Verkehr & Mobilität

Konzerte statt Autos – auch auf der Seebrücke
Grüne wollen Autos an Sonntagen aus Luzern verbannen

  • Lesezeit: 3 min
  • Kommentare: 11
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Velos und Fussgänger statt Autos auf der Seebrücke. Ein solches Bild fordert Samuel Zbinden von den Grünen regelmässig, nämlich an autofreien Sonntagen.

An bestimmten Tagen im Jahr sollen verschiedene Strassen im für Autos gesperrt werden. Die Luzerner Grünen erhoffen sich dadurch, die Bevölkerung zum Umsteigen aufs zu motivieren.

An einem schönen Sonntag verkommt der Quai zwischen Schwanenplatz und Verkehrshaus zu einem wahren Highway für Fussgängerinnen. Doch wer mit dem unterwegs ist, sieht sich angesichts der vielen Fussgänger gezwungen, auf die enge und viel befahrene Haldenstrasse auszuweichen. Die ist für Velofahrerinnen ziemlich unattraktiv.

Damit soll nun Schluss sein, fordern die Fraktion der Grünen und Jungen Grünen im . Zumindest an vereinzelten Tagen. Sie fordern die Regierung des Kantons Luzern mittels Postulat auf, an mehreren Sonntagen im Jahr bestimmte Kantonsstrassen für den motorisierten Individualverkehr zu sperren.

Konkret schlägt die Partei die Strecke zwischen Bahnhof Luzern und Verkehrshaus, die Strasse ins Eigenthal oder die Strassen rund um den Baldegger- und Sempachersee vor. Letztere sind bereits heute während des Slow-ups an einem Tag im Jahr autofrei.

Im Interesse des Kantons

Dabei handle es sich nicht bloss um einen symbolischen Akt, wie Grünen-Kantonsrat auf Anfrage erklärt. Die Forderung müsse auch im Interesse des Kantons sein. Denn dieser verfolgt mit seinem neuen Mobilitätskonzept die 4V-Strategie, sprich: Verkehr vermeiden, Verkehr verlagern, Verkehr vernetzen und Verkehr verträglich gestalten (zentralplus berichtete).

«Wir finden es wichtig, den Menschen zu zeigen, wie attraktiv der Strassenraum sein kann, wenn er nicht bloss von Autos benutzt wird.»

Samuel Zbinden, Kantonsrat Grüne

Und gerade bei der Verlagerung des Verkehrs vom aufs Velo sieht die Partei in autofreien Sonntagen grosses Potenzial. «Der grösste Effekt dieser Massnahme ist die Sensibilisierung der Bevölkerung», sagt Zbinden. Autofreie Sonntage sollen aufzeigen, dass es Spass machen kann, zu Fuss, mit dem Velo oder mit Inline-Skates unterwegs zu sein.

Strasse soll nicht nur den Autos gehören

Der Strassenraum müsse nicht zwingend den Autos gehören. «Wir finden es wichtig, den Menschen zu zeigen, wie attraktiv der Strassenraum sein kann, wenn er nicht bloss von Autos benutzt wird», sagt Samuel Zbinden.

Darum sollen diese autofreien Sonntage zu einem richtigen Event werden. Zbinden erklärt: «Es geht nicht nur darum, den Strassenraum für Autos zu sperren, sondern diesen beispielsweise mit gastronomischen Angeboten oder Konzerten ganz anders zu nutzen.»

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Idee erlebt grosses Comeback

Neu ist diese Idee nicht. Autofreie Sonntage gab es in der Schweiz schon während der Ölkrise in den 70er-Jahre. Damit wollte der Bundesrat das knapp werdende Benzin sparen.

«Wenn sogar Glarus dem zustimmt, dann sollte das auch bei uns möglich sein.»

Samuel Zbinden, Kantonsrat Grüne

Seit einigen Jahren nun erlebt die Idee in der Schweiz ein echtes Comeback. So hat die Glarner Landgemeinde am vergangenen Wochenende beschlossen, dass das Klöntal an einzelnen Tagen autofrei werden soll. Auch in anderen Schweizer Städten wie Basel, Zürich oder Winterthur sind autofreie Sonntage in Planung. Andermatt hat im Rahmen eines Pilotversuchs die Strassen im Dorfkern an zwei Samstagen für Autos gesperrt. Die Gemeinde zog ein positives Fazit und plant weitere autofreie Tage.

Auch bei den Grünen Luzern ist das Thema schon länger präsent, wie Zbinden bestätigt. Die Partei habe gar überlegt, dies so in die kantonale Klimastrategie einzubringen. Das Beispiel Glarus habe nun den definitiven Anstoss gegeben. «Wenn sogar Glarus dem zustimmt, dann sollte das auch bei uns möglich sein.»

Er ist darum zuversichtlich, dass sich auch im bürgerlich geprägten Kanton Luzern Kompromisse finden lassen, um die Forderung seiner Partei umzusetzen.

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11 Kommentare
  1. Hegard, 05.05.2022, 14:23 Uhr

    Wie ich gedacht habe,hier gehts um feten und nicht um
    das Umweltdenken.
    Was mich nicht Überrascht bei den
    Linken

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  2. sowas, 05.05.2022, 08:07 Uhr

    @Besserwisser
    Jaja, das ewige Gejammer der Autofetischisten. Fakt ist, dass das Nationalstrassennetz und die Kantonsstrassen 28% der Schweizerischen Verkehrsfläche ausmachen, bzw. dieser Teil also «kostendeckend» betrieben wird. Auch den Begriff «kostendeckend» müsste man einmal definieren, z.B. die Kollateralschäden, die der exzessive MIV verursacht. Sind diese im «kostendeckend» auch eingerechnet?
    At last but not least werden also satte 72% des Strassennetzes mit Einnahmen aus den ordentlichen Steuern finanziert. Das zu Ihrem Argumentarium…..

