Mit Video Verkehr & Mobilität

Achtung Randstein
Hier lauern für ältere Krienser Fussgänger Gefahren

  • Lesezeit: 4 min
  • Kommentare: 3
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Sandra Remund von der Pro Senectute sowie zwei ältere Herren aus dem Zunacher-Altersheim in Kriens betonen auf dem Rundgang, wie wichtig flache Randsteine für sie sind. (Bild: ewi / zvg)

Ein Grossteil unseres Strassenraums ist auf Autos ausgelegt. Für Fussgängerinnen birgt das Gefahren – insbesondere für alte Menschen und Kinder. Das zeigt sich auf einem Rundgang durch Kriens gemeinsam mit Betroffenen.

Der Randstein ist nur fünf Zentimer hoch. Der Absatz ist so niedrig, dass er den meisten unter uns gar nicht erst auffällt.

Für ältere Menschen kann ein so kleiner Absatz aber bereits zum Hindernis, ja vielleicht gar zu einer unüberwindbaren Schwelle werden. Wer mit einem Rollator oder im Rollstuhl unterwegs ist, ist auf abgeschrägte Randsteine angewiesen, um überhaupt von einem Fussgängerstreifen aufs Trottoir zu gelangen.

Zahlreiche schwierige Stellen im Krienser Zentrum

Solche Herausforderungen lauern für ältere Menschen überall. Das zeigt sich auf einem Rundgang durchs Krienser Zentrum. Im Rahmen der Fussverkehrswoche, die vom 12. bis zum 18. Mai in Kriens stattfindet, hat die gemeinsam mit der Pro Senectute und der Gesundheitsförderung des Kantons Luzern Quartierrundgänge organisiert. Auf diesen sollen Krienserinnen auf Gefahrenstellen im Fussverkehr hinweisen. Die Pro Senectute sammelt die Hinweise und übergibt sie der Stadt Kriens – in der Hoffnung, dass einige der Verbesserungswünsche umgesetzt werden.

Der Rundgang ist kurz, schliesslich sind die meisten Teilnehmer zu Fuss nicht mehr ganz so sportlich unterwegs. Und dennoch gibt es alleine in der näheren Umgebung des Altersheims Zunacher an der Horwerstrasse in Kriens zahlreiche problematische Stellen.

Das fängt bei den erwähnten Randsteinen an. «Die müssen deutlich flacher sein als 45 Grad, sonst komme ich mit meinem Rollator nicht aufs Trottoir», merkt ein Teilnehmer an. Circa jeder zweite Trottoirübergang auf dem Rundgang erfüllt diese Anforderungen nicht.

Der Krienser Stadtrat hat ebenfalls am Rundgang teilgenommen. Was er gelernt hat, erfährst du im Video:

Heikler Weg zur Bushaltestelle

Mit seinem Rollator stösst er auf weitere Herausforderungen. In der Zunacherstrasse beispielsweise ist das Trottoir leicht in Richtung Strasse geneigt. Zudem ist der Belag von Rissen und einzelnen Reparaturen übersät sowie an einzelnen Stellen stark geneigt. Mit dem Rollator ein wahrer Hindernislauf. «Hier müsste mal jemand mit dem Bügeleisen drüber», nimmt der ältere Herr die Situation mit Humor zur Kenntnis.

Der schlechte Zustand des Trottoirs wäre zu verkraften, wenn hier nur sportliche, junge Menschen vorbeikämen. Die Zunacherstrasse ist aber die Verbindungsachse des Altersheims mit der Bushaltestelle sowie dem Krienser Stadtteil auf der anderen Strassenseite der Hauptstrasse. Für Bewohner des Altersheims ist es somit eine der wichtigsten Fussgängerverbindungen.

Hinter der Avia-Tankstelle bei der Bushaltestelle Schachenstrasse wird der Fussweg für ältere Menschen zum Spiessrutenlauf. Die Rampe ist steil, die Beleuchtung inexistent und der Weg im Winter oft eisig.

Auf dem Weg zur Bushaltestelle an der Schachenstrasse lauert zudem eine weitere Gefahr – die Dunkelheit. Zwar hat es eine Strassenlaterne beim Übergang von der Zunacherstrasse auf das Areal der dortigen Avia-Tankstelle. Die sei jedoch seit Jahren kaputt, kritisiert eine 75-jährige Teilnehmerin. «Das ist gefährlich, weil das Trottoir so uneben ist und im Winter oftmals eisig und rutschig ist», ergänzt sie.

