Verkehr & Mobilität
SVP Kriens übt Kritik am Kanton

Ampel-Pläne: Rückhalt für den Mattenhof-Kreisel wächst

Vor Corona fuhren über 21'000 Autos täglich durch den Mattenhof-Kreisel in Kriens. (Bild: Emanuel Ammon)

Der Kreisel im Krienser Mattenhof soll in eine Kreuzung mit Ampeln umgebaut werden. So will es der Kanton. In Kriens regt sich jetzt Widerstand gegen das Vorhaben.

Wie bewältigen wir in den nächsten Jahren die wachsende Zahl der Autos, Busse und Velos? Das ist die grosse Frage in der Verkehrsplanung. Dabei kommt den sogenannten Knotenpunkten, also den Orten, wo mehrere Strassen zusammenkommen, eine wichtige Rolle zu. Sind die Knoten überlastet, wirkt sich das sofort auch auf den Verkehr der umliegenden Strassen aus. Willkommen im Feierabendstau!

Jahrelang galt der Kreisel als die Lösung dieses Problems. Ein Kreisel verspricht flüssigen Verkehr, egal, ob zu Rand- oder Stosszeiten. Darum war der Aufschrei in Luzern gross, als der Kanton in diesem Jahr verkündete, gewisse Kreisel in Kreuzungen umzubauen. Ausgerechnet um die Kapazität dieser Knoten zu verbessern. Allein in Sursee sind sieben Kreisel von diesen Massnahmen betroffen.

Und auch in der Agglomeration Luzerns gibt es einen prominenten Kreisel, der bald kein Kreisel mehr sein soll: Im Mattenhof in Kriens, wo 2019 täglich über 21'000 Autos durchfuhren (zentralplus berichtete). Doch gegen das kantonale Vorhaben regt sich Widerstand von mehreren Seiten. Zuerst aus Horw seitens der L20, jetzt aus Kriens von der SVP am anderen Ende des politischen Spektrums (zentralplus berichtete). Aber der Reihe nach.

Kreuzung statt Kreisel schafft mehr Platz für Busse

Mit der Entwicklung des gesamten Gebiets Luzern-Süd sowie mit dem bevorstehenden Bau der Pilatus-Arena rechnet der Kanton mit einer Verkehrszunahme von 40 Prozent am Kreisel Mattenhof. Das ist mehr, als dieser schlucken kann. Der Kanton befürchtet einen Verkehrskollaps und will darum eine Kreuzung mit Ampeln bauen.

«Es handelt sich also um eine politisch-ideologisch gesteuerte Massnahme.»

Patrick Koch, Einwohnerrat Kriens (SVP)

Gemäss Kanton ermögliche das eine bessere Steuerung des Verkehrs und die Bevorzugung der drei Buslinien 14, 16 und 21, die über den Knoten fahren. Als weitere Massnahme wird die Industriestrasse, die zur Ober-Kuonimatt führt, von der Kreuzung abgeschnitten und neu über die Ring- und Grabenhofstrasse erschlossen. Kostenpunkt des Umbaus: rund 10 Millionen Franken.

Skepsis gegenüber der kantonalen Planung

Für Patrick Koch ist das reine Geldverschwendung. Der Krienser SVP-Einwohnerrat hat ein Postulat eingereicht, mit dem er die Gemeinde dazu auffordert, «sich in jeder Hinsicht für den Erhalt des Mattenhof-Kreisels einzusetzen.» Stattdessen soll der Kanton Alternativen prüfen, wie der Bus bevorzugt werden kann, ohne den ganzen Kreisel rückzubauen.

Allerdings ist diese Prüfung längst geschehen. So berichtete die «Luzerner Zeitung» bereits im April, dass alle Alternativen zu einer Kreuzung beim Kanton durchfielen. Doch der Krienser Patrick Koch traut dieser Prüfung nicht über den Weg.

«Der ganze regionale Verkehr ist auf den Mattenhof-Kreisel abgestimmt. Es kann nicht einfach am Herzstück herumgebastelt werden.»

