Verkehr & Mobilität
Aussichtsloser Kampf von Hugo Ackermann

Der unermüdliche Gegner des Luzerner Durchgangsbahnhofs

Hugo Ackermann vor dem Sentimatt-Quartier. Hier sieht er den idealen Standort für den Durchgangsbahnhof Luzern. (Bild: ewi)

Kritische Stimmen zum Luzerner Durchgangsbahnhof gehen in der kollektiven Zustimmung zum Projekt unter. Hugo Ackermann findet das bedauerlich. Denn der Luzerner ist überzeugt, einen besseren Standort für das Jahrhundertprojekt ausgearbeitet zu haben: auf der Sentimatt.

Verkehrspolitik polarisiert – auch in Luzern. In wenigen politischen Themen scheinen die Fronten so verhärtet wie im Verkehr. Parkplätze, Velostation, Bypass – immer wieder sind es die gleichen Gegner und Befürworterinnen.

Eine Ausnahme ist der Durchgangsbahnhof Luzern (DBL). Dieser geniesst in der gesamten Region beinahe uneingeschränkte Unterstützung. Nicht alle mögen vom Projekt gleichermassen überzeugt sein. Dennoch hat in Luzern ein bemerkenswerter Schulterschluss über alle Parteien hinweg stattgefunden. Die Botschaft nach Bundesbern ist klar: Luzern will und braucht den Durchgangsbahnhof.

Durchgangsbahnhof soll im Norden der Stadt realisiert werden

Dass kritische Stimmen am Jahrhundertprojekt schnell im Keim erstickt werden, missfällt manchen Luzernern. Der prominenteste Gegner des DBL-Projekts war der Verein «Bahndreieck Luzern Nord» Dieser schlug als Alternative zum DBL am heutigen Standort des Bahnhofs eine Verkehrsdrehscheibe beim Sedel vor. Doch die Kritik des Vereins am DBL wurde aus Sicht der Vereinsmitglieder «totgeschwiegen» (zentralplus berichtete).

Auch Hugo Ackermann war früher Teil des Vereins Bahndreieck. Da dieser seinen Protest am DBL mittlerweile aufgegeben hat, kämpft der 88-Jährige nun auf eigene Faust gegen den Durchgangsbahnhof. Das Projekt sei, mitsamt der gesamten Stadtentwicklung der vergangenen 30 Jahre, ein «Drama». Also erarbeitete Ackermann eine Alternative zum geplanten DBL-Standort.

«Der Standort Sentimatt ist die bessere Lösung. Er erlaubt es, den DBL zu bauen, ohne das Stadtzentrum und den See komplett umzugraben.»

Hugo Ackermann

Ähnlich wie der Verein Bahndreieck schlägt auch der pensionierte Radiologe einen Durchgangsbahnhof im Norden der Stadt vor. Und zwar bei der Sentimatt. In 13 verschiedenen Skizzen zeichnet Ackermann akribisch auf, wie er sich das vorstellt:

Wendeschlaufe unter Musegghügel

Das gesamte Siedlungsgebiet unterhalb der Baselstrasse müsste dafür im Bereich zwischen Abzweiger Dammstrasse und Kreuzstutz abgerissen werden. Auf diesem Grundstück würde Luzerns neuer Durchgangsbahnhof entstehen. Ein mehrstöckiger, eingehauster Bahnhof mit Platz für vier Gleise. Auf dem überdachten Bahnhof liessen sich neuer Grünraum und neue Wohnhäuser errichten.

Von diesem Bahnhof führen die Gleise – wie heute bereits bestehend – in nördlicher Richtung weg in Richtung Rotsee und Verkehrshaus. In westlicher Richtung führen die Gleise nach Emmenbrücke und Littau. Dieser Durchgangsbahnhof wäre mit einem neuen, kleineren Bahnhof beim Steghof verbunden, über den die Züge der Zentralbahn verkehren und der das Stadtzentrum per Zug erschliesst. Eine grosse Wendeschlaufe unter dem Musegghügel würde dem System grosse Flexibilität verleihen und ihn so zum Durchgangsbahnhof machen.

Weiter gehen die Pläne Ackermanns auch im heutigen Stadtzentrum: Mit dem neuen Bahnhof im Norden der Stadt würde das gesamte Gebiet rund um den heute bestehenden Bahnhof inklusive der Gleise frei. In Hugo Ackermanns Augen ein Raum mit riesigem Potenzial für die Stadtentwicklung. Hier stellt sich Ackermann einen grossflächiger Park vor, mit Platz für das neue Luzerner Theater und ein Hochhaus.

