Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
Verborgene Symbole im Stein
  • Kultur
  • Rezension
Kleine Symbole, die man im Alltag gar nicht wahrnimmt, kommen bei der Stadtführung unter die Lupe (Bild: Luisa Tschannen)

So schufteten die Steinmetze der Stadt Zug Verborgene Symbole im Stein

3 min Lesezeit 23.04.2017, 13:54 Uhr

Samstagmorgen, 9.40 Uhr. Nach und nach treffen beim Zytturm in Zug die Neugierigen ein. Um 9.50 Uhr beginnt hier eine Stadtführung. Sie ist offen für alle, eine Anmeldung ist nicht nötig. Aber einen 5-Fränkler mitbringen, bitte. Denn so viel – oder vielmehr so wenig – kostet die Führung durch die Zuger Geschichte.

 

Die Gruppe, die sich heute versammelt hat, um etwas über die Steinmetze in Zug zu erfahren, besteht aus zehn Personen. Die meisten Zuhörer sind schon etwas älter und kommen aus Zug. Sie sind hier, um etwas über die verborgenen Symbole im Stein zu erfahren, über die Geschichten, die sie erzählen.

Die Führung beginnt. Ueli Fritsche, der uns von Spätgotik und Steinmetzen erzählen wird, begrüsst die Anwesenden. Die Stimmung ist locker, der Morgen und die Gemüter frisch. Die kleine Anzahl an Teilnehmern hört aufmerksam zu. Eine angenehme Gruppe, wo jeder mit jedem reden – oder für sich schweigen und zuhören kann.

Unterstütze Zentralplus

Blaues Gewand und Hosen aus englischem Leder

In allen mittelalterlichen Städten finden sich an den Steinen der alten Gebäude merkwürdige Insignien. Striche, die aussehen wie Buchstaben, die es in unserem Alphabet nicht gibt. Sie sind überall an den Wänden zu entdecken, sobald man einmal weiss, wohin man seinen Blick richten soll. Diese Inschriften, so erzählt uns Ueli Fritsche, sind die Abzeichen der Steinmetze. Steinmetz wurde man erst nach einer zehnjährigen Ausbildung. Erst dann durfte man sich des Berufes eines Steinmetzen bürden und schicklich gekleidet durch die Stadt Zug des 15. Jahrhunderts flanieren: Ein blaues Gewand, weisse Hosen aus englischem Leder, ein Mützchen und ein schwarzer Schal gehörten zur Ausstattung eines jeden Steinmetzen.

Die Führung macht an zahlreichen Orten in der Zuger Altstadt halt, wo die Teilnehmer weiter in die Geschichte eintauchen. Zu erfahren ist, wie die Gesellschaft in anderen Jahrhunderten funktionierte und wie Menschen in ihr handelten. Die Spuren davon finden sich noch immer in allen Altstädten der Schweiz. Sie sind ständig um uns, und durch eine Stadtführung kommen wir ihnen auf die Spur. Erfahren, wie Dinge, die bis ins heutige Jahrhundert nachwirken, entstanden sind.

Weiss, blau, weiss – die Farben Zugs.

Weiss, blau, weiss – die Farben Zugs.

(Bild: Luisa Tschannen)

Begeisterung über verborgene Welt

So erfahren wir zum Beispiel von den Vorfahren der Leitplanke. Ein Granitstein, der an einer Strassenecke in der Altstadt steht, hatte früher die Aufgabe, die Kutschen hemmungsloser Fahrer wieder zurück auf die Strasse zu bugsieren, sollten sie den Hausmauern zu nahe kommen.

Der geistreiche Humor des Stadtführers macht die Führung zu einem echten Genuss. Seine Begeisterung über die Stadt und ihre Geschichte steckt an. Die Schönheit der altertümlichen Handwerkskunst, die zahlreichen Symbole in den Wänden. Eine verborgene, vergangene Welt bringt dem Zuschauer von heute den Menschen von damals näher.

Sogar ein Papagei

In der Eingangshalle des Rathauses befühlen wir mit geschlossenen Augen den feinen Sandstein. Dann führt uns Ueli Fritsche in den wunderschönen gotischen Saal des Rathauses. Der Saal ist bekleidet mit Schnitzereien aus Lindenholz, alle einzigartig und sorgfältig ausgearbeitet. Selbst ein geschnitzter Papagei findet sich unter ihnen.

Wir gehen weiter durch den sonnigen Samstagmorgen zur Mariahilf-Kapelle und zur St.-Oswald-Kirche und finden weitere Zeichen, mit welchen sich die Steinmetze verewigt haben.

Oftmals sind es ganz kleine Details.

Oftmals sind es ganz kleine Details.

(Bild: Luisa Tschannen)

Gespickt mit zahlreichen Anekdoten und viel Witz wird die Führung zu einem unterhaltsamen und sehr lohnenswerten Ausflug. Die Gruppengrösse ist angenehm und die Stimmung locker. Für nur sehr wenig Geld kann man hier viel über die Geschichte Zugs erfahren.

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

0 Kommentare