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Verheirateter Mönch lebt Zölibat
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Gen Kelsang Gyalchog ist der Leiter des Nalanda Zentrums Luzern im Stadtteil Reussbühl. (Bild: azi)

Buddhistischer Zentrumsleiter aus Luzern Verheirateter Mönch lebt Zölibat

4 min Lesezeit 1 Kommentar 15.06.2015, 10:33 Uhr

Kelsang Gyalchog vereint Gegensätze: Er ist Katholik und buddhistischer Mönch, verdient seinen Lebensunterhalt als Buschauffeur und lebt im Zölibat − obwohl er verheiratet ist. Was er im Alltag schwieriger findet als den Verzicht auf Sexualität.

Zehn Jahre ist es her, seit aus Raphaël Kilchör ein buddhistischer Mönch namens Kelsang Gyalchog wurde. «Zum Buddhismus konvertiert man nicht», erklärt Gyalchog. «Jeder, der aufrichtig Zuflucht bei Buddha, seiner Lehre und der spirituellen Gemeinschaft − der Sangha − sucht, ist ein Buddhist.» Für ihn trifft das seit über 22 Jahren zu. Dennoch ist er in der katholischen Kirche geblieben. Er habe keinen Grund für den Austritt gesehen, meint er. Noch heute besucht er gerne Kirchen, gerade etwa, wenn er auf einer Wanderung am Wegrand auf eine Kapelle trifft.

«Genau wie buddhistische Tempel sind Kirchen Orte der Kraft mit einer besonderen Atmosphäre und Stille», sagt Gyalchog. «Darin kann man dieselbe Energie erfahren.» Daher sei es auch kein Widerspruch, Buddhist und Katholik zu sein. Im Gegenteil, lacht der 59-Jährige. «Ich bin durch den Buddhismus zu einem besseren Christen geworden.»

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«Dharma ist Medizin»

Leiter eines buddhistischen Tempels

Gen Kelsang Gyalchog ist der Zentrumsleiter des Nalanda Zentrums Luzern. Der buddhistische Tempel befindet sich im Luzerner Stadtteil Reussbühl. Die Neue Kadampa Tradition ist eine wachsende Non-Profit-Organisation mit mehr als 1'200 Zentren und Gruppen auf der ganzen Welt. Die Gemeinschaft stützt sich auf die Lehren von Buddha Shakyamuni, dem Gründer des Buddhismus.

Die Bedeutung vieler christlicher Werte sei ihm erst durch das Studium der Lehre Buddhas klargeworden. Etwa, was Nächstenliebe beinhaltet, was es heisst, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen − oder, dass es wichtig ist, heilige Wesen mit Gebeten und Ritualen zu ehren und Bitten an sie zu richten.

Mit dem Buddhismus habe er seinen Weg − oder sein Zuhause, wie er es nennt − gefunden. «Der Buddhismus ist ein Allheilmittel», ist er überzeugt. Eine Religion, eine Philosophie und eine Weltanschauung, die ihm helfe, mehr Selbsterkenntnis zu gewinnen und Alltagsschwierigkeiten zu überwinden. «Dharma (die buddhistische Lehre, Anm. d. Red.) ist wie Medizin. Sie nützt nichts, wenn man nur die Packungsbeilage liest», sagt er. Deshalb sei für ihn schon nach kurzer Zeit klar gewesen, dass er die «Pille schlucken» wollte, also das Gelesene in die Praxis umsetzen.

Zölibat trotz Heirat

2005 wurde er vom spirituellen Meister der Kadampa-Tradition (siehe Box) zum Mönch ordiniert und lebt seither gemäss den Gelübden, die er damals abgelegt hat. Dazu gehört auch ein Leben im Zölibat − obwohl er noch heute verheiratet ist. Seit rund 40 Jahren ist er mit seiner Frau zusammen. «Ein Leben im Zölibat beginnt nicht von heute auf morgen», so Gyalchog. Bereits vor seiner Ordination habe er lange zölibatär gelebt und dabei mit seiner Frau einen Weg gefunden, die Partnerschaft aufrechtzuerhalten.

«Es gibt Höhen und Tiefen − wie im Leben eines jeden Menschen.»
Gen Kelsang Gyalchog, buddhistischer Mönch aus Luzern

Ob es ihm schwerfällt, auf Sexualität zu verzichten? «Der Zölibat ist für mich eine Selbstverständlichkeit», sagt Gyalchog. Es gebe andere Dinge, die ihm im Alltag weitaus schwerer fielen. «Wie schnell rutscht einem doch eine kleine Notlüge über die Lippen», lacht der gebürtige Zürcher, der eine Ruhe und Zufriedenheit ausstrahlt, die ansteckend ist.

Meditation für Frieden und Glückseligkeit

Dennoch hat auch ein Mönch hin und wieder mit sich selbst zu kämpfen. «Es gibt Höhen und Tiefen − wie im Leben eines jeden Menschen», erzählt er und erklärt, dass die Arbeit an sich auch als Mönch nie abgeschlossen ist. Gerade die Meditation sei dazu sehr wichtig. Gyalchog ist davon überzeugt, dass der Ursprung allen Glücks im eigenen Geist liegt − und nicht in materiellen Gegenständen oder anderen Menschen zu finden ist.

«Keine Erwartungen zu haben, ist einer der Schlüssel für ein glücklicheres Leben.»
 Gen Kelsang Gyalchog, buddhistischer Mönch

«Gleichzeitig entspringt auch alles Leiden dem eigenen Geist», meint er weiter. Als Buddhist sei es das Ziel, jegliches Leiden dauerhaft zu beseitigen und den Geist durch die Meditation positiv zu prägen, um so den Weg zum Frieden und zur Glückseligkeit zu finden. «Was du säst, wirst du auch ernten, das kennt man auch im Christentum», meint Gyalchog und erklärt: «Als Buddhist sät man ohne Erwartungshaltung an den Zeitpunkt der Ernte. Keine Erwartungen zu haben, ist einer der Schlüssel für ein glücklicheres Leben», ist er sich sicher. «Man ist zufrieden mit dem Säen von guten Samen im Geist.»

Mönch und Buschauffeur

Nebst seiner ehrenamtlichen Lehrtätigkeit im Nalanda Zentrum in Luzern und im Centro Menla Tessin verdient Gyalchog seinen Lebensunterhalt mit einem ganz weltlichen Beruf: als Teilzeit-Buschauffeur bei den Zürcher Verkehrsbetrieben (VBZ). «Es ist ein genialer Job», so der Mönch. Dies, da er problemlos mit der buddhistischen Ethik vereinbart werden könne und genug Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben − den spirituellen Weg − bleibe.

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1 Kommentare
  1. Daniel Andenmatten, 15.06.2015, 12:36 Uhr

    “Der Ursprung allen Glücks liegt im eigenen Geist, gleichzeitig entspringt auch alles Leiden dem eigenen Geist” – eine Aussage, die es in sich hat und in der Tat die Lebensqualität auf eine völlig neue Ebene zu stellen vermag!