Mehr Sicherheit auf E-Scootern

Erst gamen, dann fahren: Test für Betrunkene auch in Zug möglich

Für Betrunkene könnte es in Zug bald kein E-Scooter mehr geben (Symbolbild). (Bild: zvg)

Wer in Zürich und St. Gallen am Abend einen E-Scooter ausleihen will, muss erst einen Test bestehen. Wer zu betrunken ist, kriegt kein Trotti. Auch Zug prüft eine Einführung dieses Systems.

Sie sind praktisch, schnell, geräuschlos und überall ausleih- und abstellbar. Oder sie sind gefährlich, versperren den Weg und ein allgemeines Verkehrsrisiko. Die Rede ist von E-Scootern. Die Fahrzeuge, die im Trend liegen, polarisieren.

E-Scooter sind immer häufiger auf unseren Strassen zu beobachten. Insbesondere in der Stadt Zug, wo mit «Tier» und «Lime» gleich zwei Anbieter aktiv sind und die Fahrzeuge vermieten. Doch mit der steigenden Zahl der Nutzerinnen steigt auch die Zahl der Unfälle (zentralplus berichtete).

Zwar liegen der Suva noch keine aktuellen Zahlen vor. Die neusten, gesicherten Daten stammen aus dem Jahr 2020. Damals registrierte die Suva 1’500 und somit fast doppelt so viele Unfälle mit E-Scootern wie noch 2019 (800). Vor 2019 waren es jährlich nur rund 100 Unfälle. Gemäss Schätzungen der Suva waren es 2021 bereits 2500 Unfälle. Es ist anzunehmen, dass sich diese Entwicklung auch im darauffolgenden Jahr so fortgesetzt hat.

Oft verunfallen Betrunkene mit E-Scootern

In vielen dieser Fälle ist Alkohol im Spiel. Wie «Watson» berichtet, sind die Fahrerinnen in rund einem Drittel aller Fälle betrunken. Schliesslich ist es auch verlockend, nach dem Ausgang einfach ein E-Trotti zu entsperren und aufzusteigen, anstatt nach Hause zu laufen oder ein teures Taxi bezahlen zu müssen. Auch die Stadtpolizei Zürich schreibt gegenüber «SRF», dass in rund einem Drittel aller Unfälle mit E-Scootern unter Alkohol-Einfluss passieren.

Schnell, praktisch – und gefährlich. E-Scooter sind in der Schweiz immer öfters in Unfälle involviert. (Bild: zvg)

Wie gross dieses Problem in Zug ist, lässt sich nicht beziffern. Die Zuger Polizei führt keine entsprechende Statistik. Doch liest man die Medienberichte über Unfälle mit E-Scootern während der letzten Monate, so war die Fahrerin bei vielen dieser Unfälle betrunken.

Für Betrunkene gibt es kein E-Scooter

Die Städte und E-Scooter-Anbieter gehen dieses Problem nun gemeinsam an. Zürich und St. Gallen schreiten voran, Zug könnte bald nachziehen. Wer in St. Gallen oder Zürich am Abend ein E-Trotti ausleihen will, muss nämlich erst einen Test bestehen. Dieser prüft auf spielerische Art und Weise die Geschicklichkeit und Reaktionsfähigkeit des Spielers. Wer zu betrunken ist, fällt durch. Wer nüchtern – oder ein guter Gamer ist – darf fahren.

Mit «Tier» und «Lime» kennen beide in Zug präsenten Anbieter dieses System. «Tier» setzt dabei auf ein Spiel, bei dem das Handy während einer kurzen Zeitspanne so gedreht werden muss, dass es mit einer Linie auf dem Bildschirm übereinstimmt. In Zürich kommt dieses Spiel zwischen 21 und 4 Uhr in der Nacht zum Einsatz. Wer den Test nicht besteht, kann kein E-Trotti ausleihen und erhält stattdessen eine Empfehlung, den Fahrdienst «i&any» von Mobility zu nehmen.

Das Handy muss so gedreht werden, dass es mit der Linie auf dem Bildschirm übereinstimmt. (Bild: zvg)

Ähnlich funktioniert es bei «Lime». Dort muss vor der Fahrt ein Reaktionstest bestanden werden. Wer zu langsam reagiert, besteht den Test nicht. «Fällt ein Fahrer drei Mal durch den Test, kann für die nächsten zwei Stunden kein E-Scooter mehr in unserer App freigeschaltet werden», so «Lime»-Sprecher Lukas Schütz.

Der Test funktioniert, kommt aber nur selten zum Einsatz

Auch «Lime» setzt in Zürich vorerst in der Nacht auf dieses Spiel, doch der Anwendungszeitraum lässt sich beliebig wählen. Wie zum Beispiel am diesjährigen Oktoberfest in München. «Damit Fahrerinnen von E-Scootern zum Oktoberfest sicher und ohne Einfluss von Alkohol unterwegs sind, werden wir den Test zwischen 12 und 17 Uhr in der App freischalten», so Schütz. Danach können bis um 6 Uhr morgens rund um das Gelände gar keine E-Trottis mehr ausgeliehen werden.

«Auch in Zug prüfen wir die Einführung des Alkohol-Reaktionstests.»

Lukas Schütz, Sprecher Lime

Gemäss Lukas Schütz kommt es bei «Lime» ab und zu einer alkohol-bedingten Sperrung eines Scooters. Allerdings werden nur die wenigsten Tests nicht bestanden. Die Zahl der nicht bestandenen Tests bewegt sich im tiefen, einstelligen Prozentbereich.

Auch Zuger müssen wohl bald einen Test bestehen

Die Stadt Zug verfolgt die jüngsten Entwicklungen mit Interesse. Eine Einführung dieses Systems steht demnach zur Debatte, sagt Sprecher Dieter Müller auf Anfrage: «Die Stadt Zug wird die Möglichkeiten einer Umsetzung auf dem Gebiet der Stadt Zug zusammen mit den Anbietern prüfen.»

Diese zeigen sich offen für eine Einführung. «Auch in Zug prüfen wir die Einführung des Alkohol-Reaktionstests», sagt «Lime»-Sprecher Schütz. «Wir sprechen uns grundsätzlich dafür aus, die Reaktionstests verpflichtend und für alle Anbieter einzuführen.»

Gleich klingt es bei «Tier»-Sprecher Florian Anders: «Eine Einführung in Zug und anderen Orten in der Schweiz ist denkbar.» Voraussetzung sei aber, dass «Tier» immer auch bequeme Mobilitäts-Alternativen aufzeigen könne. Eine Zusammenarbeit wie mit Mobility in Zürich sei daher wichtig.

Dem Alkohol-Test stehen also alle Parteien offen gegenüber. Fraglich ist einzig, ob E-Scooter von «Tier» und «Lime» nächstes Jahr überhaupt noch in Zug anzutreffen sind. Denn die Stadt schreibt den Auftrag für die Vermietung von E-Trottis neu aus (zentralplus berichtete). Künftig will sie nur noch auf einen Anbieter setzen. Und nebst den Lokalmatadoren «Tier» und «Lime» hat mit «Voi» bereits ein weiterer Anbieter angekündigt, bei der Ausschreibung mitzumischen.

Aber auch «Voi» hat ein Spiel eingeführt, dass Betrunkene vom Scooterfahren abhalten soll. Darum ist es gut möglich, dass es in Zug bald weniger Blaufahrten auf E-Scootern geben wird.

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit der Stadt Zug
  • Artikel von «SRF»
  • Artikel von «Watson»
  • Schriftlicher Austausch mit «Lime» und «Tier»
  • Schriftlicher Austausch mit der Suva
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