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Vergewaltiger von Emmen bleibt unauffindbar
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In einem Waldstück in Uster wurde eine Joggerin tätlich angegriffen. Der Fall erinnert an den Vergewaltigungsfall von Emmen. (Bild: zvg)

Hoffnung zerplatzt Vergewaltiger von Emmen bleibt unauffindbar

3 min Lesezeit 12.01.2016, 14:39 Uhr

In Zürich wurde ein Mann verhaftet, der in einem Waldstück in Uster versucht hatte, eine Joggerin sexuell zu missbrauchen. Luzerner Behörden witterten einen Zusammenhang mit dem Vergewaltigungsfall in Emmen und schlossen sich mit der Kapo Zürich zusammen. Die Klärung des Falls schien in greifbarer Nähe.

Ein Delikt in Zürich machte die Luzerner Behörden hellhörig: In einem Waldstück in Uster ist eine Joggerin sexuell belästigt worden (siehe Box). Das weckte Erinnerungen an den Vergewaltigungsfall von Emmen. Zumal es sich bei dem Verhafteten von Uster um einen geständigen Wiederholungstäter handelt. «Aufgrund unserer Ermittlungen und den vorliegenden Erkenntnissen ist es nicht auszuschliessen, dass noch weitere Frauen Opfer des Mannes wurden», sagte der Zürcher Kapo-Sprecher Werner Schaub gegenüber «20 Minuten».

Beim Verhafteten aus Uster handle es sich um einen 28-jährigen, abgewiesenen Asylbewerber aus Marokko. Kapo-Sprecher Werner Schaub: «Er wurde bereits von der Polizei befragt und ist geständig.» Noch gleichentags habe sich ein weiteres Opfer bei der Zürcher Polizei gemeldet. Sie sei ebenfalls in Uster durch einen Unbekannten sexuell angegangen worden. Aufgrund der Ermittlungen hat der Verdacht bestanden, dass es sich in diesem Fall um den gleichen Täter handeln könnte. In einer ersten Befragung hat der 28-Jährige auch diese Tat gestanden. Die Kapo Zürich schloss nicht aus, dass derselbe Mann noch weitere Straftaten begangen habe.

Der Fall Uster

Am Sonntag, 10. Januar 2016, ging eine Frau mit ihren Hunden um die Mittagszeit durch einen Wald in Uster spazieren. Plötzlich vernahm sie Hilfeschreie. Sie folgte den Rufen und sah schliesslich einen Mann nordafrikanischen Aussehens, der eine Joggerin (37) mit Gewalt zu Boden drückte. Dieser liess von seinem Opfer ab, als er die Spaziergängerin erblickte. Er floh mit einem Velo. Weil sofort eine Fahndung eingeleitet worden sei, konnten zwei Verkehrspolizisten der Kantonspolizei Zürich den mutmasslichen Täter kurz darauf verhaften.

Verbindung zu Emmen?

Sofort wurde die Mutmassung laut, dass dabei eine Verbindung zum Vergewaltigungsfall von Emmen bestehen könnte. Deshalb haben sich die Luzerner Behörden mit Zürich in Verbindung gesetzt. Es wurde nicht ausgeschlossen, dass man einen DNA-Treffer landet. Wie Simon Kopp, Sprecher der Luzerner Staatsanwaltschaft, erklärt, würden Sexualdelikte automatisch in einer nationalen Datenbank erfasst. Das gelte auch für die DNA des jeweiligen Täters. «Wenn es eine Übereinstimmung gibt, kommt bei uns sofort eine Meldung», sagt Kopp.

Bis die DNA-Probe ausgewertet ist, dauere es in der Regel ein paar Tage, sagte Werner Schaub, Sprecher der Zürcher Kantonspolizei, am Dienstagmorgen. Die Probe sei dem Mann unmittelbar nach der Festnahme entnommen worden, wie es bei solchen Delikten Standard sei. Derweil keimte bei den Luzernern Behörden die leise Hoffnung auf, der Festnahme des Vergewaltigers von Emmen einen grossen Schritt näher gekommen zu sein. Simon Kopp sagte gegenüber der «Neuen Luzerner Zeitung»: «Das wäre ein unerwarteter, aber wichtiger Treffer.»

«Die DNA stimmt nicht überein.»

Gregory Bosshard, Staatsanwaltschaft See-Oberland Zürich

Hoffnung zerplatzt

Nun ist jedoch klar, dass es sich bei dem Mann aus Uster nicht um den Täter in Emmen handelt. «Die DNA stimmt nicht überein», sagt Gregory Bosshard von der Staatsanwaltschaft See-Oberland im Kanton Zürich gegenüber dem Blick. Ob es andere Treffer in der nationalen Datenbank gab, wolle er nicht mitteilen. Ebenfalls keine Aussagen macht er dazu, ob es in Uster in jüngster Zeit weitere Opfer gegeben hat, die sich zwischenzeitlich gemeldet haben. Das sei «noch in Abklärung», sagt Bosshard. Er habe Antrag auf Untersuchungshaft gestellt.

Das 26-jährige Opfer von Emmen, das seit dem Vorfall vom Hals abwärts gelähmt ist, konnte dazumals nur vage Angaben zum Täter machen. Er sei zwischen 19 und 25 Jahre alt, zwischen 170 und 180 Zentimeter gross, schlank, habe gekraustes Haar, spreche gebrochen Deutsch und sei Raucher. Zum ersten Mal in der Geschichte des Kantons Luzern führte die Justiz damals einen Massen-DNA-Test durch. 372 Männer wurden getestet. Trotz diesem Massen-DNA-Test konnte der Täter aus Emmen bisher noch nicht gefasst werden.

Im Interview mit zentral+ sprach Simon Kopp von der Luzerner Staatsanwaltschaft Ende letzten Jahres über den aktuellen Stand im Fall Emmen. Drei Personen wurden zu diesem Zeitpunkt vorübergehend festgenommen und 14 DNA-Proben konnten noch nicht erhoben werden, weil sich die Personen im Ausland oder in den Ferien befinden. Falls der Massen-DNA-Test nicht erfolgreich sein sollte, werde man die Ermittlungen anderweitig weiterführen. «Wir haben diverse Ermittlungen am Laufen. Die Situation wird auch immer wieder neu eingeschätzt. Wir wollen diesen Täter fassen. Jetzt gilt es aber erst einmal, alle Testresultate abzuwarten und die anderen Ermittlungen weiterzuführen», sagte Kopp.

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