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Verkauft: Zukunft von Krienser Jugendstil-Hotel gefährdet
  • Wirtschaft
Maria Rita Marbach führte das Hotel-Restaurant zusammen mit ihrem Mann. (Bild: sk)

Hotelier-Paar gibt Central nach 50 Jahren auf Verkauft: Zukunft von Krienser Jugendstil-Hotel gefährdet

3 min Lesezeit 1 Kommentar 04.05.2017, 17:55 Uhr

Nach einem halben Jahrhundert gibt das Wirtepaar Marbach den Betrieb des Hotel-Restaurants Central in Kriens altershalber auf. Die neue Hergiswiler Besitzerfirma lässt sich nicht in die Karten blicken – die Zukunft des Gebäudes steht derzeit in der Schwebe.

 

Das Hotel Central in Kriens steht an prominenter Lage nahe der Obernaustrasse und sticht ins Auge: Das fünfstöckige Jugendstilgebäude in Rosarot und Weiss ist ein Schmuckstück. Das Hotel und Restaurant ist seit langem in Familienbesitz: Heinz Peter Marbach und seine Frau führten das Central fast 50 Jahre. Damit soll jetzt Schluss sein: Altershalber haben sie das Gebäude verkauft.

Unglücklich ist Maria Rita Marbach über den Verkauf zwar nicht: «Es wurde höchste Zeit. Wir sind beide über 80.» Etwas wehmütig erzählt sie aber doch von den Freunden und Gruppen aus Kriens, die im Restaurant auf ein Glas Wein vorbeikamen. Auch bei der Galli-Zunft sei das Hotel beliebt gewesen.

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Gut besucht, aber nicht immer einfach

Viele Touristengruppen aus China und Kanada buchten Übernachtungen im Hotel. Dieses war immer gut besucht. Doch Rita Marbach machte mit den Gruppen in den letzten Jahren nicht nur gute Erfahrungen: «Die Touristen haben manchmal Kabel von den Lampen durchgeschnitten oder die Räume verdreckt.» Das sei ärgerlich, wenn man  immer wieder viel Zeit und Geld in Umbau und Modernisierung gesteckt hat.

Gerne zeigt sie trotzdem, wie sich ihre Investitionen ausgewirkt haben: Die Zimmer sind sorgfältig hergerichtet, manche sind behindertengerecht umgebaut. Ausserdem, so Marbach, seien die Leitungen und die Bausubstanz noch gut erhalten. Gekauft hat das fünfstöckige Gebäude auf den 1. Mai die «Blolife Estate AG» aus Hergiswil, die sich dem Verkauf und der Vermietung von Wohnungen und Immobilien widmet. Inhaber Oliver Blätter: «Wir erarbeiten derzeit ein Konzept für das Gebäude.» Bis wann diese Pläne stehen, weiss Blättler zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Auch zu konkreten Vorstellungen, wie er das markante Gebäude in Zukunft nützen möchte, äussert sich Blättler nicht.

Ein Hotelzimmer im Hotel-Restaurant Central.

Ein Hotelzimmer im Hotel-Restaurant Central.

(Bild: sk)

Bleibt Gebäude erhalten?

Maria Rita Marbach ist erstaunlich offen, was die Zukunft des Hotels betrifft. Das Restaurant soll laut Marbach erhalten bleiben. Sie vermutet, dass das Hotel entweder bestehen bleiben wird oder dass daraus Wohnungen werden. Denn: Abgerissen werden dürfe das Haus nicht, glaubt Marbach.

Doch der Jugendstilbau untersteht trotz seines Alters und repräsentativen Charakters keinen aussergewöhnlichen Restriktionen. Das Gebäude gehört zur erweiterten Zentrumszone, erklärt der Krienser Bauvorsteher Matthias Senn: «Es steht weder im kantonalen Denkmalverzeichnis noch gehört es einer Ortsbildschutzzone an.» Zwar wäre für ein etwaiger Ersatzneubau wie üblich ein Baugesuch notwendig, doch ein Abriss ist unter diesen juristischen Rahmenbedingungen möglich.

Diese Befürchtung wurde schon in den sozialen Medien laut: Teilnehmer der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Kriens wenn…» diskutierten den Wechsel im Hotel und die Qualität der Zimmer rege. Der Grundton ist aber: Das schöne Haus soll erhalten werden.

Das ehemalige Hotel-Restaurant Central an der Schachenstrasse.

Das ehemalige Hotel-Restaurant Central an der Schachenstrasse.

(Bild: sk)

Krienser Tourismus im Wandel?

Ron Prêtre, Direktor des Hotels Sonnenberg und Präsident von Kriens Tourismus, weiss indes nichts vom Wechsel. Er kommentiert die Neuigkeit zurückhaltend: «Für den Tourismus hier ist es immer problematisch, wenn Hotelzimmer wegfallen. Gleichzeitig bietet eine solche Entwicklung aber auch Möglichkeiten.»

Was denn eine solche Möglichkeit ist, mag er nicht sagen. «Dafür müssten wir wissen, was der Markt denn eigentlich in Kriens braucht.» In den letzten Jahren übernachten hier jeweils über 50’000 Personen, wie auf der Webseite der Gemeinde zu lesen ist. Kriens profitiert vom Pilatus und der Nähe zur Stadt Luzern.

Die Gemeinde hätte aber auch viele eigene Attraktionen, wie die Sonnenbergbahn, das Schloss Schauensee, das Museum Bellpark oder die Hergiswaldbrücke, zu bieten, wie der Gemeinderat im kriensinfo festhielt. Eine Strategie zur Förderung des Krienser Tourismus erarbeitete die Gemeinde aber erst im letzten Jahr. Die allenfalls fehlenden Betten dürften aber langfristig nicht zum Problem werden: Im Mattenhof Kriens eröffnet 2018 ein Hotel der Holiday Inn Express-Kette (zentralplus berichtete).

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1 Kommentare
  1. elmar kurze, 04.05.2017, 19:19 Uhr

    Immer wieder wird Historismus mit Jugendstil verwechselt. Das Gebäude ist im Historistischem Sil gebaut und nicht im Jugendstil. Jugendstilgebäude sind in Luzern nur sehr selten. Eines davon steht in Luzern an der Sempacherstr. 3.

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