Verkehr & Mobilität
Dafür gibt's 900 Velo-Abstellplätze

EWL verzichtet auf ihrem Areal bewusst auf 44 Parkplätze

Das neue EWL-Areal ist voll auf den Langsamverkehr ausgerichtet. So gibt es künftig rund 900 Velo-Abstellplätze. (Bild: EWL Areal AG)

Mit etwas Verzögerung hat die EWL den Gestaltungsplan für das Areal an der Industrie- und Fruttstrasse aufgelegt. Der Plan zeigt: Das Auto spielt hier nur eine untergeordnete Rolle, das Velo ist König.

Die vielen Baugespanne lassen keine Zweifel aufkommen – das Gesicht der Industriestrasse wird sich in den kommenden Jahren deutlich verändern. Grund dafür sind zwei Grossprojekte. Eines davon ist die Überbauung des EWL-Areals. Seit dieser Woche liegt der Gestaltungsplan für das Projekt öffentlich auf (zentralplus berichtete).

EWL verzichtet auf 44 Parkplätze

Was darin besonders auffällt: Die Zahl der geplanten Parkplätze. Im Planungsbericht steht, dass in der ersten Bauetappe 50 von 50 Parkplätze realisiert werden, die gemäss Parkplatzreglement zulässig sind. In der zweiten Bauetappe gibt es 58 neue Parkplätze. Fünf der insgesamt 108 neuen Parkplätze sind oberirdisch. Es handelt sich dabei um Besucher-Parkplätze der EWL. Der grosse Teil der Parkplätze kommt in die Einstellhalle.

Insgesamt wären auf dem Areal gemäss Planungsbericht und Parkplatzreglement aber 152 Parkplätze realisierbar. Die EWL realisiert nur 108 und verzichtet also freiwillig auf 44 Parkplätze. Da es sich noch nicht um die offizielle Baubewilligung handelt, ist diese Zahl nicht definitiv. Dennoch gibt das Mobilitätskonzept einen Eindruck, in welche Richtung die Planung verläuft. Doch warum verzichtet die EWL freiwillig auf eine so grosse Zahl Parkplätze?

Teilen statt Besitzen ist das Credo

«Wir sind überzeugt, dass wir nicht so viele Parkplätze brauchen», sagt Anja Kloth, Geschäftsführerin der EWL Areal AG auf Anfrage von zentralplus. «Stattdessen wollen wir Sharing-Möglichkeiten und andere Mobilitätsformen fördern.»

«An dieser Lage muss nicht zwingend jeder ein eigenes Auto haben, sondern man kann sich über Plattformen wie Mobility auch eines teilen.»

Anja Kloth, Geschäftsführerin EWL Areal AG

Konkret heisst das: Die verschiedenen Nutzungen des Areals erlauben eine kombinierte Nutzung der Parkplätze. Sind diese durch den Tag mit den Autos von Mitarbeitern der dortigen Organisationen oder von Kundinnen besetzt, sind es nach Feierabend und in der Nacht die Bewohnerinnen, die ihr Auto auf den Parkplätzen abstellen.

Und Kloth betont: «An dieser Lage muss nicht zwingend jeder ein eigenes Auto haben, sondern man kann sich über Plattformen wie Mobility auch eines teilen.»

Dass das reduzierte Parkplatz-Angebot in auto-affinen Kreisen wohl für Kritik sorgt, kann Kloth nachvollziehen. Und sie fügt an: «Wir schliessen niemanden aus, der aufs Auto angewiesen ist, denn es gibt es sehr wohl Parkplätze. Einfach in beschränkter Zahl. Dafür wollen wir mit Sharing-Angeboten auch andere Optionen anbieten.»

Auch die Kosten spielen eine Rolle

Zu den Überlegungen hinzu kommen geologische Rahmenbedingungen. Je grösser der Eingriff in den Boden, desto schwieriger ist es für die EWL, eine Baubewilligung zu erhalten. Daher lohnt es sich auch in dieser Hinsicht, die Tiefgarage klein zu dimensionieren. Und letztlich spielen auch die Finanzen eine Rolle: «Je kleiner das Volumen der Tiefgarage, desto günstiger wird das Projekt», bestätigt Kloth.

