Verkehr & Mobilität

Derweil gibt's Lob für den Kanton
Die Stadt Zug bleibt für Velos ein heisses Pflaster

  • Lesezeit: 6 min
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Zuger Velodemo auf der Bahnhofstrasse im Jahr 2018. (Bild: zvg)

Mit einem umfassenden Schwachstellen-Katalog hat vor rund zwei Jahren auf die Velosituation im Kanton aufmerksam gemacht. Was hat sich seither getan? Pro zieht ein durchzogenes Fazit.

Pro Zug brachte im Frühling 2020 Bewegung in die Veloförderung im Kanton. Der Verein publizierte damals eine umfassende Liste sämtlicher Schwachstellen für den Veloverkehr im Kanton Zug. Rund 60 Problemstellen kamen so zusammen, über 20 davon alleine in der (zentralplus berichtete).

Was ist seither passiert? «Viel», findet , Co-Präsident von , doch fügt sogleich an: «Aber nicht auf allen Ebenen.» Denn Kanton und Gemeinden verfolgen in Zug aus seiner Sicht nicht immer dieselbe Velo-Agenda.

Kanton ist gesprächsbereit

Doch fangen wir eine Ebene weiter oben an, beim Bund. Das Parlament hat in der Frühlingssession 2022 das Veloweggesetz unter Dach und Fach gebracht. Das Gesetz geht auf eine Volksabstimmung aus dem Jahr 2018 zurück. Nun hat das nationale Parlament die Details des Gesetzes festgelegt. Kantone haben künftig die Pflicht, Velowege behördenverbindlich zu planen und für ein zusammenhängendes und sicheres Velowegnetz zu sorgen.

Was ändert sich dadurch im Kanton Zug? Vielleicht gar nicht so viel. Denn Victor Zoller stellt dem Kanton bereits heute gute Noten bei der Veloförderung aus. Dieser habe die Zeichen der Zeit erkannt und in den letzten Jahren das Thema Velo stärker priorisiert (zentralplus berichtete). So sagt auch der kantonale Baudirektor Florian Weber auf Anfrage: «Der Kanton Zug war bereits in der Vergangenheit aktiv in der Planung und Realisierung von Veloinfrastrukturen. Im neuen Veloweggesetz ist einiges enthalten, was im Kanton Zug bereits passiert.»

Der Co-Präsident von Pro Velo Zug hebt das in zwei Punkten hervor. Einerseits über die App «Bikeable», auf der der Kanton Zug seit Kurzem aktiv ist. «Auf dieser App tragen wir fleissig die Schwachstellen, aber auch die guten Punkte im Zuger Velowegnetz ein.» Der Kanton nimmt die Rückmeldungen auf und beantworte sie teilweise direkt über die App. «Es ist schön zu sehen, dass der Kanton unsere Punkte wahrnimmt», lobt Victor Zoller dieses Vorgehen.

Zug erhält ein Velonetz

Anderseits hat der Kanton Zug bereits vor der Verabschiedung des -Gesetzes eine kantonale Velonetzplanung erarbeitet. Den entsprechenden Bericht hat er im Dezember 2021 verabschiedet. Ziel dieser Planung: «Der Kanton Zug möchte im Planungshorizont 2040 den Veloverkehr aktiv fördern. Wichtiger Bestandteil davon ist ein gut ausgebautes, sicheres und attraktives Velonetz», heisst es im Bericht.

Der Bericht legt dar, wie ein zusammenhängendes Netz aus grösseren und kleineren Velowegen über das Kantonsgebiet gespannt werden soll. Schliesslich sollen so primär die Stadt Zug, Baar, Cham und Rotkreuz durch gut ausgebaute und direkte Velokorridore miteinander verbunden werden. Diese Veloachsen sollen durch ein engmaschiges Netz aus Haupt- und Nebenverbindungen für Velos ergänzt werden.

Dieses aktualisierte Velonetz bildet die Grundlage für die Überarbeitung des kantonalen Richtplans. Der Kanton Zug verfolgt mit dieser Strategie ambitionierte Ziele. Bis 2040 soll der Anteil der Velos am Zuger Gesamtverkehr rund 20 Prozent betragen. 2015 bei der letzten Erhebung betrug dieser noch Anteil 10 Prozent.

Stadt Zug bleibt heisses Pflaster

Alles im Butter also? Nicht, wenn es nach Victor Zoller geht. Er sieht gerade in der Stadt Zug nach wie vor grossen Handlungsbedarf für den Veloverkehr. «Der Kanton Zug hat signalisiert, dass er sich fürs Velo einsetzen will. In der Stadt hingegen erkenne ich davon wenig.» Die Stadt argumentiere immer mit den eingeschränkten Platzverhältnissen, die einen Ausbau der Velo-Infrastrutkur erschweren. «Leider wird die Stadt nicht kreativ auf der Suche nach Lösungen. Ein progressives Denken fehlt hier völlig», kritisiert Zoller.

