Nach Aus für Umfahrungstunnel

Florian Weber: «Ich bezieh das nicht auf mich»

Sonntag erlebte er seine wohl grösste Niederlage als Zuger Baudirektor. (Bild: kok)

Am Sonntag haben die Zuger zwei Tunnel abgelehnt, die der Kanton sehnlichst bauen will. Der Baudirektor spricht mit zentralplus über mögliche Fehler – und wagt einen Ausblick.

Am Sonntag hat das dickste Buch der Zuger Baugeschichte ein weiteres Kapitel erhalten. Die Überschrift: Erneut missglückt es der Regierung, den Zugern einen Umfahrungstunnel für die Stadt Zug schmackhaft zu machen. Dieses Mal ist ausserdem ein Tunnel in Unterägeri gescheitert (zentralplus berichtete).

Schon der aktuelle Finanzdirektor Heinz Tännler versuchte im Jahr 2015 als Baudirektor die Herkulesaufgabe – und versagte auf ganzer Linie. Alle Gemeinden lehnten den Stadttunnel damals ab. Vergangenen Sonntag haben zumindest Unterägeri und Walchwil beide Tunnel angenommen und Neuheim jenen in Unterägeri – doch die anderen acht Gemeinden des Kantons lehnten beide Bauwerke ab.

Resultate der Zuger Gemeinden zur Umfahrung Zug

Florian Weber leitet seit fünf Jahren die Baudirektion. Die Niederlage vom Sonntag ist sein wohl grösster Rückschlag bisher. Doch er lasse sich davon nichts anhaben, sagt er zu zentralplus: «Ich bezieh das nicht auf mich. Das hilft, wenn es mal nicht klappt.»

Wind hat in vergangenen zwei Wochen gedreht

Mehrfach betont er im Gespräch, den Willen der Zuger zu respektieren. Trotzdem schwingt auch Enttäuschung mit. «Es wäre eine gute Zeit gewesen, um den Tunnel zu bauen», meint Florian Weber. Mit zwei Milliarden Franken Eigenkapital sei genug Geld da. Ausserdem hätte man vom Bau des Zimmerberg-Basistunnels 2 profitieren können.

Dass der Sonntag anders ausgehen könnte, als die Bürgerlichen wollten, habe er gespürt. «In den vergangenen zwei Wochen hat sich der Wind gedreht. Wir müssen jetzt analysieren, was passiert ist.» Eigene Fehler eingestehen will der Regierungsrat am Sonntag um 15 Uhr augenscheinlich noch nicht.

Resultate der Zuger Gemeinden zur Umfahrung Unterägeri

zentralplus auf Fehlersuche: Florian Weber reagiert

zentralplus versucht es trotzdem. Der Zuger Regierung wurde Einseitigkeit vorgeworfen. War das ein Grund für die Niederlage? Nein, erwidert Weber. Pro und Contra hätten genug Raum erhalten. Sein Auftrag sei aber gewesen, den Willen des Parlaments zu vertreten. Und das habe den Krediten für die Tunnel zugestimmt.

Zweiter Versuch: Hätte sich die Regierung vielleicht zwei Jahre mehr Zeit nehmen sollen, um sauber herauszuarbeiten, wie die Begleitmassnahmen aussehen? Denn sie sind essenziell, um den Verkehr zu reduzieren. Auch hier gibt es ein Nein vom Baudirektor. Das Vorgehen habe einen Zweck verfolgt.

Hier, in der Vorstadt der Stadt Zug, wäre das autofreie «Filetstück» entstanden, erklärt Florian Weber. (Bild: kok)

«Die lokale Bevölkerung sollte die Chance haben, gemeinsam mit den Gemeinden die Zentren zu entwickeln.» Der Kanton baue die Tunnel. Wo Strassen beruhigt würden, Busse gefördert oder Parkplätze verlegt, sei als Gemeindeaufgabe geplant gewesen. «Der Kanton hätte nur darauf geachtet, dass der Verkehr in den Zentren um 75 Prozent zurückgeht.»

Versuch Nummer drei: War das einstufige Verfahren ein Fehler, mit dem über Bau und Planung gemeinsam abgestimmt wurde? Auch hier winkt Florian Weber ab. Es komme darauf an, wie man Einstufigkeit definiere. Die Umfahrungen würden auf den Plänen von 2015 aufbauen, seien durch die öffentliche Mitwirkung und das Parlament gebracht worden. «Es war ein intensiver und demokratischer Prozess.»

Tunnel in Zug endgültig vom Tisch

Und doch konnten die Projekte über die Hälfte der Zuger Stimmbevölkerung nicht überzeugen. Ist damit ein Tunnel für die Stadt Zug, nach fünf gescheiterten Versuchen, endgültig vom Tisch? Florian Weber meint Ja. «Wir haben eine einfachere Variante des Tunnels erarbeitet, die gewirkt hätte. Jetzt müssen wir mit den Mitteln arbeiten, die wir haben.»

«Das wird jetzt kein Wünsch-dir-was.»

Florian Weber, Zuger Baudirektor

Damit meint er das Ziel, die befahrenen Zentren von Zug und Unterägeri zu entlasten. Der Kanton Zug hat bereits angekündigt, den Gemeinden mit den Mitteln des Richtplans helfen zu wollen. «Darin steht bereits, dass der Modalsplit zugunsten des ÖV verändert werden soll», betont der Baudirektor.

Und was passiert mit der Milliarde Franken? Eigentlich wollte der Kanton mit seinen zwei Milliarden Franken Eigenkapital die Tunnel aus dem Hosensack finanzieren. «Das wird jetzt kein Wünsch-dir-was», entgegnet Florian Weber. Was es jetzt brauche, sei «Ruhe und Weitsicht» und eine gute Analyse, wo die Bedürfnisse der Zuger lägen. Denn: «In finanziell guten Zeiten ist man verleitet, die falschen Entscheidungen zu treffen.» Das gelte es, zu verhindern.

Ergänzungen des Zuger Baudirektors

Der Zuger Baudirektor Florian Weber möchte im Nachgang zum Gespräch drei Details anbringen.

«Mit einem Ja hätte die Bevölkerung die Chance gehabt, in einem partizipativen Verfahren die Zentren zu entwickeln», so Weber. Der Kanton hätte neue Kantonsstrassen realisiert und bestehende Strassen an die Gemeinden übergeben.

Die Umfahrungen seien in der öffentlichen Mitwirkung der Richtplananpassung und durch parlamentarische Vorstösse gefordert worden. Diese Forderung seien aufgenommen und im parlamentarischen Prozess beraten worden. Mit dem Behördenreferendum sei gewährleistet worden, dass der Souverän über die generellen Projekte entscheiden konnte, so Weber. Bei einem Ja hätten Planung- sowie auch Baukredite durch das Parlament freigegeben werden müssen.

Der Kanton Zug hat bereits angekündigt, die Gemeinden bei der Umsetzung der Ortsplanung weiterhin zu unterstützen. Dazu gehört laut Weber unter anderem die Umsetzung des kantonalen Mobilitätskonzepts innerhalb der nun geltenden Rahmenbedingungen.

Verwendete Quellen
  • Gespräch mit Florian Weber, Zuger Baudirektor
  • Website des Kantons Zug über Florian Weber, Zuger Baudirektor
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