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    1. Besserwisser, 05.05.2022, 09:00 Uhr

      Mit Ihrem Fuor, Andersdenkende zu canceln, schiessen Sie nun doch etwas übers Ziel hinaus. Wie kommen Sie dazu, mich als Autofetischisten zu bezeichnen, nur weil ich eine Falschinformation korrigiere? Sprechen Sie Fussgängern, ÖV-Benutzern und Zweiradfahrern etwa einen Hang zur Faktentreue ab?

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      1. sowas, 05.05.2022, 10:39 Uhr

        @Besserwisser
        Oh, cancel culture, ein Narrativ vom Stammtisch, denn: «man darf ja nichts mehr sagen…..!»
        Betrachten Sie meine Replik einfach als klärende Ergänzung zu Ihrem Kommentar. Da ich nicht lebensmüde bin, vermeide ich als Velofahrer sowieso, wann immer irgendwie möglich, Kantonsstrassen (Beispiel Seebrücke). Ihr Kommentar ist für mich eine subtile Unterstellung und immer wieder ins Spiel gebrachte Behauptung, der Langsamverkehr komme für seine Kosten nicht auf. Ein Narrativ, dem klar und deutlich widersprochen werden muss. Ja, und so leid es mir tut, es ist ein Killerargument zur Rechtfertigung des grassierenden MIV-Fetischismus. Apropos, ich fahre auch Auto und früher noch Motorrad…..

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  3. mvonrotz, 04.05.2022, 15:27 Uhr

    Wenn dies die Mehrheit der Kanton Luzerner Stimmbürger so will, dann sei es so. aber die Anzahl Sonntage soll vor einer Abstimmung fixiert sein, nicht variabel je nach Gutdünken. Auch sollen die möglichen Strassenabschnitte bekannt sein. Ansonsten könnte das nach Belieben ausgelegt und alles lahmgelegt werden. Ich werde an solchen Tagen garantiert NICHT in Luzern sein.

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  4. Hegard, 04.05.2022, 14:40 Uhr

    Wieder tipisch Linke theoretiker,es gibt auch noch Schichtarbeiter die führ einen Mässigen Lohn für euch arbeiten und auf Pw’s angewiesen sind.
    Das pendeln ist ein Politischer Effekt.
    Sogar das Arbeitsamt findet ein 2 Stdiger Arbeitsweg als zumutbar.Es gibt auch noch Arbeitende die kein Homeoffice praktizieren können.Zudem geben solche Anlässe keine Ruhezeit sondern massenlärm von Anlässen die schon ausgereizt sind.
    Widersprüchlich find ich auch,wenn ein paar Leds an einen Baum gehängt wird,es als Kunst bezeichnet wird und von Strom sparen redet und dann fürs schlechte gewissen Die schönsten Landschaften verschandelt werden

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  5. Rolf Albisser, 04.05.2022, 14:31 Uhr

    Die Grünen würden ja sowieso am Liebsten auf unbefestigte Straßen (selbstverständlich mit einer 2,5 m breiten geterten Velopiste) und Kutschen zurückkehren. Bezahlen sollen aber für die Annehmlichkeiten die Besitzer motorisierten Fahrzeuge die aber nicht mehr benutzt werden dürfen.

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    1. Rad, 04.05.2022, 14:51 Uhr

      Nur so als hinweis, die breiten Strassen die die Autofahrer benutzen werden von der Allgemeinheit bezahlt.

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      1. Besserwisser, 04.05.2022, 15:39 Uhr

        Die breiten Strassen sind in der Regel Kantonsstrassen. Die Strasseninfrastruktur der Kantone wird über Motorfahrzeugsteuern, Anteil aus der Schwerverkehrsabgabe und Anteil aus den Treibstoffsteuern finanziert. Velofahrer bezahlen also keinen Rappen daran, ebenso wenig E-Autofahrer. Einzig die Gemeindestrassen werden aus ordentlichen Steuereinnahmen finanziert.

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    2. Thomas Aeberhard, 04.05.2022, 15:23 Uhr

      Sie vergessen die Piste für Busse. In diese müssen sie ja mit den Velos ausweichen können, wenn es mal regnet oder etwas kälter ist. Also während 9 von 12 Monaten. Kann jeder Luzerner Busfahrer bestätigen.

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    3. Philipp, 04.05.2022, 17:34 Uhr

      Typisch Radfahrer. Für nichts bezahlen wollen, aber keine Ahnung dass das Geld für die meisten Strassen komplett von den Autofahrern kommt. Autofahrer bezahlen übrigens auch für die Infrastruktur von Parkplätzen und Parkhäuser. Die Betreiber verdienen sogar daran. Wenn man aber von einem Radfahrer verlangt, dass er für das Veloparking oder einen Abstellplatz etwas zahlen soll, gehen gleich alle auf die Barikade. Da soll dann alles gratis sein. Bezahlt wirds ja dann von der Allgemeinheit mit Steuern.

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