Umfahrung Unterägeri und Zug

Hier investiert der Kanton Zug eine Milliarde

Visualisierung SBB-Unterführung und Portal Gubelstrasse. (Bild: Kanton Zug)

Zug und Unterägeri sind vom Verkehr geplagt. Mit zwei Tunneln will die Zuger Regierung Abhilfe schaffen – und dafür richtig viel Geld in die Hand nehmen.

Durch die Zuger Neugasse zwängen sich täglich 20'000 Autos. Während der Stosszeiten kommt der Verkehr praktisch zum Erliegen. Ähnlich ist das Bild im Ortszentrum von Unterägeri. Dort werden täglich rund 13'400 Fahrzeuge gezählt.

Jetzt will die Regierung die beiden Gemeinden vom Verkehr befreien. Statt des gescheiterten Stadttunnels (zentralplus berichtete) soll nun ein fast zwei Kilometer langer «einfacher Zentrumstunnel» das Problem lösen. Kostenpunkt: schlappe 668 Millionen Franken.

75 Prozent weniger Verkehr in der Stadt – dank Zentrumstunnel Zug

Um drei Viertel soll der Verkehr in der Stadt Zug reduziert werden. Das schafft Platz für Fuss- und Velowege. Ehemalige Verkehrsräume könnten gar zu «Naturräumen» umgestaltet werden, wie die Regierung in ihrer Botschaft schwärmt. Sie betont, dass Busse bei tieferem Verkehrsaufkommen zuverlässiger werden und die Zugänge zum öffentlichen Verkehr ausgebaut werden könnten.

Dass die Regierung auf diese Art und Weise argumentiert, ist kein Zufall. Denn bereits als die SVP die Idee vom Zentrumstunnel Zug letztes Jahr zurück aufs politische Parkett brachte, kündigte sich seitens der ALG und der SP Widerstand an.

Der Widerstand gegen den Stadttunnel ist programmiert

Die SP meinte, damit würde ein Zeichen gesetzt, dass es völlig ok sei, wenn man täglich allein mit dem Auto umherfährt. Michèle Willimann von der ALG zeigte sich überzeugt, «dass ein Tunnel an der Urne keine Chance hätte» (zentralplus berichtete). Ob sie damit Recht behält, ist fraglich. Gemäss einer Umfrage des Stadtrats unterstützen 64 Prozent die Idee eines «Stadttunnels light». (zentralplus berichtete).

Doch genauso fraglich ist, ob sich die Zuger Linke von der Aussicht auf neue Velowege überzeugen lässt. Sie fordert ein Umdenken im Mobilitätsverhalten und sieht darin die Lösung für Zugs Verkehrsprobleme – und nicht im Bau von neuer Strasseninfrastruktur.

Der Zentrumstunnel soll zusammen mit der Umfahrung Unterägeri in den Richtplan aufgenommen werden. Dort ist ein rund 1'800 Meter langer Tunnel geplant, der nochmals gut 275 Millionen Franken kosten soll. Gut 47 Millionen Franken beantragt die Regierung als Reserve für die Realisierung der beiden Projekte. Damit beläuft sich der Rahmenkredit auf gut 990 Millionen Franken.

Visualisierung Portal Arthertrasse.
Visualisierung Portal Artherstrasse. (Bild: Kanton Zug)

Kanton gibt Vollgas

Der Kantonsrat soll noch vor den Sommerferien 2023 über die Milliarden-Investition befinden. Entscheiden wird aber letztlich das Stimmvolk. Dieses hat die Idee eines Stadttunnels deutlich verworfen. Dieser hätte 890 Millionen Franken gekostet und es waren noch vier Tunneläste mit unterirdischen Kreuzungen vorgesehen.

Aus Sicht der Regierung wurde das Projekt nun «auf das Notwendigste» reduziert. Zudem sei die finanzielle Ausgangslage des Kantons heute wesentlich günstiger als noch 2015.

Die Erkenntnis, dass die Verkehrsführung durch die Stadt Zug ungenügend ist, ist übrigens bald hundert Jahre alt. Bereits 1928 stellten der damalige Regierungs- und der Stadtrat fest, dass «für den grossen Verkehr in der Stadt Zug neue Verbindungen gesucht werden müssten» (zentralplus berichtete).

Verwendete Quellen
  • Vorlage «Umfahrung Unterägeri» und «Umfahrung Zug»
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