Verkehr & Mobilität
Helikopter-Landeplatz in Pfaffnau

Heli-Flüge für Fondueplausch – VCS befürchtet Zunahme

Die Swiss Helicopter AG bietet ab Pfaffnau unter anderem Flüge zum Älplermagronen-Plausch ins Eigenthal an. (Bild: Swiss Helicopter AG)

Der Heliport in Pfaffnau ist Ausgangsort verschiedener touristischer Flüge. Eine gesetzliche Änderung ermöglicht bald eine Vervierfachung der Flüge. Sehr zum Ärger des VCS Luzern. Aber: Ein Ausbau der Flüge ist gar nicht geplant.

800 Helikopterflüge pro Jahr klingen nach viel. Dies ist aktuell das maximale Kontingent auf dem Heliport in Pfaffnau. Immerhin sind das über zwei Flüge pro Tag. Doch es sind geradezu wenig Flüge, wenn man es vergleicht mit dem, was in Pfaffnau künftig möglich ist.

Denn aktuell überarbeitet das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) die geltenden Bestimmungen für den Heliport Pfaffnau. Dabei handelt es sich um einen periodischen Prozess. Und die künftige Regelung soll bis zu 3000 Flüge pro Jahr ermöglichen – fast viermal so viel wie bisher.

Leisere Helikopter erlauben mehr Flüge

Grund dafür ist der technologische Fortschritt. Denn die Betreiberin des Heliports, die Swiss Helicopter AG, fliegt in Pfaffnau mit vergleichsweise leisen Helikoptern. Die einzelnen Flüge verursachen weniger Lärm als zu jenem Zeitpunkt, als das heute geltende Kontingent von 800 Flügen pro Jahr festgelegt wurde. So erklärt Rolf Heuberger, CEO der Swiss Helicopter AG: «Der Einsatz von deutlich leiseren Helikoptern führt dazu, dass mit den gemäss externen Lärmgutachten gleichen Lärmemissionen mehr Flugbewegungen möglich sind.»

«Die Swiss Helicopter AG plant keinen Ausbau der Tätigkeit in Pfaffnau.»

Rolf Heuberger, CEO Swiss Helicopter AG

Mehr Flüge dank leiseren Helikoptern also. Die Pläne für die Überarbeitung der Richtlinien lagen bis Anfang Woche bei der Gemeinde Pfaffnau sowie beim Bund und beim Kanton zur Einsicht auf. Auch der VCS Luzern hat sich die Unterlagen angeschaut. Und dessen Fazit fällt vernichtend aus.

VCS kritisiert touristische Flüge

In einer Stellungnahme bezeichnet der Verein die Anpassung als «Klima-Irrsinn» und lehnt die Pläne entschieden ab. Grund für die Kritik des VCS ist das Angebot der Swiss Helicopter AG auf dem Stützpunkt in Pfaffnau. Nebst Flügen zur Ausbildung von neuen Piloten sowie Transportflügen bietet das Unternehmen auch touristische Flüge an.

Idyllisch gelegen, am Fusse des Pilatus: Die Alpwirtschaft Unterlauelen ist Ziel des Helikoptertourismus. (Bild: Nidwalden Tourismus)

So kann man sich ab Pfaffnau beispielsweise mit dem Helikopter ins Eigenthal fliegen lassen, dort im Restaurant Unterlauelen einen Teller Älplermagronen verspeisen und nach Pfaffnau zurückfliegen. Kostenpunkt: Rund 1000 Franken für vier Personen. Auch möglich sind ein Flug auf die Blüemlismatt zum Fondueplausch oder ein «Meringues-Flug» ins (nach einer Überschwemmung momentan geschlossene) Hotel Kemmeriboden-Bad.

Swiss Helicopter AG will nicht mehr Flüge durchführen

Der CEO des Unternehmens verteidigt das Angebot: «Die touristischen Flüge sind für uns als Branche wichtig, damit Piloten und Infrastruktur für weitere Aufgaben zur Verfügung stehen.» Die Flüge helfen also, die Auslastung zu verbessern. Und sowieso betont Rolf Heuberger: «Die Swiss Helicopter AG plant keinen Ausbau der Tätigkeit in Pfaffnau.»

«Das Eigenthal ist sehr gut ohne Helikopter erreichbar.»

Michael Töngi, Präsident VCS Luzern

Obwohl künftig also deutlich mehr Flüge möglich wären, will das Unternehmen das Angebot nicht ausbauen. Ein Satz in den Unterlagen zur Anpassung der Flugbewegungen lässt daran jedoch Zweifel aufkommen. Dort heisst es: «Im Weiteren stellt der Flugplatzhalter eine gesteigerte Nachfrage nach Flügen, insbesondere im Bereich Schulung, fest und möchte diese ab dem Heliport Pfaffnau abdecken.» Klingt danach, als sei künftig doch mit einer Zunahme der Flüge zu rechnen.

Heuberger relativiert: «Mit der Stationierung eines kleinen Schulungshelikopters dürfte der Anteil an Flugbewegungen, die auf Flugausbildungen fallen, zunehmen. Insgesamt ist jedoch nicht von einer Zunahme der Flugbewegungen auszugehen.»

«Klimaneutrale» Flüge reichen dem VCS nicht

Das vermag den VCS jedoch nicht zu besänftigen. Der Verein kritisiert den möglichen Ausbau aus zwei Gründen: Lärm- und Klimaschutz. Zwar zeigen Messungen, dass die Lärmschutzwerte rund um den Heliport Pfaffnau stets eingehalten werden und dass niemand von zusätzlichen Flügen negativ betroffen wäre.

Für VCS-Präsident Michael Töngi genügt das aber nicht. «Die aktuellen Grenzwerte der Lärmschutzverordnung basieren auf veralteten Erkenntnissen aus den frühen 1980er-Jahren. Aus medizinischer Sicht sind sie längst überholt.» Er fordert daher eine Korrektur der Grenzwerte nach unten und stützt sich dabei auf Erkenntnisse aus einem Bericht der Eidgenössischen Kommission für Lärmbekämpfung.

Bezüglich Klimaschutz verspricht die Swiss Helicopter AG auf ihrer Webseite, dass alle touristischen Flüge klimaneutral seien. Das Unternehmen kompensiert die CO₂-Emissionen seiner Helikopterflüge. Dabei unterstützt die Firma Projekte im Ausland, die CO₂ aus der Atmosphäre im Boden binden. «Die Swiss Helicopter AG ist die erste und bisher einzige Luftfahrtunternehmung, die sämtliche Passagierflüge CO₂-kompensiert», betont CEO Heuberger.

Michael Töngi bleibt skeptisch. Es sei zwar «löblich», dass die Firma ihre Emissionen reduziert. Doch gehe es in erster Linie darum, unnötigen Verkehr zu vermeiden (zentralplus berichtete). Die Freizeitflüge würden in diese Kategorie fallen. «Das Eigenthal ist sehr gut ohne Helikopter erreichbar», sagt Töngi und kritisiert gleichzeitig die Selbstdarstellung der Swiss Helicopter AG als ökologisches Unternehmen: «Mit einem solchen Flug hat man rein gar nichts fürs Klima getan.» Aber zweifellos eine tolle Aussicht genossen – und etwas Feines gegessen.

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