Planung ist auf Autos ausgelegt

Die Liste der Mängel lässt sich beinahe beliebig weiterführen. Auf der beliebten Fussgängerstrecke im Jegerlehnerweg und der Gottfried-Keller-Strasse hat es überhaupt keine Sitzbänke, wo sich die älteren Spaziergänger ausruhen können. Die Farbe von Fussgängerstreifen ist teilweise dermassen verblichen, dass die Seniorinnen befürchten, von den Autofahrern auf der Strasse nicht wahrgenommen zu werden. Die Trottoirs werden weniger gut vom Schnee geräumt als die Strassen. Und die Grünphase einiger Fussgängerstreifen im Zentrum sei so kurz, dass es gar nicht möglich ist, rechtzeitig auf die andere Strassenseite zu kommen.

«Die Grünphasen sind schaurig knapp», beschreibt es der Teilnehmer mit dem Rollator. Die 75-jährige Frau fasst es zusammen: «Fussgängerstreifen, Schneeräumung, Grünphasen – alles ist zugunsten des Autos ausgelegt.»

Die Gruppe hat den Spaziergang heil überstanden. Hinten in der Mitte der Krienser Stadtrat Cla Büchi. Rechts Sonia di Paolo (stehend) und Sandra Remund von der Pro Senectute Luzern.

Hier sehen die Kinder Verbesserungsbedarf

Wie sich später auf dem Rundgang herausstellt, sehen das nicht nur die älteren Menschen so. Auch die ganz jungen Krienser finden, es gibt Verbesserungsbedarf für . Eine Gruppe von Schülerinnen sind mit der Krienser Jugendanimation auf einen ähnlichen Rundgang gegangen.

Sie kritisierten vor allem, dass es auf dem Schulweg zu wenig Fussgängerstreifen mit Lichtsignalen gibt – und wenn, dann seien auch dort die Grünphasen zu kurz. Hingegen heben sie ganz unscheinbare Elemente positiv hervor. Nämlich kleine Mäuerchen oder leicht erhöhte Randsteine. Die seien ideal zum Balancieren und machen den Schulweg so um einiges spannender.

Krienser Schülerinnen heben einige Punkte im Fussgängernetz positiv hervor. Bei den roten Punkten hingegen besteht Verbesserungsbedarf.

Auf einer physischen Stadtkarte von Kriens konnten die Kinder mit Stickern festhalten, was ihnen im Krienser Zentrum gefällt – und was eben nicht. Am Ende des Rundgangs ist die Karte dicht beklebt, mit zahlreichen positiven wie negativen Stellen. Spannend daran: Während drei Kinder kritisierten, dass die Gallusstrasse völlig unübersichtlich und für Fussgänger gar gefährlich sei, fand ein Schüler, dass er diese Strasse super fände – weil hier seine Lieblings-Dönerbude steht.

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3 Kommentare
  1. schaltjahr, 16.05.2022, 20:24 Uhr

    Stadtrat Büchi ist überrascht in welchem Zustand die Verkehrsinfrastruktur in die von ihm Regierten Stadt ist. Das war nicht anders zu Erwarten. Seit Jahren sind die Probleme für ältere Menschen und Uns Behinderte der Stadt bekannt. Getan wurde Nichts, aber auch gar Nichts. Das Behindertengleichstellungsgesetz hat man vergessen und auf die mit Fanfaren angekündigte Mängeladresse für Unterhaltsarbeiten an der Infrastruktur und Sicherheitsprobleme erhält man keine Rückmeldung und passieren tut sowieso nichts ..
    Mir wenig Aufwand und Geld könnten manche Probleme in Kriens gelöst werden, aber der Stadtrat sieht sich ja selber als grösstes Opfer und verschanzt sich lieber in den gemütlichen Büros …

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  2. Alain, 16.05.2022, 16:06 Uhr

    Übrigens: es sind nicht nur Alte die damit Schwierigkeiten haben. Es hat auch jüngere mit Behinderungen oder Scwächen. Aber wie bei Corona: diese Leute werden schlichtwegs vergessen oder ignoriert.

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    1. Peter Bitterli, 16.05.2022, 17:06 Uhr

      Was möchten Sie jetzt ganz genau zum Ausdruck bringen, Herr Alain? Sie meinen, wenn man Hindernisse für „Alte“ (der korrekte Mensch sagt „Ältere“) beseitigt, dann muss man für Jüngere mit Behinderungen oder Schwächen dieselben Hindernisse noch einmal auf eine ganz andere Weise beseitigen?
      Und wo ist der Zusammenhang mit Corona? Diese Leute wurden vergessen oder ignoriert? Und ich dachte immer, das nun wirklich Kritisierbare und auch Kritisierte an „Corona“ sei gewesen, dass die „Massnahmen“ immer und ohne Unterschied auf Alte und Junge, Gesunde und Kranke, Mündige und Unmündige draufgehauen wurden.

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