Patrick Koch

Er kritisiert, dass der Fokus beim Kanton nur auf dem ÖV und der Bevorzugung der Busse liegt. «Dass dabei der ganze Verkehr kollabiert, ist den verantwortlichen Verkehrsplanern nicht so wichtig. Es handelt sich also um eine politisch-ideologisch gesteuerte Massnahme.» Das Variantenstudium sei von «grünen ‹Verkehrsexperten›» berechnet worden. Ob die Lösung auch in der Praxis funktioniere, wisse man hingegen nicht.

Koch steht darum unumwunden zu seiner Skepsis am Variantenstudium des Kantons. Um das zu verdeutlichen, bemüht er sich gar eines bekannten Zitats: «In dieser Sache denke ich an den ehemaligen britischen Premierminister Sir Winston Churchill: ‹Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe.›».

Kreisel ist das «Herzstück» von Luzern-Süd

Der Krienser Einwohnerrat ist überzeugt vom Mattenhof-Kreisel. Es handle sich um ein Zeugnis verkehrsplanerischer Weitsicht. Denn normalerweise würden zuerst Wohnungen und Büros gebaut und erst dann die Strasseninfrastruktur der gestiegenen Nachfrage angepasst. «Aber gerade im Mattenhof haben die damaligen Behörden weitsichtig einen Grosskreisel erstellt. Die Vorteile sind vielseitig. Es fängt bei der Sicherheit an und endet bei der Durchlassgeschwindigkeit. Niemand muss unnötig warten.»

Der Krienser SVP-Einwohnerrat Patrick Koch. (Bild: Stadt Kriens)

Darum ist der Erhalt des Kreisels für Koch elementar, damit der gesamte Verkehr in Luzern-Süd reibungslos funktioniert. «Der ganze regionale Verkehr ist jetzt auf den Mattenhof-Kreisel abgestimmt. Es kann nicht einfach am Herzstück herumgebastelt werden.»

Auch Kosten sorgen für Kritik

Der Krienser stösst sich letztlich auch an den Projektkosten von zehn Millionen Franken. Zwar handelt es sich um eine Kantonsstrasse, weshalb der Kanton diese Kosten berappen müsste. Kriens müsste aber den Umbau der Industriestrasse zahlen, da es sich dabei um eine Gemeindestrasse handelt. Und Koch wendet ein: «Jeder Krienser bezahlt auch Kantonssteuern. Als Bürger einer finanziell ausgebluteten Stadt habe ich kein Verständnis dafür, dass die öffentliche Hand 10 Millionen Franken verschleudert.»

Koch betont nochmals, dass es für zehn Millionen bessere Lösungen gäbe. Als Alternative schlägt er ein System wie beim Kreisel Schachenweid in Ebikon vor. Dort hat es vor dem Kreisel eine Ampel. Diese lässt den Bus von der Busspur zuerst in den Kreisel. Der Bus hat freie Fahrt und erreicht die nächste Haltestelle ohne Verzögerung. Das System funktioniert gut und die Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) lobten den Kreisel gegenüber der «Luzerner Zeitung» in den höchsten Tönen.

Kreisel-Diskussion hat erst angefangen

Warum dieses System für den Mattenhof-Kreisel kein Thema ist, will der Kanton auf Anfrage nicht preisgeben. Zwar handelt es sich um eine andere politische Ebene. Trotzdem will der Kanton der Diskussion im Krienser Parlament nicht vorgreifen, heisst es beim Baudepartement.

Auch in Horw wird der Mattenhof-Kreisel wegen des erwähnten Vorstosses der L20 noch für Diskussionen sorgen. Zudem werde in Horw wohl auch die SVP noch aktiv, wie Koch ankündigt. Die Horwer befürchten, dass wegen der Kreuzung im Mattenhof mehr Autos als Ausweichroute durchs Horwer Zentrum fahren werden.

Der Gemeinderat hat in einem entsprechenden Geschäft im Jahr 2019 aber schon betont, dass er im Zusammenhang mit den Entwicklungen im Mattenhof keine negativen Auswirkungen für das Horwer Zentrum befürchtet. Der Anteil des Ausweichverkehrs wird bloss auf vier Prozent des bestehenden Verkehrs geschätzt. Dieser Zuwachs sei zu vernachlässigen.

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