Nach Tunnel-Nein

Eine U-Bahn fürs Ägerital – oder doch eine Seilbahn?

Thomas Werner will das Verkehrsproblem im Ägerital angehen. (Bild: Bild Thomas Werner: SVP; Bild Ägerisee: Andreas Busslinger)

Nach dem Aus für den Tunnel soll der Zuger Regierungsrat neue Lösungen fürs Ägerital finden. Denn SVP-Kantonsrat Thomas Werner fürchtet einen Verkehrskollaps.

Der Tunnel wird nicht gebaut – diese bittere Pille mussten die Unterägerer im März schlucken. Umso schmerzlicher war, dass zwar die Zuger den milliardenschweren Tunnelprojekten in Zug und Unterägeri einen Korb gaben. Die Bürger von Unterägeri aber mit 60 Prozent klar für die beiden Bauprojekte stimmten.

Was nun? Das ist die grosse Frage, die das Ägerital umtreibt und die SVP-Kantonsrat Thomas Werner zum Thema macht. Mit einem eingereichten Postulat fordert er den Zuger Regierungsrat auf, ein Verkehrskonzept für das Ägerital zu erarbeiten. Und macht bereits erste Vorschläge, was die Regierung prüfen soll: eine Velobahn, eine Bahnverbindung, eine U-Bahn und eine Seilbahn.

Mit seinem Vorstoss will Werner eine Diskussion ins Rollen bringen, wie sich das Verkehrsproblem am Ägerisee lösen lässt. Gegenüber zentralplus erklärt er, sein Ziel sei eine «Auslegeordnung». Alle Möglichkeiten sollen auf den Tisch kommen, um dem Chaos auf den Strassen zuvorzukommen.

Denn Werner fürchtet einen Verkehrskollaps auf der Strecke Zugersee–Ägerisee. «Der private und öffentliche Strassenverkehr zwischen dem Ägerital und dem Talkessel Zug wird weiter zunehmen und schon bald an die Kapazitätsgrenze der Strasse stossen», schreibt er in seinem Vorstoss.

SVP-Kantonsrat schlägt Velobahn Oberägeri–Zug vor

Deshalb soll die Regierung vier Möglichkeiten prüfen, um Menschen abseits der Strasse zu transportieren. Dafür empfiehlt Werner konkrete Machbarkeitsstudien inklusive Kostenschätzungen. Der erste seiner handfesten Vorschläge ist eine Velobahn von Oberägeri nach Zug und Baar Bahnhof, die separat von der Strasse verläuft.

«Die Dringlichkeit des Problems verlangt, dass alle zusammenarbeiten.»

Thomas Werner, SVP-Kantonsrat Zug

Velobahnen als Alternative für die Umfahrungstunnel schlugen bisher meist linke Parteien vor (zentralplus berichtete). Dass nun auch die SVP die Fahrradspuren ins Gespräch bringt, ist ungewöhnlich. Darauf angesprochen, sagt Werner: «Die Dringlichkeit des Problems verlangt, dass alle zusammenarbeiten.» Zudem gebe es gute Gründe für solche Velobahnen.

Erstens würden sie positiv auf den Verkehrsfluss wirken. Zweitens würden sie den Strassenverkehr entlasten, weil der Umstieg aufs Velo attraktiver wäre. Und drittens wäre für mehr Sicherheit auf den Strassen gesorgt – für alle Beteiligten. Momentan gebe es Abschnitte zwischen dem Ägerital und Zug/Baar, auf denen nicht einmal Fahrradspuren vorhanden seien.

Wie wärs mit einer U-Bahn?

Werners zweiter Vorschlag im Postulat: eine Bahnverbindung vom Ägerital nach Zug oder Baar inklusive «Park and Rail»-Angebot. Denn bisher gibt es zwischen Zug und Oberägeri nur eine Busverbindung. Und wer im ländlichen Raum wohnt, ist auf sein Auto angewiesen.

Augenbrauen hoch für die letzten zwei Ideen fürs Ägerital: Werner schlägt eine unterirdische Bahnverbindung vor. Diese U-Bahn könnte, wie die oberirdische Bahnverbindung, das Ägerital mit Zug oder Baar verbinden. Der SVP-Kantonsrat betont, dass auch Einstiegsmöglichkeiten in Neuägeri und Allenwinden wichtig wären.

Seilbahn ist jetzt kein Aprilscherz mehr

Am meisten erstaunt allerdings sein letzter Vorschlag: eine Seilbahnverbindung, ebenfalls mit Einstiegsmöglichkeiten in Neuägeri und Allenwinden. Wie bei der oberirdischen Bahnverbindung und der U-Bahn soll auch die Seilbahn ein integriertes «Park and Ride»-Angebot haben, damit man sein Auto stehen lassen kann.

Eine Seilbahn im Ägerital war bereits im April 2023 Gesprächsthema. Am 1. April veröffentlichte der Kanton eine Medienmitteilung, in der er die Bewilligung dafür verkündete. Demnächst werde im Kantonsrat ein Objektkredit für das Vorhaben beantragt, hiess es damals. Doch die Verwunderung war von kurzer Dauer – die öffentliche Hand hatte sich einen Aprilscherz erlaubt (zentralplus berichtete).

Alle Varianten prüfen – nicht nur Tunnel

Im Vorfeld der Abstimmung über die beiden Umfahrungstunnel kritisierte ALG-Kantonsrat Andreas Iten, dass kaum Alternativen zu den Tunneln geprüft wurden. «Andere Optionen oder Alternativen als ein Tunnel für den Autoverkehr wurden meines Wissens nicht abgeklärt und auch nicht in der Öffentlichkeit gezeigt», sagte er gegenüber zentralplus. Tatsächlich prüfte die Regierung Alternativen. Aber: Sie schaute nur verschiedene Tunnellösungen an. Und diese einzig im Vergleich zur voraussichtlichen Verkehrssituation im Jahr 2040 (zentralplus berichtete).

Das möchte Werner mit seinem Vorstoss nun ändern. Er will alle Möglichkeiten, wie das Verkehrsproblem im Ägerital zu lösen ist, zur Diskussion bringen. Zusammenfassend schliesst er in seinem Postulat: «Diese und allenfalls weitere Varianten inklusive Preisschild sollen sodann als Entscheidungsgrundlage für das künftige Verkehrskonzept dienen.»

Verwendete Quellen
  • Telefonisches Gespräch mit Thomas Werner, SVP-Kantonsrat Zug
  • Postulat von Thomas Werner
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