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Verband lanciert «handicapiertes» Team – und hofft auf FCL-Support
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Claudio Lustenberger (l.) mit einem Bewohner der «Stiftung für Schwerbehinderte Luzern» vor zwei Jahren an der Weihnachtsfeier in Rathausen. (Bild: freshfocus/ Martin Meienberger)

100-Jahr-Jubiläum: Fussballverband wird karitativ Verband lanciert «handicapiertes» Team – und hofft auf FCL-Support

5 min Lesezeit 07.04.2018, 04:59 Uhr

Der Innerschweizer Fussballverband wird heuer 100 Jahre alt. Hinsichtlich des Jubiläums will der Verband ein «Team Innerschweiz» gründen. Eigentlich ist das nichts Besonderes. Allerdings setzt sich das Team aus körperlich und geistig behinderten Menschen zusammen. Ziel wäre es, irgendwann gegen andere Teams wie Zürich oder Werder Bremen anzutreten.

Als am 7. April 1918 im Hotel Engel in Schwyz der Innerschweizerische Fussballverband (kurz: IFV) gegründet wurde, verfolgten die Urväter ein eisernes Ziel: den Fussball in der Innerschweiz zu fördern. Der Verband sollte für die nötigen Strukturen sorgen. Undenkbar war es zu jener Zeit, dass ein Verband auch eine karitative Ausrichtung haben kann. Das ist heute anders.

Hoch über den Wolken, auf 2’132 Metern über Meer, lud der IFV die Medienvertreter ein, um über künftige Verbandstätigkeiten zu orientieren. Dabei überliess man nichts dem Zufall. Auch der Luzerner Hausberg war nicht willkürlich gewählt, blickt man von dort aus nämlich in jedes Verbandsgebiet.

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100 Jahre nachdem die Urväter den IFV gründeten, möchte der Verband mit der Stiftung «Football is more» und weiteren Partnern den Behindertensport im Fussball aktiv fördern. Das karitative Projekt nennt sich «Team Innerschweiz» und soll sich aus körperlich und geistig behinderten Menschen zusammensetzen.

Internationale Topvereine stellen bereits Teams

Real Madrid, Chelsea, Borussia Dortmund oder Werder Bremen führen bereits Teams mit geistig und körperlich behinderten Menschen. Und in der Schweiz? Ungeachtet dessen, dass die Schweizer Liga jedem Super-League-Club vorschreibt, einen Verantwortlichen zu haben, der sich um soziale Tätigkeiten kümmert, stellt bisher nur der FC Zürich eine Mannschaft.

Sally Sarr besuchte die «Stiftung für Schwerbehinderte Luzern» im November 2014 und war von den Bewohnern sehr angetan.

Sally Sarr besuchte die «Stiftung für Schwerbehinderte Luzern» im November 2014 und war von den Bewohnern sehr angetan.

(Bild: freshfocus/ Martin Meienberger)

Auch der FC Luzern engagiert sich karitativ für behinderte Menschen. Früher besuchten die FCL-Stars vor Weihnachten die Bewohner und Betreuer der «Stiftung für Schwerbehinderte Luzern» in Rathausen. Dazu kam kurz vor Ostern ein Abstecher ins Kinderspital. «Eingeführt und initiiert wurde das karitative Engagement vom ehemaligen Sportdirektor Alex Frei. Insbesondere in Dortmund war man karitativ sehr engagiert. Davon war Alex beeindruckt», sagt Daniel Frank, Kommunikations- und Marketingverantwortlicher des IFV. Mit den zahlreichen Personalwechseln und unter der neuen Führung ist dieses Engagement etwas aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden.

«Auch Menschen mit Behinderung leben und lieben den Fussball.»

Urs Dickerhof, Präsident des Innerschweizerischen Fussballverbands

Den FCL als Aushängeschild nutzen

«Wir müssen die Arbeit mit behinderten Menschen forcieren», sagt Urs Dickerhof, Präsident des Innerschweizerischen Fussballverbands. Mit dem FC Kantonsrat habe er am 13. März 2018 im Stade de Suisse nach dem Charity-Spiel gegen den FC Nationalrat zum wiederholten Mal die Gelegenheit gehabt, die Menschen des SSBL kennenzulernen. Diese kamen als Zuschauer ins Stadion, um das Team von Dickerhof anzufeuern. Dickerhof: «Die Menschen haben mich sofort berührt.»

Urs Dickerhof: «Der Verband kann sich zu Themen äussern, die nicht spezifisch zur Verbandstätigkeit wie beispielsweise dem Organisieren von Spielen gehören. Er muss den Vereinen auch in diesem Bereich eine Richtung vorgeben.» Dickerhof geht jedoch davon aus, dass die karitative Tätigkeit des Verbands mit dem Präsidenten steht und fällt.

