Lärmproblem an der Artherstrasse

Dieser Zuger kämpft hartnäckig um Ruhe am Zugersee

Daniel Brunner will, dass Autos auf der Artherstrasse – hier zwischen Fridbach und Oberwil – langsamer fahren. (Bild: kok)

Über 8000 Fahrzeuge fahren täglich auf der Artherstrasse in der Stadt Zug. Eine Lärmsanierung steht seit Jahren aus. Doch ein hartnäckiger Anwohner gibt nicht auf. Und feiert nun erneut Erfolge.

Ende März 2018 lief die 30-jährige Frist zur Lärmsanierung der Schweizer Kantons- und Gemeindestrassen ab. Doch vom Erfüllen der Lärmschutzvorgaben sind Kantone und viele Gemeinden meilenweit entfernt. So auch der Kanton Zug.

Grösster Verfechter von Lärmsanierungen in Zug ist Daniel Brunner. Gleich mehrere Beschwerden führt der als «roter Dani» bekannte Landis- und Gyr-Erbe und Gründer von Doku-Zug gegen den Kanton. Einer seiner wichtigsten Kämpfe wird vor seiner eigenen Haustür ausgefochten. Denn dort schiessen am Wochenende schnelle Sportwagen am See entlang (zentralplus berichtete).

Lärmsanierung der Artherstrasse fehlt

Die Artherstrasse ist die Hauptroute von Zug nach Arth und wurde zwischen 1930 und 1939 als Panoramastrecke für Autos ausgebaut. Heute ist die Kantonsstrasse entlang des Zugersees im Inventar der historischen Verkehrswege der Schweiz (IVS) verzeichnet und eine Hauptverbindung im Velonetz des Kantons. Trotzdem fahren täglich 8550 Fahrzeuge darauf in Richtung Süden oder in Richtung Grabenstrasse in Zug.

«Die ganze Strecke Casino über Oberwil bis durch Walchwil und zur Kantonsgrenze in Schwyz ist lärmsanierungspflichtig. Und doch ist nichts saniert», sagt Daniel Brunner am Telefon. Er ist wegen des Lärms auf der Grabenstrasse bereits bis vor Bundesgericht gegangen und hat recht bekommen (zentralplus berichtete).

Abschnitt Fridbach – Oberwil wird saniert, aber kürzer und später

Der Kanton Zug hat mehrere Sanierungsprojekte für einzelne Streckenabschnitte der Artherstrasse angekündigt – einiges ist aber verzögert.

Zum Beispiel der Abschnitt Fridbach nach Oberwil. Ursprünglich hätte der Kanton die gesamte Strecke bis Lotenbach lärmsanieren wollen. So schrieb es die Regierung 2018 in einer Antwort auf einen Vorstoss. Doch im Strassenbauprogramm 2023–2030 ist das Projekt nur noch bis zum Oberwiler Ortseingang an der Tellenmattstrasse angegeben.

Gemäss Strassenbauprogramm ist ein Baustart 2024 vorgesehen. Auf Anfrage von zentralplus teilt der Kanton jetzt mit, dass daraus nichts wird. Diesen Herbst würden die Standortgemeinde Zug und Fachstellen befragt. Die Sanierung sei auf 2026 angesetzt.

Hier verläuft die Artherstrasse unterhalb des St. Karlshof beim Salesianum stadteinwärts. (Bild: kok)

Vorgesehen ist Folgendes: Die Artherstrasse wird instandgesetzt, die Bushaltestelle Salesianum wird barrierefrei, beim Fridbachweg entsteht eine Trottoirüberfahrt, und das seeseitige Trottoir soll, wenn möglich, auf drei Meter verbreitert werden. Auch der Einbau von lärmarmem Belag ist geplant.

Kanton Zug stellt sich bei Geschwindigkeitsreduktion quer

Daniel Brunner zweifelt, dass lärmarmer Belag allein die Lärmprobleme lösen wird. «Viele Liegenschaften an der Artherstrasse liegen so stark über dem Emissionsgrenzwert, dass es kaum möglich ist, ohne Verkehrsberuhigung die Lärmschutzverordnung des Bundes einzuhalten.» Dies treffe auf Häuser zwischen Casino und Fridbach zu, wo Brunner lebt, aber auch auf Gebäude in Oberwil und Walchwil.