Wo besteht denn aus seiner Sicht in Zug der grösste Handlungsbedarf? Zoller nennt drei Stellen, wo die Stadt Zug noch immer ein heisses Pflaster für Velos ist.

1. Zeughausgasse

In der Zeughausgasse in der Zuger Innenstadt herrschen bisweilen chaotische Zustände. Fussgängerinnen, Velos und Autos teilen sich den engen und unübersichtlichen Strassenraum. Die Fahrbahn weist eine eigenartige Geometrie auf. Ein- und ausparkierende Autos erschweren die Situation zusätzlich. «Hier braucht es eine autofreie Begegnungszone», fordert Victor Zoller. «Die Strasse hätte so viel Potential, das wegen der vielen Autos und Parkplätze überhaupt nicht zur Geltung kommt.»

Velos, Autos und Fussgänger prallen in der engen Zeughausgasse aufeinander.

Das Stadtzuger Baudepartement hält dem entgegen: «Eine Sperrung der Zeughausgasse für den motorisierten Individualverkehr würde zu Stau auf der Hauptachse führen.» Auch eine Begegnungszone für die Strasse komme nicht infrage, aber immerhin: Die Stadt prüfe derzeit eine Begegnungszone für den oberen Postplatz.

2. Loretostrasse

Auch in der Loretostrasse wünscht sich der Zuger Pro Velo Co-Präsident eine autofreie Zone. Heute würde die Strasse während der Stosszeiten vom Schleichverkehr zwischen der Stadt Zug und dem Ägerital blockiert. «Für Velos gibt es dann kein Durchkommen mehr», berichtet Zoller, der die Lösung für das Problem schon bereit hat. «Dieser Schleichverkehr sollte konsequent über die Tangente umgeleitet werden. Dafür wurde diese schliesslich gebaut.»

Doch das Baudepartement winkt ab. Die Loretostrasse sei eine wichtige Erschliessungsstrasse für die Anwohnerinnen. Zudem würde eine Sperrung den Verkehr auf die Löberenstrasse lenken und wäre somit kontraproduktiv

3. Vorstadt

Entlang der Zuger Vorstadt am See gibt es zwar einen gut ausgebauten Veloweg. Diesen müssen sich Fussgängerinnen und Velofahrer jedoch teilen. Das führt unweigerlich zu Konflikten zwischen Fuss- und Veloverkehr auf der beliebten Flaniermeile. Hier hat Victor Zoller ebenfalls einen Lösungsvorschlag: «Die beiden Spuren liessen sich ganz einfach räumlich voneinander trennen. Zum Beispiel mit einem flachen Randstein wie auf der Quaibrücke in Zürich.»

Für Zoller ist die Behebung dieses Konflikts ein grosses Anliegen: «Wir dürfen nicht die Interessen der Fussgänger und die der Velofahrerinnen gegeneinander ausspielen. Denn zusammen sind sie die flächeneffizientesten Verkehrsmittel.»

Hier entgegnet das Baudepartement, dass die beiden Spuren früher räumlich getrennt waren. Doch dann sei es zu Konflikten bei der Querung der verschiedenen Fussgängerstreifen gekommen. «Die Verkehrsführung erfolgt jetzt im Sinne von ‹Miteinander mit Respekt›. Derzeit laufen Abklärungen, ob man diese Situation mit einer verkehrsfreien Vorstadt verbessern könnte.»

Kränzchen für das Baudepartement

An einigen Stellen bindet Victor Zoller dem Baudepartement aber auch ein Kränzchen für das Engagement zugunsten des Velos. Beispielsweise an der Gubelstrasse. Hier ist es für Velofahrer nun erlaubt, die Busspur zu benutzen. Zoller bemängelt allerdings, dass diese Änderung nicht genügend gut ausgeschildert ist. Das Baudepartement hat das zur Kenntnis genommen: «In diesem Frühling werden zusätzlich Velopiktogramme angebracht, um dem Wunsch von Pro Velo Zug zu entsprechen», heisst es dort.

Die Busspur auf der Gubelstrasse ist für den Veloverkehr zugänglich. Im Frühjahr malt die Stadt die entsprechenden Piktogramme auf den Boden.

Und: Die Stadt ist ebenfalls aktiv auf der «Bikeable»-App. «Meldungen, die die Stadt betreffen, werden jeweils vom Kanton oder von Pro Velo Zug zeitnah zugestellt und beantwortet», schreibt das Baudepartement. Für Pro Velo Zug kann es vor diesem Hintergrund darum nur heissen: «Steter Tropfen höhlt den Stein.»

Verwendete Quellen
  • Persönliches Gespräch mit Victor Zoller
  • Schriftlicher Austausch mit dem Stadtzuger Baudepartement
  • Schriftlicher Austausch mit dem kantonalen Baudepartement
  • Rundgang durch die Stadt Zug
  • Informationen zum Veloweggesetz
  • Kantonale Velonetzplanung Zug
Weitere Quellen
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