Weder bei Daniel Frank noch bei Urs Dickerhof liegt ein persönliches familiäres Anliegen dahinter. «Glücklicherweise ist meine Familie kerngesund», sagt Dickerhof. Der Entscheid, sich sozial zu engagieren, darf deshalb «nicht an spezifische Personen oder das persönliche Schicksal gebunden sein».

Der IFV versucht mit der Kampagne «Team Innerschweiz» Menschen mit Behinderung verstärkt in der Gesellschaft zu integrieren. «Auch diese Menschen leben und lieben den Fussball», sagt Dickerhof.

 

Ein Wunschziel von Daniel Frank und Urs Dickerhof wäre es, dass das Team regelmässig von Spielern des FC Luzern trainiert werden würde. «Sobald unser Konzept finalisiert ist, werden wir vom Verband mit dem FCL und dem SC Kriens Kontakt aufnehmen. Geplant ist ein Training mit handicapierten Menschen pro Monat, das von FCL- und SCK-Spielern geleitet wird», sagt Frank.

Die Jubiläumszahlen des IFV

Am 7. April 1918 gründete eine Handvoll Funktionäre im Hotel Engel in Schwyz den IFV. Fortan begann sich der Verband stetig zu vergrössern. Heute zählt er 89 Vereine und insgesamt 23’275 lizenzierten Fussballerinnen und Fussballer. Das Verbandsgebiet umfasst die Kantone Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden, Luzern und Zug und zwei Vereine aus dem Kanton Aargau.

Bis es jedoch zu einer erweiterten Partnerschaft mit dem FCL kommt, liege es am Verband, diese karitative Aufgabe weiter voranzutreiben.  

Daniel Frank war früher stellvertretender Medienchef und PR-Manager im FCL und hat einen guten Draht zum jetzigen FCL-Trainer Gerardo Seoane. Er hofft, beim neuen FCL-Trainer auf offene Ohren zu stossen. «Der FC Luzern ist nach wie vor das wichtigste Aushängeschild der Region. Die Bevölkerung und Mitglieder der anderen 88 Innerschweizer Vereine sehen, hören und sprechen über den FCL», sagt Frank.

Daniel Frank sieht aber nicht nur den FC Luzern in der Verantwortung für karitative Tätigkeiten: «Auch die anderen 88 IFV-Vereine sollen bei der Integration von Menschen mit Behinderung eingebunden werden.» Eine Integrationsmöglichkeit sähe Frank beispielsweise darin, bei Juniorenspielen oder in unteren Ligen einen Linienrichter mit einer körperlichen Beeinträchtigung einzusetzen. Frank: «Bei einigen Vereinen wird das bereits umgesetzt. Vermutlich stünde dieser dann sogar eine Stunde früher als gefordert auf dem Platz, weil er sich dermassen auf das Spiel freut.»

FCL-Spieler Claudio Lustenberger ist SSBL-Botschafter geblieben

Einer, der bis heute Botschafter der SSBL geblieben ist, ist FCL-Captain Claudio Lustenberger. «Claudio macht das seit drei Jahren auf bewundernswerte Art und Weise.» Damals besuchten die FCL-Spieler die Stiftung kurz vor Weihnachten, um mit den behinderten Menschen zu feiern. «Das war für die Bewohner einerseits sehr emotional und andererseits ein grosses Fest», erinnert sich Frank. Neben Lustenberger waren auch die ehemaligen FCL-Spieler Sally Sarr oder François Affolter angetan von diesen speziellen Besuchern.

«Gewinnt der FC Luzern, strahlen die Gesichter. Auch Menschen mit Behinderung sind treu und leiden mit.»

Daniel Frank, Kommunikations- und Marketingverantwortlicher des IFV

Aber nicht alle sind für solche Begegnungen oder Aufgaben geeignet. Daniel Frank: «Es gibt Menschen, die bekunden Mühe beim Umgang mit Menschen mit Behinderung oder beispielsweise krebskranken Kindern.» Dafür bringt Frank Verständnis auf: «Selber gesund zu sein, aber einen nicht gesunden Menschen zu sehen, kann zur psychischen Belastung werden.»

Trotzdem: Oftmals sind es genau diese handicapierten Menschen, die mit weniger glücklich sind. Das zeigt sich insbesondere dann, wenn der FC Luzern verliert. Frank: «Dann kullern Tränen der Enttäuschung. Gewinnt der FC Luzern, strahlen die Gesichter. Auch Menschen mit Behinderung sind treu und leiden mit.» Das weiss Frank aus seiner damaligen Tätigkeit beim FCL.

Hinweis der Redaktion:  In einer ersten Version des Artikels stand, dass der FC Luzern sein karikatives Engagement eingestellt hat. Das war so nicht korrekt. Der FC Luzern berichtet einfach zurückhaltender über seine karikativen Aktivitäten als früher.

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