Verkehr & Mobilität
Regierung erklärt sich

Bargeldloses Postauto: Luzern kündigt eigene Schritte an

Noch kann man ein Billett im Postauto mit Bargeld kaufen. (Bild: PostAuto)

Das Bargeld im Postauto wird verschwinden – und die Luzerner Regierung akzeptiert das. Stattdessen kündigt sie an, wann das Bargeld aus den Bussen der Stadt und Agglomeration verschwindet.

Noch können Luzerner ihr Billett beim Postauto-Chauffeure kaufen. Doch bald soll sich das ändern. Billetts soll es künftig nur noch an Mini-Automaten im Passagierraum geben – ganz ohne Bargeld. Bis 2035 will das Unternehmen alle Linien im Land umstellen, hat Postauto-Chef Christian Plüss angekündigt.

Wie zentralplus publik machte, steht der Verkehrsverbund Luzern (VVL) hinter der Idee. Der Billett-Verkauf im Bus sei teuer sowie die Nachfrage deutlich abnehmend, erklärte eine Sprecherin im Herbst 2022 (zentralplus berichtete). Der Billett-Verkauf beim Fahrer sei in den Trolleybussen der Stadt zudem schon lange abgeschafft.

Luzerner Regierung lehnt SP-Motion ab

Das Thema rief kurz darauf die Politik auf den Plan. Mit einer Motion verlangte die SP Luzern von der Regierung, die Zugänglichkeit des öffentlichen Verkehrs für alle Personen zu sichern. Einige ältere und vulnerable Personen hätten Schwierigkeiten mit kontaktlosem Bezahlen. Für Kinder, Touristinnen und Menschen in «schwierigen finanziellen Lebenslagen» spiele Bargeld ausserdem eine wichtige Rolle.

Wie seine jüngste Antwort zeigt, ist der Regierungsrat von dem Vorstoss nicht überzeugt. Im öV-Bericht 2023 bis 2026 stehe bereits, dass die «Zugänglichkeit des öffentlichen Personenverkehrs durch eine Auswahl von Bezahlmöglichkeiten erhalten» bleiben müsse. Bevor der Kantonsrat den Bericht Anfang 2023 verabschiedet hat, hatte er diese Ergänzung verlangt.

In der Schweiz wird Billett-Verkauf komplett digital

Dagegen verzichtbar sei der Billett-Verkauf beim Chauffeur, zeigt die Antwort der Regierung. Vielmehr sei er eine «potenzielle Verspätungsquelle» im öffentlichen Verkehr. So sieht es auch der VVL und Postauto. Auf den ersten Linien im Kanton Graubünden hat Postauto das Bargeld daher bereits abgeschafft, berichteten Medien diesen Sommer. Nicht ohne Warnzeichen.

Die Postautostation in Chur: In Graubünden verkehren die ersten Linien ohne Bargeld. (Bild: Adobe Stock)

Sowohl die Stiftung für Konsumentenschutz als auch das Bundesamt für Verkehr haben gegenüber dem «SRF» signalisiert, dass «Non-Digitals» nicht schlechter gestellt werden dürfen. Der Konsumentenschutz nimmt zudem die Kantone in die Pflicht. In ihren Vereinbarungen mit Postauto können sie festhalten, ob Barzahlung akzeptiert werden muss.

Der Kanton Basel-Landschaft beispielsweise hat sich erfolgreich dagegen gewehrt, dass Bargeld völlig aus den Postautos verschwindet, schreibt «SRF». An jeder Haltestelle solle niederschwellig und anonym ein Ticket gelöst werden können, zitiert der «Tagesanzeiger» eine Sprecherin des Kantons. Der Kanton Luzern wird weniger deutlich.

Wie der Regierungsrat in seiner Antwort schreibt, gäbe es keine rechtlichen Gründe, gegen die von Postauto geplante Umstellung vorzugehen. Nicht nur der kantonale öV-Bericht, sondern auch ein Bundesgesetz verlange, dass die Dienstleistungen im öffentlichen Verkehr auch mit Bargeld bezahlbar sein müssen.

An den bedienten Verkaufsstellen in Luzern, Emmenbrücke, Schüpfheim, Willisau, Ruswil, Sursee, Hochdorf und Weggis sowie in Rotkreuz und Zofingen soll es weiter Billett gegen Münz geben. Und auch an den Billett-Automaten. Für die Regierung gäbe es somit nichts zu tun – sie beantragt, die SP-Motion abzulehnen.

Busse in der Agglomeration Luzern bald bargeldlos

Vielmehr scheinen sich der Kanton Luzern und Postauto mit der Umstellung einig zu sein. Das zeigen die Pläne der Luzerner Regierung für die Stadt und Agglomeration. Ab Dezember 2024 soll beim Fahrpersonal in allen Bussen nur noch kontaktloses Bezahlen möglich sein, schreibt die Regierung in ihrer Antwort. Auf dem Land soll die Umstellung später erfolgen.

Welche Bezahl-Möglichkeiten das Bargeld im Bus dereinst ersetzen werden, ist dabei offen. Die Regierung zieht sowohl Prepaid-Karten als auch Mini-Automaten, wie von Postauto geplant, in Erwägung. Ausserdem will sie sich von anderen Regionen der Schweiz inspirieren lassen.

Verwendete Quellen
  • Vorstoss und Stellungnahme der Regierung zur «digitalen Kluft beim Erwerb von öV-Tickets im Kanton Luzern»
  • zentralplus Medienarchiv
  • Details zum öV-Bericht 2023 bis 2026 und den Beratungen
  • Artikel vom «SRF Kassensturz»
  • Artikel im «Tagesanzeiger»
  • Artikel auf «Nau.ch»
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