Das ist ein Faktor, der bei der künftigen Vermietung der Wohnungen durch die ABL eine Rolle spielen kann. Denn hohe Baukosten drücken automatisch die Mietpreise nach oben. Somit dürfte die kleinere Tiefgarage der Wohnbaugenossenschaft entgegenkommen, die sich immer wieder der Kritik ausgesetzt sieht, relativ hohe Mietpreise zu verlangen (zentralplus berichtete).

ABL-Mieterinnen verzichten aufs Auto

Ein detaillierter Blick aufs Mobilitätskonzept zeigt, dass von den zukünftigen Mietern auf dem Areal vor allem die ABL auf mögliche Parkplätze verzichtet. Andere Mieter wie die Feuerwehr, die EWL oder Viva Luzern schöpfen ihr Kontingent vollumfänglich oder zu grossen Teilen aus. Die ABL verzichtet hingegen auf die Hälfte der Parkplätze.

«Aus unserer Sicht ist der mobile Individualverkehr im Zentrum der Stadt keine gute Lösung.»

Benno Zgraggen, Sprecher ABL

Bei der ABL nachgefragt, ist die Nachhaltigkeit der Hauptgrund für den Verzicht auf die Parkplätze. So sagt ABL-Sprecher Benno Zgraggen: «Das Thema Nachhaltigkeit fordert uns auf, bei der Mobilität gute Lösungen zu finden. Aus unserer Sicht ist der mobile Individualverkehr im Zentrum der Stadt keine gute Lösung.»

Deshalb tendiere die ABL bei ihren zentralen Siedlungen dazu, weniger Parkplätze als möglich zu realisieren und dafür andere Mobilitätsangebote zu fördern. Wie eben zum Beispiel auf dem EWL-Areal in Form von Sharing-Angeboten, um eine «optimale» Nutzung der Parkplätze zu erreichen.

Das neue EWL-Areal wird mit dem Velo deutlich besser erreichbar sein, als mit dem Auto. (Bild: EWL Areal AG)

«Wir stellen fest, dass Menschen, die bei uns an Zentrumslagen wohnen, tendenziell ohne Auto, dafür mit alternativen Fortbewegungsmitteln oder Sharing unterwegs sind», so Zgraggen. Wer dennoch auf ein eigenes Auto angewiesen sei, dem stehen in den Siedlungen weiterhin Parkplätze zur Verfügung.

Über 900 Abstellplätze für das Velo

Der zweite Pfeiler der künftigen Erschliessung des EWL-Areals hat vier Buchstaben: Velo. Nebst dem verstärkten Fokus auf das Teilen von Autos und Parkplätzen kommt dem Velo auf dem Areal eine fundamentale Bedeutung zu. Das zeigt sich in der Zahl der geplanten Veloabstellplätze.

Über 900 Plätze für Velos wird es auf dem Areal geben, die meisten davon unterirdisch. Ein Drittel davon stehen als Kurzzeit-Parkplätze Besucherinnen und Kunden zur Verfügung. Zur Einordnung: Über 1000 Personen werden künftig auf dem Areal arbeiten oder wohnen. Darum braucht es aus Sicht der EWL auch entsprechend viele Velo-Abstellplätze.

Gemäss Parkplatzreglement wäre die EWL zum Bau von rund 700 Plätzen verpflichtet. «Wir wollen für Velos genügend Platz zur Verfügung stellen und insbesondere Cargo-Velos oder Veloanhänger benötigen mehr Platz als herkömmliche Velos», betont Anja Kloth.

Im Planungsbericht heisst es, dass durch die grosse Zahl der Veloparkplätze die Möglichkeit besteht, «die Veloabstellplätze bei Bedarf grosszügiger zu dimensionieren». So könne auf den Bedarf nach Plätzen für Cargo-Velos oder auch Roller flexibel reagiert werden.

Die EWL setzt somit ein klares Zeichen. Weniger Platz für Autos, deutlich mehr Platz für Velos. Sie wird in der Stadt Luzern nicht die letzte Bauherrin bleiben, die nach diesem Grundsatz plant.

Verwendete Quellen
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