Ein geringes Tempolimit auf der Kantonsstrasse lehnt der Kanton allerdings ab. Auf Anfrage schreibt Baudirektor Florian Weber (FDP), ein Geschwindigkeitsgutachten zeige, «dass keine weitere Herabsetzung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h im Projektperimeter nötig, zweck- und verhältnismässig ist». So argumentierte die Regierung bereits 2022 auf Anfrage der Grünen.

«Ich finde es nicht angemessen, dass der Kanton mit einem Gutachten argumentiert, das nicht öffentlich einsehbar ist.»

Daniel Brunner

Brunner zweifelt an den Gründen des Kantons. Per Anwalt hat er daher das Gutachten verlangt, allerdings ohne Erfolg. «Ich finde es nicht angemessen, dass der Kanton mit einem Gutachten argumentiert, das nicht öffentlich einsehbar ist», sagt er nun. Per Öffentlichkeitsgesetz hat auch zentralplus das Gutachten verlangt. Eine Antwort des Kantons steht noch aus.

Casino bis Fridbach wurde 2014 saniert – aber ohne Lärmsanierung

Der Lärmkritiker Brunner ist mehr als aktiv. Vor über zwei Jahren hat er mit einem Dutzend Eigentümern und Anwohnerinnen ein Lärmsanierungsgesuch beim Kanton eingereicht. Es zielt auf den Bereich vom Casino bis zum Süden von Oberwil, wurde bisher aber nicht beantwortet.

Besonderes Pech für den engagierten Mann: Den Abschnitt der Artherstrasse vor seiner Tür, Casino bis Fridbach, hat der Kanton bereits 2014 saniert, allerdings ohne lärmarmen Belag. Nun vermutet Brunner, dass der Einbau eines solchen «auf Jahre hinaus nicht infrage» komme. Eine Lärmsanierung liege zudem aktuell auf Eis, wegen Einsprachen.

Ideenskizze von Daniel Brunner zeigt Wirkung

Ebenfalls 2022 hat Brunner daher einen weiteren Versuch gestartet, das Tempolimit auf der Artherstrasse zu verringern. Dafür hat er eine Ideenskizze bei einem Zuger Verkehrsplanungsbüro in Auftrag gegeben. Dieses zeigt, wie sich die Strecke entschleunigen lasse, inklusive eines neuen Velowegs.

Diese Tempolimite schlägt die Studie vor. (Bild: zvg)

Seine Studie habe nun Früchte getragen, meint Brunner. Im Juni hat Zug ein Konzept für einen «möglichst durchgehenden» Veloweg entlang der Artherstrasse in die Vernehmlassung geschickt (zentralplus berichtete). Regierungsrat Florian Weber schreibt, auf den Bau des Velowegs habe die Planung der Lärmsanierung einen Einfluss. An der Höchstgeschwindigkeit werde aber nicht gerüttelt.

Ebenfalls freuen dürfen sich die Anwohner der Grabenstrasse, von Casino in Richtung Kolinplatz. Dort baut der Kanton aktuell einen lärmarmen Belag ein. Auch wegen des Bundesgerichtsurteils, das Brunner einst erstritten hat. Ob er damit zufrieden ist? Halb halb. Für ihn ist klar: Verkehrsberuhigende Markierungen wie grosse Tempo-30-Zeichen müssten her. Oder eine Verschmälerung der Fahrbahn.

Verwendete Quellen
  • Artikel zur Ideenskizze im «Hochparterre»
  • Meldung des Kantons Zug zur Sanierung Grabenstrasse
  • Telefongespräch mit Daniel Brunner
  • Artikel der «Zuger Zeitung» zur Sanierung der Artherstrasse 2014
  • Liste des Strassenbauprogramms 2023–2030 Kanton Zug
  • Schriftlicher Austausch mit Baudirektor Florian Weber
  • Artikel im «SRF» zu bundesweiten Lärmschutzvorgaben
  • Interpellation der Grünen und Antwort der Regierung zur Artherstrasse
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