeinde Baar auf eigene Kosten den bestehenden Zaun auf Zuger Seite um einige Meter verlängern lassen. «Vom Kanton erhielten wir jedoch keine Bewilligung, einen durchgängigen Zaun bis zum Kreisel zu bauen.»

Dennoch hoffe man, dass die heutige Anpassung bereits etwas bringe. «Denn der Übergang befindet sich, gerade wenn man als Spaziergänger von Baar her kommt, an einer unübersichtlichen Stelle in der Kurve. Wenn man einige Meter in Richtung Westen geht, sieht man bereits mehr.» Küng abschliessend: «Uns ist bewusst, dass es sich bei der Massnahme nur um einen Tropfen auf den heissen Stein handelt.»

Verwendete Quellen
  • Postulat
  • Schriftlicher Austausch mit der Baudirektion
  • Mündlicher Austausch mit Hans Küng
  • Augenschein vor Ort
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