Keine Zäsur für den Luzerner Tourismus

Er ist überzeugt: «Der Standort Sentimatt ist die bessere Lösung. Er erlaubt es, den DBL zu bauen, ohne das Stadtzentrum und den See komplett umzugraben. Für den Tourismus und damit auch für die Wirtschaft der Stadt Luzern ist das existenziell.» Zudem habe diese Variante einen zweiten Vorteil. «Der Bau des DBL könnte in Etappen realisiert werden. Die Einschränkungen für den Bahnverkehr wären dadurch sehr gering.»

«Es geht mir darum, dass es eine offene Abwägung der Alternativen gibt. Es ist unverantwortlich, dass man nicht wenigstens darüber spricht.»

Dass seine Variante mit dem Abbruch kompletter Häuserzeilen an der Dammstrasse und Lädeligasse ebenso radikale Massnahmen enthält wie der DBL im Stadtzentrum, will Ackermann so nicht bestätigen. «Schutzwürdig ist das Quartier nun wirklich nicht. Mit meinem Vorschlag würde aber unbestritten eine Aufwertung des Quartiers mit mehr Freiraum gelingen.»

Die Forderungen sind aussichtslos

Je nach Gesinnung mag man diese Ideen als echte Alternative einstufen, vielleicht aber auch als Utopie oder Illusion. Dass für den Durchgangsbahnhof nur der heutige Standort, in Kombination mit dem Bau des Neustadt- und des Dreilindentunnels, infrage kommt, ist längst beschlossene Sache. In den vergangenen Monaten hat die SBB zahlreiche Bodenuntersuchungen rund um den heutigen Bahnhof durchgeführt. Dies im Rahmen eines Vorprojekts. Die Resultate sollen noch dieses Jahr vorliegen. Auf deren Basis erarbeitet die SBB in der Folge das konkrete Bauprojekt, worüber das nationale Parlament voraussichtlich 2026 befindet.

Mit dem Dreilinden- und dem Neustadttunnel wird der Sackbahnhof Luzern Geschichte sein. (Bild: zvg)

Um sich zusammenfassend eines dazu passenden Sprichworts zu bedienen: Der Zug für alternative Ideen zum DBL ist längstens abgefahren. Dessen ist sich auch Hugo Ackermann bewusst: «Ich weiss, dass diese Ideen chancenlos sind.» Denn bei der Stadt sei er schon mehrmals auf taube Ohren gestossen.

«Der Stadtrat hörte sich meine Ideen kaum an», kritisiert Ackermann und fährt fort: «Und die Mitwirkung der Stadt zum Durchgangsbahnhof war eine reine Alibiübung.» Diese abweisende Haltung ist für ihn besonders stossend: «Ich weiss, dass ich keinen Einfluss habe. Aber es geht mir darum, dass es eine offene Abwägung der Alternativen gibt. Es ist unverantwortlich, dass man nicht wenigstens darüber spricht.»

Durchgangsbahnhof-Alternativen als Psychohygiene

Dass seine Ideen kaum angehört wurden, war letztlich auch der Grund, weshalb der 88-Jährige nach wie vor so viel Energie in das Projekt steckt. «Ich kam mir missbraucht vor. Und darum habe ich mich so in das Thema reingekniet.»

Aufgeben ist für ihn darum keine Option. Ackermann spricht in diesem Zusammenhang von Psychohygiene: «Ich will mir keine Vorwürfe machen müssen, dass ich nicht alles für meine Ideen getan habe.»

Denn letztlich hängt sein Engagement auch mit seiner Verbundenheit zur Stadt Luzern zusammen. Hugo Ackermann ist hier aufgewachsen und hat sein ganzes Leben in Luzern gewohnt.

Zwar ist ihm als 88-Jähriger bewusst, dass er die Fertigstellung des DBL vermutlich nicht mehr erleben wird. Für «sein» Luzern will er aber trotzdem nur das Beste: «Ich bin nicht Architekt oder Ingenieur. Aber ich stelle mir vor, wie die Stadt aussehen könnte. Und ich will mir Luzern nicht in diesem Chaos vorstellen, das der Durchgangsbahnhof bringt.»

Verwendete Quellen
  • Persönliches Gespräch mit Hugo Ackermann
  • Dokumente zum alternativen Standort
  • Informationen von Kanton und Stadt zum DBL

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